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Antibabypille: Fluch oder Segen?

Pille
Saskia
Geschrieben von Saskia

Ärzte klären zu wenig auf.

Seit 1961 ist die Antibabypille in Deutschland erhältlich und seitdem das meist genutzte und verlässlichste Verhütungsmittel. Positive Nebeneffekte? Hautbild und Periodenschmerzen können sich durch die Einnahme verbessern. Nach und nach verlor die Antibabypille allerdings ihren guten Ruf, da sie eben nicht nur Vorteile, sondern auch einige Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen kann. 


Obwohl sich mittlerweile schon Pharmariesen vor Gericht behaupten müssen, ist die Antibabypille nach wie vor die beliebteste Verhütungsmethode der Welt.

Vorteile der Antibabypille

  • fast zu 100 Prozent sichere Verhütung (bei regelmäßiger Einnahme)
  • wirkt sofort
  • schwächere und schmerzfreiere Periode
  • lindert Akne und fettige Haut
  • kann Stimmungsschwankungen verbessern
  • beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit
  • kann Endometriose verhindern/lindern
  • mindert laut einer Langzeitstudie der University of Aberdeen das Risiko von Eierstock- und Dickdarmkrebs sowie von Tumoren an der Gebärmutterschleimhaut

Nachteile der Antibabypille

  • allgemein erhöhtes Thrombose-Risiko (speziell wenn ihr regelmäßig raucht und/oder übergewichtig seid)
  • erhöhtes Schlaganfall-Risiko (arterielle Thrombose)
  • erhöhtes Lungenembolie-Risiko (gefährlichste Venenthrombose)
  • erhöhtes Herzinfarkt-Risiko
  • begünstigt Gebärmutterhals- und Brustkrebs (erhöhtes Risiko endet laut der verlinkten Langzeitstudie fünf Jahre nach dem Absetzen)
  • Belastung der Leber/Schilddrüse
  • Gewichtszunahme
  • Migräne
  • schlechte Laune
  • erschwert Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen
  • kein Schutz vor Geschlechtskrankheiten

Risiken und Nebenwirkungen minimieren

Die Gründe, die für die Einnahme der Pille sprechen und mögliche Risiken sollten bei jeder Frau individuell abgewogen werden. Verlasst euch dabei nicht nur auf den ersten Rat eures Frauenarztes. Habt ihr beispielsweise bereits vor der ersten Einnahme Bedenken und geht euer Arzt nicht darauf ein oder stellt ihr Nebenwirkungen fest, holt euch gegebenenfalls eine zweite ärztliche Meinung ein.

Ein erhöhtes Thrombose-Risiko soll vor allem bei Pillen der 3. und 4. Generation – also den neuesten Präparaten – bestehen, da diese andere beziehungsweise risikoreichere Gestagene enthalten als ältere Generationen. Zudem soll eine Minipille (enthält nur das Hormon Gestagen) risikoärmer sein als eine Mikropille (enthält zwei Hormone: Gestagen und Östrogen). Euer Frauenarzt sollte euch dazu Rede und Antwort stehen.

Welche Alternativen gibt es?

Anstatt mit der Pille, könnt ihr auch mit Vaginalpflastern, dem Vaginalring oder einem Hormon-Implantat (Kunststoffstäbchen, das in den Arm implantiert wird) verhüten. Allerdings kommen bei diesen Methoden wieder zusätzliche Hormone und damit ebenfalls ein erhöhtes Thrombose-Risiko und weitere Riskiken und Nebenwirkungen mit ins Spiel.

Zudem gibt es alternative Verhütungsmethoden, die ohne Hormone auskommen. Dabei solltet ihr beachten, dass diese nicht so verlässlich sind, wie die hormonellen Varianten.

Zur Auswahl stehen beispielsweise:

  • Diaphragma
  • Kupferspirale
  • chemische Verhütungsmittel
  • Kalendermethode
  • Temperaturmethode
  • Zervixschleim-Methode
  • Symptothermale Methode

Hier findet ihr eine Übersicht der gängigsten Verhütungsmethoden inklusive Pearl-Index. Je niedriger der Index ausfällt, umso verlässlicher könnt ihr mit der Methode verhüten.

Fluch oder Segen?

In meinem Freundeskreis habe ich die unterschiedlichsten Meinungen zur Antibabypille zu hören bekommen. Dabei schwanken die Ansichten von ‘unnötiger Panikmache’, bis hin zu verachtenden und wütenden Faziten gegen das Medikament. Elsa* schildert euch, welche Erfahrungen sie mit der Antibabypille gemacht hat und wie es ihr nach dem Absetzen ergangen ist.

Elsas Erfahrungen mit der Antibabypille

Aufgrund meiner Akneprobleme bekam ich mit 16 Jahren die Antibabypille verschrieben. Ich probierte unterschiedliche Präparate aus und konnte keine offensichtlichen Nebenwirkungen feststellen. Als heranwachsende Frau erfüllte mich die Pille außerdem irgendwie mit Stolz, denn im Freundeskreis bedeutete dieser Schritt, dass man immer stärker als Frau und nicht mehr als Mädchen wahrgenommen wurde. Aus heutiger Sicht total dämlich, aber so ticken Teenager leider häufig. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte und Eltern an einem Strang ziehen und über Risiken und Nebenwirkungen der Pille aufklären. Die ausführliche Beratung blieb in meinem Fall leider auf der Strecke. Mitte 20 wollte ich das Medikament zum ersten Mal absetzen, da ich befürchtete, dass mir die Hormone schaden könnten. Nach nur zwei Monaten gab ich allerdings schon wieder auf. Die Pickel wurden mehr, die Haut war fettig und auch Stimmungsschwankungen blieb ich nicht verschont. Also nahm ich die Pille wieder und nur wenige Wochen später verschwanden meine Beschwerden. Geschockt war ich dennoch, da ich nicht erwartet hätte, dass mein Körper ohne zusätzliche Hormone nicht mehr auskam. Mit 32 startete ich einen zweiten Versuch. In einer Zeit, in der die Antibabypille von ihrem bislang größten Imageschaden heimgesucht wurde. Kneifen kam für mich dieses Mal nicht infrage. Ich machte mir vermehrt Gedanken über die Familiengründung und hoffte, dass mein Körper auch ohne Hormonpräparat auskam. Nach drei Monaten begann für mich die Hölle auf Erden. Die Akne kam doppelt und dreifach, ich litt unter Haarausfall, Schuppen, die Periodenschmerzen waren nur schwer zu ertragen und meine Stimmungsschwankungen glichen einer depressiven Episode. Mittlerweile nehme ich die Pille seit fast vier Jahren nicht mehr. Der Großteil der Beschwerden ist geblieben. Die Akne bekomme ich nur mit einem verschreibungspflichtigen Medikament und Mönchspfeffer in den Griff und ich investiere in zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, um meine Stimmungsschwankungen zu minimieren. Auch die Kopfhaut macht immer noch Probleme, da meine Talgdrüsen zu viel Fett produzieren. Meine Periodenschmerzen beginnen bereits in der Mitte meines Zyklus. Manchmal muss ich bereits dann schon zu Schmerzmitteln greifen. Die Beschwerden in den ersten Tagen meiner Periode kann ich meist nur mit der doppelten Schmerzmittelmenge lindern. Laut Frauenärztin bestehe aber kein Hinweis auf eine Endometriose und auch mein Hormonspiegel ist unauffällig. Eine Sprechstundenhilfe sprach von den gleichen Beschwerden. Sie entschied sich, die Antibabypille wieder zu nehmen. Auch bei mir gibt es immer wieder Situationen, in denen ich kurz davor stehe, wieder “schwach” zu werden. Ich habe zahlreiche ärztliche Untersuchungen hinter mir und das Einzige, was mir Endokrinologen, Frauen, – und Hautärzte raten? Nehmen Sie “einfach” wieder die Pille. Über die unterschiedlichen Risiken klärte mich trotz regelmäßiger Rückfragen keiner der Ärzte auf. Da ich nie geraucht habe und auch nie übergewichtig war, haben mir Ärzte durchweg die Pille empfohlen. Meine Sichtweise? Erst durch die zusätzlichen Hormone geht es meinem Körper so schlecht. Er ist schlichtweg unfähig, wieder ohne sie klarzukommen. Wie lange diese “Phase” noch anhält? Das kann mir natürlich niemand sagen.

*Name von der Redaktion geändert. 

Video: YouTube

Titelbild: © pixelfreund

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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