Baby Kleinkind Schulkind

Alle unter einem Dach

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Es gehört wahrscheinlich zu den tragischsten Erlebnissen im Leben, wenn man sich von einem geliebten Familienmitglied trennen muss. Besonders, wenn man mit ihm Jahre lang Gassi gegangen ist, wenn es einem morgens die Zeitung gebracht hat oder abends schnurrend auf dem Schoß eingeschlafen ist. Das Thema „Haustiere und Babies“ sorgt immer noch für Kontroversen. Viele sehen keine Schwierigkeiten, andere wiederum lehnen ein Zusammenleben strikt ab. Was ist richtig? Was muss man bedenken?


Werdenden Mamas und Papas schwirrt der Kopf. Es gibt so viel zu bedenken und zu überlegen und wenn der Nachwuchs endlich „geschlüpft“ ist, ist es damit noch lange nicht vorbei. So kommt man beispielsweise nach der Geburt mit dem kleinen Bündel aus dem Krankenhaus nach Hause und an der Tür wartet bereits, schwanzwedelnd und hechelnd, Floppy. „Oh mein Gott, was machen wir eigentlich mit Floppy“, werden dann vielleicht einige frischgebackene Eltern besorgt fragen. Denn, wenn Kinder und Haustiere unter einem Dach leben sollen, müssen einige entscheidende Dinge beachtet werden.

Fragen, die euch in einer Kind-Tier-Situation vielleicht durch den Kopf schießen, betreffen natürlich vor allem das Wohlergehen des Kindes. Wie werden der Hund oder die Katze auf das Kind reagieren? Akzeptieren sie, dass es neue Regeln im Haus gibt und dass nicht mehr alle Räume für sie verfügbar sind? Was machen wir, wenn unser Kind allergisch auf den Vierbeiner reagiert? Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen wir treffen etc.? Für diejenigen, die nicht die Meinung vertreten, dass Haustiere und kleine Kinder keinen engen Kontakt haben sollten und sich überhaupt nicht vorstellen können, sich von den stark behaarten Familienmitgliedern zu trennen, gibt es Lösungen. Keine Angst!

Zunächst lautet das Stichwort „Prävention“. Wenn ihr wisst, dass ihr ein Baby erwartet und einen vierbeinigen oder vielleicht gefiederten Liebling zu Hause habt, dann habt ihr jetzt neun Monate Zeit, neue Grenzen festzulegen und rigoros abzustecken, denn die Art der Tierhaltung und –erziehung kann nicht von heute auf morgen geändert werden. Auch Tiere reagieren sensibel auf Veränderungen und ihre Psyche darf nach dem Zuwachs der Familie nicht vernachlässigt werden, wenn man sich entschieden hat, seinen Partner mit der kalten Schnauze zu behalten. Am besten fängt man so früh wie möglich damit an, Hund, Katze und Vogel daran zu gewöhnen, dass sie zukünftig nicht mehr zu jedem Zimmer, zu jeder Tages- und Nachtzeit Zutritt haben. Das „Draußenbleiben“ muss geübt und nicht einfach verlangt werden. Besonders das zukünftige Zimmer des Kindes sollte zunächst zur Tabuzone erklärt werden. Schließlich sollten katastrophale Szenarien, in denen sich z.B. Katze Minka zum Schlafen auf das schlummernde Baby legt, von vornherein abgewendet werden.

Wir müssen uns langsam eingestehen, dass der Mensch sich nicht großartig vom Tier unterscheidet und wenn die Familie wächst und Aufmerksamkeit und Liebe umverteilt werden, können auch bei Tieren sehr menschliche Gefühle und Regungen auftreten, wie z.B. der Beschützerinstinkt, Eifersucht und damit einhergehende Unberechenbarkeit. Da Haustiere zudem meistens die „älteren Rechte“ im Haushalt haben, muss auch diesbezüglich sensibel mit dem tierischen Gemüt umgegangen werden. Derjenige von euch, der sich gerade nicht um das Wohl des Babies kümmert, sollte sich für Streicheleinheiten und Spazierengehen zur Verfügung stellen. Später, wenn euer Kind die ersten Krabbel- oder Laufversuche unternimmt, ist es wichtig, dass sich die quietschenden Hundespielzeuge nicht mit den ebenfalls quietschenden Kinderspielzeugen vermischen und es wohlmöglich zum Kampf um den Gummiknochen kommt. Auch sollten Körbchen, Tierdecken und das Katzenklo, die natürlich regelmäßig gereinigt werden müssen, außer Reichweite gebracht werden, sobald der flinke, kleine Krabbler in der Nähe ist. Ich sage nur so viel: Orale Phase! Das wollt ihr wirklich nicht erleben.

Nicht vergessen sollte man, dass Haustiere verschiedene Krankheiten übertragen können. Regelmäßige Impfungen und Untersuchungen beim Tierarzt können jedoch weitgehend vorbeugen. Berüchtigt ist die Toxoplasmose, die von Katzen übertragen werden kann und die bei Erkrankung der Mutter eine Gefahr für das Ungeborene darstellt. Katzenbesitzerinnen sollten schon nach dem Wissen um ihre Schwangerschaft testen lassen, ob sie und ihr schnurrender Geselle ausreichend Antikörper – und damit bereits eine Immunität gegen Toxoplasmose besitzen. Hunde können von Würmern befallen sein. Außerdem fühlen sich eine ganze Menge verschiedener Insekten, wie Flöhe oder Zecken, auf haarigen Haustieren besonders wohl. Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte das Fell deshalb durchgecheckt werden. Eiserne Regel sollte sein, dass sich das Kind nach dem Spielen mit den Vierbeinern die Hände gut wäscht – denn mögliche Krankheitserreger können sowohl im Pelz als auch auf den Schleimhäuten der Tiere sitzen.

Sollte der schlimmste Fall eintreten, nämlich dass euer Baby allergisch auf euren tierischen Freund reagiert, müsst ihr euch um ein neues Zuhause für ihn kümmern. Denn, wenn das Entfernen von Teppichen oder das Fernhalten des Tieres vom Kind keine Linderung mit sich bringt, gibt es leider keine andere Lösung. Der mögliche Fall einer Unverträglichkeit sollte bereits vor der Geburt bedacht werden. Die guten Hände, in die man sein Tier schweren Herzens abgeben würde, sollten schon gefunden sein. Aber gerade das ist oft die Schwierigkeit. Helfen können rechtzeitige Nachfragen in der Familie, im Bekanntenkreis, beim Tierschutzbund oder, wenn alle Stränge reißen, das Schalten einer Annonce in der Tageszeitung.

Tiere können eine Bereicherung für kleine Familien sein, wenn die eben genannten Maßnahmen eingehalten werden. Euer Kind lernt früh den Umgang mit anderen Lebewesen, was man tun und was man nicht tun sollte, und erhöht vielleicht dadurch sogar seine Sozialkompetenz, solange noch keine Geschwister da sind. Auch sollte man nicht davon ausgehen, dass Hund und Katze sofort zur reißenden Bestie werden, wenn das krabbelnde Kleinkind vielleicht einmal etwas beherzter zupackt. Während Katzen eher die Flucht ergreifen, reagieren Hunde sehr oft ausgesprochen großmütig und verzeihen schnell einen unbedachten Hieb mit dem Steiff-Tier. Wenn also eine Allergie weitestgehend ausgeschlossen werden kann, könnte man das Zusammenleben unter einem Dach doch einmal proben – mit der ganzen Familie plus Hund, Katze, Maus.

Titelbild: © maksymowicz – Fotolia.com

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