Kleinkind Schulkind

ADHS durch Nutzung digitaler Medien?

ADHS
Saskia
Geschrieben von Saskia

Kinder und Jugendliche sind betroffen!

War früher alles besser? Natürlich nicht! Erinnert ihr euch aber heute als Eltern zurück an eure eigene Kindheit und Jugend, war diese immerhin nicht so reizüberflutet wie heute. Heutzutage wachsen bereits Kleinkinder mit Smartphones und Tablets auf, spätestens ab der Grundschule folgen dann Social Media Accounts, WhatsApp und Computer. Das Problem? Je häufiger Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen, umso unkonzentrierter und gestresster sind sie. Nun stellt eine erste Längsschnittstudie einen möglichen Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Nutzung digitaler Medien bei Heranwachsenden und ADHS dar. 


Die Aufmerksamkeits­defizit-/Hyper­aktivitätsstörung ist eine psychische Erkrankung, die vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Ist ADHS stark ausgeprägt, kann dadurch das gesamte Leben der betroffenen Person negativ beeinflusst werden. Das bedeutet unter anderem: schlechte Schulleistungen, Ärger in der Familie und mit Freunden und anderen Personen sowie ein erhöhtes Unfallrisiko. Natürlich wirkt sich dies auch auf den Alltag aller Familienmitglieder aus. Seit einigen Jahren wird die wachsende Zahl der ADHS-Diagnosen sehr kritisch betrachtet. Medizinern wird vorgeworfen, die Erkrankung zu schnell zu diagnostizieren. Andererseits gibt es Fälle in denen Kinder keine Diagnose erhalten, obwohl sie ADHS haben. Beide Fälle wirken sich negativ auf die Entwicklung der betroffenen Person aus.

Welche Symptome deuten auf ADHS?

Es gibt drei wesentliche Symptome, die auf ADHS hindeuten können:

  • Unaufmerksamkeit (schlechte Konzentration, schnell abgelenkt)
  • Hyperaktivität (Rastlosigkeit, Unruhe)
  • Impulsivität (Leichtfertigkeit, Ungeduld)

Diese Symptome bedeuten allerdings nicht gleich, dass euer Kind am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidet. Erst nachdem eines der zwei Diagnose-Standards (ICD oder DSM) angewandt wurde und ganz bestimmte Kriterien zutreffen, erfolgt eine Diagnose. Dennoch ist es bislang ein schwieriger Grad, eindeutig zu entscheiden, ab wann wirklich eine psychische Störung vorliegt. Je jünger ein Kind ist, umso normaler sind auch Verhaltensweisen wie Beispielsweise Impulsivität. In Deutschland wird bei 4 bis 5 Kindern von 100 ADHS diagnostiziert. Studien zeigen allerdings, dass nur 1 bis 2 von 100 Kindern die Diagnosekriterien wirklich erfüllen.

Wichtig ist zudem, dass andere mögliche Erkrankungen ausgeschlossen werden können.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Schlafstörungen
  • Sehfehler
  • Schwerhörigkeit
  • Schilddrüsenüberfunktion

Eine Diagnose sollte außerdem nicht vorschnell getroffen werden. Besonders dann, wenn sich involvierte Fachärzte uneinig darüber sind, ob das Verhalten des Kindes oder Jugendlichen noch normal ist oder eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegt. Dann ist es dringend erforderlich, dass mehrere ausführliche Untersuchungen und Gespräche mit dem Kind und den Eltern erfolgen.

Therapie bei ADHS

Je nachdem ob und in welchem Maße ADHS diagnostiziert wird, sollten unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden:

  • ausführliche Gespräche mit dem Kind und den Erziehungsberechtigten
  • Gespräche mit Erziehern/Lehrern
  • Elterntraining
  • Verhaltenstherapie
  • begleitende Behandlung mit Medikamenten (zweite Meinung einholen)

Ursachen und Risikofaktoren für ADHS

Es gibt zahlreiche Studien, die unterschiedliche Ursachen und Risikofaktoren für das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom aufzeigen. Allerdings sind viele davon bislang nicht eindeutig belegt. Vermutet wird aber, dass die Erkrankung immer auf mehrere Ursachen zurückzuführen sei.

Untersuchungen machen deutlich, dass der Transport des Botenstoffs Dopamin an den Nervenzellen im Gehirn verändert ist, wodurch die Gedächtnis- und Lernfunktion negativ beeinflusst wird. Auch eine genetische Veranlagung kann vorliegen.

Weitere mögliche Ursachen:

  • Zigaretten-, Alkohol- und/oder Drogenkonsum in der Schwangerschaft
  • niedriges Geburtsgewicht
  • Sauerstoffmangel während der Geburt
  • Reizüberflutung*
  • Überfluss- und Leistungsgesellschaft

*ADHS durch Nutzung digitaler Medien

Ständige Erreichbarkeit, Reaktionen, die unentwegt durch Freunde (und Feinde!) eingefordert werden, der Wunsch, nach Anerkennung sowie die Suche nach Identität, beeinflussen Jugendliche oft negativ. Anders gesagt, steht die Gedanken- und Gefühlswelt unentwegt unter Strom. Damit bleibt die Konzentration für die Schule und Freizeitaktivitäten, bei denen sie wirklich abschalten und ihre Energie loswerden können, auf der Strecke und das Hamsterrad nimmt seinen Lauf.

Die amerikanische Längsschnittstudie „Happiness & Health Study“ aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Jugendliche, die bislang keine Anzeichen für ADHS zeigten, gefährdet sein könnten, durch die hohe Nutzung digitaler Medien die Aufmerksamkeits­defizit-/Hyper­aktivitätsstörung zu entwickeln. An der zweijährigen Studie nahmen 2.587 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 16 Jahren teil. Die Studienergebnisse reichen bislang allerdings nicht aus, um daraus eine Ursache-Wirkung-Beziehung ableiten zu können. Genauere Infos findet ihr hier.

Was ihr tun könnt

Wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Kind durch die Nutzung digitaler Medien eher unruhig, unkonzentriert oder aggressiv ist, solltet ihr handeln. Erste Maßnahmen könnt ihr gleich in die Tat umsetzen. Diese sollten allerdings kein vollständiges Verbot bedeuten. Wirksamer ist es, mit eurem Nachwuchs regelmäßige, aber begrenzte Online-Zeiten abzusprechen. Für den Fall, dass er sich nicht daran hält, solltet ihr auch gleich die Konsequenzen deutlich machen. Ihr könnt auch eine Art schriftlichen Vertrag vereinbaren. So wird euer Kind immer wieder daran erinnert, ohne es ständig darauf hinweisen zu müssen. Machen sich bereits tiefgreifendere Symptome bemerkbar wie etwa Schulprobleme oder aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, solltet ihr als nächsten Schritt Kontakt zur Schule und zu Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie zu Psychotherapeuten aufnehmen. Dies ist natürlich auch notwendig, wenn euer Nachwuchs überdurchschnittlich verhaltensauffällig ist und digitale Medien eher selten nutzt.

Wir empfehlen euch auch noch mal unseren Beitrag zur BLIKK Medienstudie „Smartphones schaden der kindlichen Entwicklung„.

Bedenkt außerdem, dass sich auch euer eigenes Verhalten negativ auf das eurer Kinder auswirken kann:

Falls ihr zusätzlichen Support benötigt, könnt ihr euch beispielsweise hier informieren:

Quellen: BIG direkt gesund & Ärzteblatt

Video: YouTube

Titelbild: © kerkezz

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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