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Aber hier leben, nein danke!

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Heute gibt es aus der Ma-gazin-Redaktion einen ganz bezaubernden Filmtipp für euch. Denn es gibt Tage, da möchte man einfach zuhause bleiben. Nicht, weil die Welt da draußen so furchtbar, sondern weil es auf der Couch so schön gemütlich ist. Ob nun alleine, mit euren Liebsten oder Freunden. Oder vielleicht mit eurer schon ziemlich runden Babykugel? Wie auch immer, es ist jedenfalls nie zu spät oder zu früh sich tolle, schöne, traurige, witzige, romantische oder einfach grandiose Filme mit fidelen, schwangeren Frauen von der eben erwähnten Couch aus anzuschauen. Wenn ihr also schon nicht das Haus verlasst, dann begebt euch doch zumindest auf einen cineastischen Roadtrip mit Verona, Burt und ihrem ungeborenen Baby. Ihr werdet sie lieben.


„Ihr zieht 3000 Meilen weit weg von eurem Enkelkind?“ – Burt und Verona sind entsetzt, als Burts Eltern ihnen eröffnen, dass sie auswandern wollen. Nach Belgien. „Es sind sogar mehr als 3000 Meilen, oder“, so die ernüchternde Antwort von Burts Mutter. Dabei hatten sich die schwangere Illustratorin und der untypisch-hippie’eske Immobilienmakler alles schon genau überlegt: Ihr Baby sollte in der Nähe von adäquaten Erziehungsvorbildern, sprich in der Nähe der Großeltern, aufwachsen. Jetzt ist alles anders. „Wir müssen ja auch nicht hier bleiben. Wir können hingehen wohin auch immer wir wollen“, stellt Verona fest. Gesagt, getan! Away we go!

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Der britische Regisseur Sam Mendes schickt seine beiden Protagonisten in seiner 2009 erschienenen Filmkomödie AWAY WE GO auf eine, zu Beginn widerwillige, Odyssee durch Amerika. Auf der Suche nach einer neuen Heimat, einem Zuhause für ihr Baby, einem Ort, an dem auch sie endlich erwachsen werden können. Und da das Erwachsenwerden und das Übernehmen von Verantwortung dem Thirtysomething-Paar noch deutlich schwer fällt, fahren Verona und Burt auf ihrer Reise weniger Orte ab, die ihnen gefallen, sondern stellen ihre Route entlang ihres übers Land verteilten Freudes- und Bekanntenkreises zusammen. Mit dem Auto, dem Flugzeug und der Bahn führt sie ihr Weg nach Florida, Arizona, Wisconsin und Kanada. Genug Zeit also, um ihre eigene und die Beziehungen anderer unter das Mikroskop zu legen.

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Was bei dieser Analyse herauskommt ist ernüchternd, hoffnungsvoll, absurd, tragisch, komisch und rührend zugleich und dazu tragen nicht nur die beiden Hauptdarsteller, Maya Rudolph und John Krasinski, sondern auch eine Reihe denkwürdiger Auftritte von mehr oder weniger bekannten, herrlich karikierender Nebendarsteller bei. So begegnen Verona und Burt auf einer ihrer Stationen Veronas ehemaliger Arbeitskollegin Lily (Allison Janney), die ihren Familienfrust mit ordinären Seitenhieben auf ihren Mann und ihre Kinder kompensiert, während ihr Mann seine unglückliche Ehe im Wein ertränkt. Ebenso grotesk wie lustig ist das Treffen mit Burts alter Freundin LN (Maggie Gyllenhaal), die als übertrieben-spirituelle Übermutter gerne auch fremde Kinder an die Brust legt und Buggies dermaßen ablehnt, als wären diese vom Teufel höchstpersönlich hergestellt worden. Am Ende hält das Pärchen es bei keinem seiner Gastgeber besonders lange aus. Hier leben? Nein, danke!

Ob Verona und Burt am Ende den richtigen Platz in Amerika und im Leben finden, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Fest steht nur, dass Sam Mendes, unangefochtener Familien- und Beziehunganalytiker, was Filme wie AMERICAN BEAUTY und ZEITEN DES AUFRUHRS beweisen, mit AWAY WE GO eine unglaublich warmherzige Familienkomödie mit Tiefgang, geschliffenen Dialogen und zwei überraschend un-neurotischen Hauptfiguren geschaffen hat, die sich wirklich und von Herzen lieben und die euch berühren werden. Also, Lust auf einen Roadtrip mit Verona und Burt? Von den Augen zum Herzen zum Zwerchfell und wieder zurück zum Herzen.


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