Eltern Gesundheit

7 Tipps gegen Fingernägelkauen bei Kindern

Fingernägelkauen
Saskia
Geschrieben von Saskia

Ursachenfindung statt Bestrafung!

Euer Kind kaut regelmäßig an den Fingernägeln? Damit seid ihr nicht allein: Bei rund jedem dritten Kind zwischen vier und sechs Jahren wandert die Hand regelmäßig zum Mund, um die Fingernägel raspelkurz zu knabbern. Früher gingen Mediziner davon aus, dass dem Nägelkauen eine psychische Störung zugrunde liegt. Heute weiß man allerdings, dass dies nur selten der Fall ist. Wichtig ist dennoch, dass ihr den Ursachen auf die Spur kommt und eure Kinder mit sanften Methoden unterstützt, vom Fingernägelkauen loszukommen.


1. Fingernägelkauen geschieht unbewusst

Wenn die Hand eures Kindes mal wieder zum Mund wandert, geschieht dies in der Regel unbewusst. Ob es dabei hochkonzentriert seine Hausaufgaben macht oder verträumt aus dem Fenster schaut – wichtig ist, dass ihr euer Kind in diesen Situationen nicht plötzlich ermahnt oder anschreit. Der erste Schritt ist, dass ihr euch seine Handlung bewusstmacht und versucht, der Ursache sensibel auf den Grund zu gehen.

2. Ursache aufdecken

Wie bereits erwähnt, bedeutet das Fingernägelkauen nicht zwingend, dass euer Kind eine psychische Erkrankung hat. Es kann sich dabei ebenfalls um eine harmlose Phase, beziehungsweise einen Tick handeln, der so schnell verschwindet, wie er gekommen ist. Oder um eine Art der Kompensation, um negative oder stressige Erlebnisse besser verarbeiten zu können. Muss euer Kind beispielsweise gerade eine elterliche Trennung verarbeiten, musste es die Schule wechseln oder ist es möglich, dass es durch schulische und/oder private Anforderungen überfordert ist? Dann liegt es nahe, dass das Nägelkauen dazu dient, Anspannung, Ängste und andere negative Emotionen zu verarbeiten.

3. Sensibles Nachfragen

Dem Grund für das Fingernägelkauen auf die Schliche zu kommen, ist leider nicht immer so einfach. Kinder entwickeln schnell Schuldgefühle, wenn sie merken, dass sie den Eltern Sorgen bereiten und verheimlichen ihre Handlungen dann so gut es geht. Statt euer Kind forsch oder wütend zu fragen, wieso es laufend an den Nägeln kaut, versucht in einer entspannten Situation sensibel nachzufragen, ob es eurem Nachwuchs gut geht. Habt ihr bereits eine Vorahnung, könnt ihr euch gezielt aber vorsichtig der möglichen Problematik nähern.

Aber auch dann gilt: Konfrontiert euer Kind nicht gleich mit eurer Vermutung, sondern tastet euch langsam vor und stellt ihm ebenfalls Fragen zu seinem Befinden oder erkundigt euch ganz allgemein, ob etwas vorgefallen ist oder ob euer Kind aus einem bestimmten Grund an den Nägeln kaut. Betont zudem, dass es immer zu euch kommen kann, wenn ihm etwas auf dem Herzen liegt. Auch wenn es schwerfällt: Akzeptiert es, wenn es trotz vertrauensvollem Gespräch noch Zeit benötigt, sich euch anzuvertrauen.

4. Lösung statt Bestrafung

Ob ihr noch auf Ursachensuche oder den Gründen bereits auf die Spur gekommen seid – Schimpfen, Schuldzuweisungen, Drohungen oder Bestrafungen bringen euch keinen Schritt weiter. Zum einen erzeugen diese noch mehr Druck und Stress und zum anderen werden sich die Ängste eures Kindes, und folglich das Nägelkauen, weiter verschlimmern. Versucht stattdessen, mit eurem Nachwuchs gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Fragt euch, wie ihr stressige Phasen besser bewältigen beziehungsweise diese reduzieren könnt. Habt Verständnis und Geduld.

5. Lob und Anerkennung

Euer Kind hat zum ersten Mal bei den Hausaufgaben oder während ihr auf der Couch gekuschelt habt nicht an den Nägeln gekaut? Dann lobt es dafür! 🙂 Jeder kleine Erfolg zählt und motiviert euren Nachwuchs darin, durchzuhalten. Genauso gilt es, Rückschläge nicht negativ zu bewerten, sondern euer Kind an seine Erfolge zu erinnern und es weiterhin anzuspornen.

6. Tricks gegen Nägelkauen

Zudem gibt es einige Tricks, wie euer Kind die Finger gar nicht erst in den Mund nimmt. So bekommt ihr beispielsweise bitteren Nagellack in der Apotheke, den ihr je nach Bedarf auf die Nägel eures Kindes auftragt. Für die Abend- und Nachtstunden könnt ihr euch außerdem darauf einigen, dass euer Kind Baumwollhandschuhe trägt. Statt des Nagellacks könnt ihr die Hände dann zusätzlich mit einer pflegenden und schützenden Creme behandeln.

Außerdem könnt ihr euch gemeinsame Pflegerituale überlegen, die ihr abends vor dem Schlafengehen, am Wochenende oder nach dem Kindergarten beziehungsweise nach der Schule zelebriert. Schaut euch dann gemeinsam eure Hände an, massiert sie euch gegenseitig mit einem pflegenden Öl und schenkt eurem Kind beispielsweise eine Handcreme, die richtig toll duftet. Solch ein Ritual hilft zudem, zu entspannen und stärkt eure Beziehung. Bedenkt aber, dass es viel wichtiger ist, die Ursachen zu bekämpfen und wendet die empfohlenen Tricks nur begleitend an.

7. Ärztlicher Rat

Leidet euer Kind bereits unter Entzündungen oder habt ihr das Gefühl, dass es ihm seelisch nicht gut geht, es sich euch aber nicht anvertrauen möchte, zieht auf jeden Fall einen Arzt hinzu. Zum einen sollten Wunden und Entzündungen behandelt werden und zum anderen genügt elterlicher Beistand nicht immer, damit die sensible Kinderseele heilen kann. Besprecht mit eurem Kinderarzt, ob ein Gespräch mit einem Kinderpsychologen sinnvoll sein kann. Benötigt ihr schnelle Hilfe, könnt ihr euch bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (BKE) kostenfrei und anonym beraten lassen. Hier geht’s zur Online-Beratung.

Titelbild: © ulkas

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

Hinterlasse ein Kommentar