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Aggressive Kinder: Was tun, wenn Kinder ihre Eltern schlagen?

Aggressive Kinder
Helena
Geschrieben von Helena

Zuhören ist das A und O!

Mit ungefähr drei Jahren wächst bei Kindern der Wunsch nach Selbstbestimmung. Ab der sogenannten Trotzphase wird deshalb neben verbalem Aufruhr auch schnell mal geschlagen, getreten und gebissen. Wir erklären euch, wieso auch aggressives Verhalten bei Kindern bis zu einem gewissen Punkt zum Entwicklungsprozess dazugehört und wie ihr am besten reagiert, wenn eure Kinder euch schlagen beziehungsweise körperlich wehtun.


Gewalt ist keine Lösung. Allerdings müssen Kinder dieses Wissen erst verinnerlichen. Beispielsweise, indem sie Machtverhältnisse und Grenzen austesten. Zudem müssen sie erst lernen, wie sie negativen Emotionen anders Gehör verschaffen können als durch körperliche oder verbale Gewalt.

Warum Aggressionen bei Kindern wichtig sind

Laut des Buches „Aggression – warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist“ des verstorbenen Familientherapeuten und Beststellerautors Jesper Juul sollten wir einen positiven Umgang mit Aggressionen anstreben, anstatt sie komplett auszublenden. Aus seiner Sicht haben Erziehungsberechtigte, Erzieher und Lehrer die Aufgabe, das aggressive Verhalten eines Kindes nicht sofort als böse abzustempeln. Stattdessen plädiert er dafür, mit Offenheit, Geduld, Einfühlungsvermögen und durch Zuhören, den Auslösern des tabuisierten Gefühls auf die Spur zu kommen. Kontraproduktiv sei dagegen, Kinder in den jeweiligen Situationen ihre negativen Gefühle abzuerkennen und stattdessen darauf zu beharren, was (angeblich) einen guten und erfolgreichen Menschen ausmache – Jasper Juuls bezeichnete dies als eine Art der Schauspielerei, die er auch das Botox-Syndrom der Seele nannte. Dies würde beispielsweise nur bewirken, dass sich Kinder noch weniger verstanden und verunsichert fühlen.

Hier verraten wir euch, wie ihr reagieren könnt, wenn eure Kinder euch beschimpfen.

Aggressive Kinder rufen oft nach Hilfe

Jesper Juul weist darauf hin, dass den Aggressionen eines Kindes oft ein Hilferuf innewohnt. Schläge, Tritte und Co. sind somit häufig ein Schrei nach Aufmerksamkeit und dem Wunsch danach gesehen, gehört, verstanden und unterstützt zu werden. Kindliche Aggressionen seien außerdem kein Akt der Gewalt, sondern ein Zeichen von Frust, weil sich Kinder beispielsweise sprachlich noch nicht so gut mitteilen können. Hier gilt es zu unterscheiden, ob euer Kind nur ganz gewöhnliche und dem Alter entsprechende Sprachbarrieren hat oder ob diese auf eine Entwicklungsstörung hindeuten können. Darauf kommen wir am Ende des Beitrags noch mal genauer zurück.

So könnt ihr auf aggressive Kinder reagieren:

  • Schaut eurem Kind ruhig, aber bestimmt in die Augen, haltet beispielsweise seinen Arm fest und sagt: „Nein! Mir gefällt es nicht, wenn du mich schlägst/haust/beißt und ich möchte, dass du damit aufhörst!“
  • Im zweiten Schritt fragt ihr euer Kind nach der Ursache: „Mich interessiert aber, wieso du so wütend/verzweifelt bist.“

Was bewirkt ihr mit diesem Verhalten?

Indem ihr euer Kind nicht gleich für sein Verhalten verurteilt, sondern nach dem Grund fragt und ihm gleichzeitig eure eigenen Gefühle mitteilt und Grenzen setzt, fühlt es sich gehört, wertgeschätzt, es bekommt den notwendigen elterlichen Halt sowie einen Eindruck davon, wie ihr euch durch sein Verhalten fühlt. Frust und Wut können damit oft schon aufgelöst werden.

Geht ihr in den Gegenangriff und fühlt euch verletzt, spürt euer Kind, dass es Macht über euch hat – dass es geradezu eine Gefahr für euch sein kann. Das bedeutet wiederum für ein Kind, dass es sich auf seine Eltern nicht verlassen und von ihnen nicht beschützt werden kann. Aber genau diese Sicherheit und das Gefühl, gehört und gesehen zu werden, braucht ein Kind.

Wendet ihr stattdessen eine akzeptierende und respektvolle Haltung an, wird euer Kind Schritt für Schritt lernen, seine Wut und seine Frustration anders mitzuteilen und generell mit negativen Gefühlen konstruktiver umgehen. Dies sorgt für ein gesundes Selbstwertgefühl, soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen.

„Es braucht eine Kindheit lang, um zu lernen, aggressive Gefühle zu integrieren und konstruktiv und kreativ zu nutzen. Wenn wir eine Welt ohne Krieg haben wollen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder spätestens bis 15, 16 gelernt haben, mit ihren Aggressionen umzugehen“, so Jesper Juul.

Wenn Aggressionen nicht aufhören

Hält das aggressive Verhalten eurer Kinder länger an und werden sie auch anderen Personen oder Tieren gegenüber häufiger aggressiv, scheut euch nicht davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und das Kind auf mögliche sprachliche, organische und neuropsychologische Beeinträchtigungen untersuchen zu lassen. Hier zählt natürlich auch euer elterliches Gespür. Trotz aller Ohnmacht und Enttäuschung, die ihr dann vielleicht verspürt, ist es wichtig, dass ihr nicht die Geduld verliert, nicht in den Gegenangriff übergeht und auch nicht mit Liebesentzug reagiert. Auch kann es sinnvoll sein, zuerst mit Erziehern und Lehrern das Gespräch zu suchen. Denn laut Juul passiert es gerade in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen häufiger, dass Kinder (speziell Jungen) sogar vorschnell als verhaltensauffällig abgestempelt werden. Gerade in solch einer Situation benötigen Kinder Eltern, die in der Lage sind, empathisch zu führen und sich helfen zu lassen, wenn die eigenen Bemühungen nicht mehr ausreichen.

Titelbild: © Antonio Gravante

Über den Autor

Helena

Helena

Ganz egal, ob wir selbst Eltern sind oder nicht - Kinder sind das Wertvollste, das uns das Leben bescheren kann. Und genau so möchte ich und sollten wir alle sie behandeln. Als gutes Vorbild vorangehen, ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenken und genug Raum zur freien Entfaltung geben. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen? Keine Sorge! Alle Einzelheiten klären wir schließlich auf ma-gazin.de! :)

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