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5 Tipps für ein ergonomisch eingerichtetes Kinderzimmer

Kinderzimmer
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Bereits 15 Prozent der Grundschulkinder leiden an Rückenschmerzen.

Für Kinder ist das Kinderzimmer ihr eigener kleiner Kosmos. Das Zimmer ist der Ort, an dem sie schlafen, spielen, malen, basteln, lernen und in dem sie einen großen Teil ihrer Zeit verbringen. Umso wichtiger ist es, das Kinderzimmer so zu gestalten, dass sich die Kinder darin wohlfühlen und gleichzeitig auch gut und konzentriert arbeiten können.


Warum ist ergonomisches Einrichten wichtig?

Leider sind Rückenschmerzen inzwischen auch für viele Kinder ein Thema: Bereits 15 Prozent der Grundschulkinder und rund 60 Prozent der Kinder zwischen 11 und 14 Jahren leiden Umfragen zufolge regelmäßig an Rückenschmerzen.

Die Ursachen hierfür sind zwar vielfältig, aber zu einem Großteil auf mangelnde Bewegung, Übergewicht und Fehlhaltungen zurückzuführen. Das wirksamste Mittel, um gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen: regelmäßiger Sport für Kinder. Am besten klappt das natürlich in einem Sportverein! 🙂 Eine weitere Möglichkeit dem Problem entgegenzuwirken ist, das Kinderzimmer so ergonomisch wie nur möglich einzurichten.

Dabei geht es in erster Linie darum, präventiv optimale Bedingungen zu schaffen, damit das Kind möglichst effektiv und gesundheitsschonend arbeiten kann. Bei der Einrichtung des Kinderzimmers sollten daher die folgenden Aspekte besonders berücksichtigt werden.

1. Der richtige Schreibtischstuhl

Das Lieblingshobby von Kindern ist „Wachsen“. Der ideale Arbeitsplatz (Stuhl und Arbeitstisch) „wächst“ also mit dem Kind mit. Am besten tut er dies ohne Stufeneinstellungen – nur so passen die Möbel immer genau zur Größe des Kindes.

Der Stuhl hat die richtige Höhe, wenn der Winkel zwischen Oberschenkel und Rumpf etwas mehr als 90° beträgt und die Füße vollständig am Boden aufliegen. Die Oberschenkel sollten großflächig aufliegen und zwischen Unterschenkel und Stuhlvorderkante sollten ca. 2-4 cm Abstand sein, damit die Beine optimal durchblutet werden.

Wichtig ist auch die richtige Höhe der gepolsterten Rückenlehne: Sie sollte das Kind etwa bis zu den Schulterblättern stützen. Ergonomische Stühle ermöglichen im Übrigen nicht nur die Anpassung der Sitzhöhe, sondern auch der Sitztiefe. Im besten Fall kann die Einstellung ganz einfach auch von den Kindern vorgenommen werden.

Kinder finden „bewegliche“ und flexible Stühle meistens sehr spannend. Das Gute daran: Drehstühle und/oder bewegliche Sitzflächen sind auch aus gesundheitlicher Perspektive zu befürworten, da sich sanfte Bewegungen im Sitzen positiv auf die Haltung auswirken. Manche Sitzflächen sind leicht nach vorne geneigt, diese Neigung unterstützt die gerade Haltung des Rückens.

Um den Bewegungsbedürfnissen des Kindes entgegenzukommen, sollte der perfekte Schreibtischstuhl dynamisches Sitzen ermöglichen: Im besten Fall können Kinder auf ihrem Stuhl wippen, schaukeln oder leicht hüpfen. Spezielle Aktiv-Funktionen bei einigen Modellen sorgen zudem dafür, dass bestimmte Muskeln im Gesäß- und Rückenbereich kontinuierlich trainiert werden.

Das wird von den Kindern kaum wahrgenommen, unbewusst wirkt sich dieses „Training“ aber gesundheitsfördernd und stabilisierend auf die Wirbelsäule aus. Zeitweise könnt ihr den Stuhl auch durch einen Sitzball ersetzen.

Bei aller Ergonomie darf natürlich die Sicherheit nicht zu kurz kommen. Achtet darauf, dass der Stuhl standfest ist. Dafür genügt beim Drehstuhl ein einfacher Blick von oben: Wenn ihr die Rollen dabei noch sehen könnt, ist das Fußkreuz groß genug. Bei feststehenden Kinderstühlen sorgen häufig rutschfeste Füße dafür, dass der Stuhl kippsicher ist.

Die Einstellung der Schreibmöbel beginnt übrigens immer mit dem Stuhl, anschließend wird der Schreibtisch daran angepasst.

2. Der ideale Schreibtisch

Schulkinder verbringen viel Zeit am Schreibtisch, um Hausaufgaben zu erledigen oder zu lernen. Ein besonderer Fokus muss daher unbedingt auf die Wahl des richtigen Schreibtisches gelegt werden. Er muss sowohl ausreichend Arbeitsfläche als auch entsprechend Stauraum bieten.

Der ideale Schreibtisch ist aber vor allem höhenverstellbar und flexibel. Bei der Anpassung der Tischhöhe, sollten die Arme des Kindes in mindestens einem rechten Winkel, besser noch etwas größer, aufliegen. Die Haltung am Schreibtisch ist dann richtig, wenn die Muskeln entspannt sind, ohne dass das Kind die Schultern hängen lässt.

Die Höhenverstellbarkeit alleine macht aber noch keinen ergonomisch sinnvollen Schreibplatz für Kinder aus.  Wichtig ist zudem, dass der Tisch über sehr viel Flexibilität verfügt, sodass er sich an die verschiedenen Tätigkeiten des Kindes anpassen lässt.

Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, die Arbeitsfläche des Schreibtisches zu neigen: Fürs Schreiben ist beispielsweise eine gerade Arbeitsfläche, fürs Lesen eine geneigte Fläche bequemer.

Besonders praktisch ist zudem, wenn sich Elemente am Tisch entfernen oder hinzufügen lassen. Kinderschreibtische mit Modulbauweise sind da ideal, denn sie lassen sich immer wieder umbauen und verändern: Egal ob ihr ein zusätzliches Element für den Computer benötigt oder den Stauraum des Tisches in Länge oder Breite vergrößern möchtet.

Achtung: Die besten Möbel nützen absolut nichts, wenn sie nicht immer wieder genau an die Größe des Kindes angepasst werden.

3. Im richtigen Licht arbeiten

Das beste und gesündeste Licht ist und bleibt das Tageslicht. Es sollte möglichst seitlich auf den Arbeitstisch einfallen. Berücksichtigt dabei, ob euer Kind Rechts- oder Linkshänder ist und passt die Ausrichtung des Tisches daran an: Bei Rechtshändern sollte das Licht von links, bei Linkshändern von rechts einfallen.

Eine Lampe, die das Tageslicht ergänzt oder im Notfall auch ersetzt, kann im Optimalfall flexibel mittels Klemmfüßen am Schreibtisch selbst befestigt werden. So wird die Arbeitsfläche auch bei Neigung optimal beleuchtet. Zudem lässt sich die Position der Lampe idealerweise flexibel verändern und das Licht je nach Bedarf dimmen.

Darüber hinaus empfehlen sich LED-Lampen, diese brauchen nicht nur weniger Strom, sondern haben den entscheidenden Vorteil, dass sie nicht heiß werden.

4. Gesundes Schlafen

Kinder im Schulalter gehen zwar meistens nicht so gerne zu Bett, brauchen aber in der Regel 9-11 Stunden Schlaf. Diese Entspannungsphase ist zentral für die Regeneration von Körper und Geist. Im Schlaf hat auch der Rücken viel Zeit, sich auszuruhen und zu entspannen. Dies passiert allerdings nur auf der richtigen Schlafunterlage. Lest dazu auch noch mal unsere Einschlaftipps für Schulkinder.

Bei der Auswahl der richtigen Matratze für euer Kind ist vor allem ein Kriterium von zentraler Bedeutung, nämlich der passende Härtegrad. Wichtig ist, dass die Wirbelsäule im Schlaf gerade ausgerichtet ist und sich so entspannen kann.

Bei zu weichen Matratzen sinken die Gliedmaßen zu weit ein. Bei zu harten Matratzen kommt es ebenfalls zu unnatürlichen Krümmungen, was wiederum häufig zu Verspannungen und Schmerzen führt.

Sowohl die Matratze als auch das Kissen müssen an Gewicht, individuelle Vorlieben und bevorzugte Schlafposition des Kindes angepasst werden. Kann die Wirbelsäule ihre natürliche Form auch im Schlaf beibehalten, ist die Schlafunterlage optimal.

5. Raum für Bewegung und Kreativität

Ein Kinderzimmer sollte nicht nur praktisch-funktional sein, sondern auch Raum und Möglichkeiten für Spiel und Aktivität sowie für Entspannung und Rückzug bieten. Das Kind muss sich zu 100 % wohlfühlen. Manchmal kann es sinnvoll sein, den Arbeits- vom Freizeit- bzw. Spielbereich etwas abzutrennen.

Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass das Kind in den Lern- und Arbeitspausen aktiv sein kann. Achtet insgesamt darauf, dass euer Kind ausreichend Zeit für Bewegung hat, denn diese wirkt sich nicht nur positiv auf die Gesundheit, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit des Kindes aus.

Über den Autor:

Mag. Gerald Bacher ist studierter Sportwissenschafter und begeisterter Bergläufer, Radfahrer und Fitnesssportler. Auf seiner Website Dorsofit.com berichtet er sehr ausführlich über Rücken- und Nackenbeschwerden und gibt jede Menge Tipps rund um Rückenübungen, gesund schlafen und ergonomisch arbeiten.

 

 

 

 

 

 

Titelbild: © leszekglasner

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