Ernährung Kleinkind

13 Kakaopulver im Test: Klassiker schneidet am schlechtesten ab

Kakao
Saskia
Geschrieben von Saskia

Kakaopulver? Wohl eher Zuckerpulver!

Nach Kinderplätzchen hat sich Öko-Test aktuell einem weiteren Kinderklassiker der Lebensmittelindustrie gewidmet: Kakaopulver. Dass auch hier nichts ohne Zucker geht, kann man sich denken. Die Frage ist allerdings, ob es immer gleich ein Berg sein muss und wie es um die restlichen Inhaltsstoffe bestellt ist. Ihr greift auch meist auf das beliebteste Kakaopulver “Nesquik” von Nestlé zurück? Leider fiel genau das im Test komplett durch und wurde mit “ungenügend” bewertet. 


Welches Getränk liegt bei mehr der Mehrheit der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren zum Frühstück ganz weit vorn? Natürlich Kakao. Das hat eine Umfrage der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft ergeben.* Höchste Zeit, einigen Kakaopulvern und vor allem dem beliebtesten Produkt “Nesquik” von Nestlé auf den Zahn zu fühlen.

Was wurde geprüft?

Öko-Test hat insgesamt 13 Kakaopulver für Kinder getestet:

  1. Nesquik von Nestlé
  2. Goody Cao von Lidl
  3. Gut & Günstig Choko Drink von Edeka
  4. Kakaodrink von Bio Zentrale
  5. Ja! Kakao Drink von Rewe
  6. Kaba der Plantagentrank von Mondelēz
  7. Karli Kugelblitz Choko Drink von Netto Marken Discount
  8. K-Classik Schokodrink von Kaufland
  9. Naturata Kakao Getränk von Naturata
  10. Penny Cho-Quick von Penny
  11. Tiger Quick von Rapunzel
  12. Schovit von Aldi Nord
  13. Vivani Cavi Quick von Eco Finia

Nur ein Bio-Produkt bekam die Note “sehr gut”, sieben weitere wurden immerhin mit “gut” bewertet. Dabei wurde untersucht, wieviel Kakao und Zucker im jeweiligen Produkt stecken und ob die Pulver Mineralöl, Kadmium (giftiges Schwermetall), Keimbelastungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten. Generell haben die Bio-Kakaopulver besser abgeschnitten, da sie einen höheren Kakaoanteil und weniger Zucker enthalten. Zudem empfehlen die Bio-Hersteller pro Glas nur eine geringe Menge Kakaopulver.

Kakaopulver oder Zuckerpulver?

20 Prozent Kakao

Gerne werben Lebensmittelhersteller damit, dass Kakao glücklich macht, bei Konzentration hilft und weitere gesunde Eigenschaften aufweist. Dies stimmt zwar, allerdings nur, solange der Kakaoanteil hoch genug ist. Bei allen getesteten Kakaopulver-Produkten, die kein Bio-Siegel tragen, beträgt der Kakaoanteil allerdings höchstens 20 Prozent. Überzeugen konnte das Bio-Kakaopulver “Tiger Quick” von Rapunzel, das 38 Prozent Kakao enthält sowie die preiswerteste Bio-Trinkschokolade “Vivani Cavi Quick” von Eco Finia – enthält nur leider etwas mehr Zucker als Tiger Quick. Beide Produkte wurden von Öko-Test mit “gut” bewertet.

80 Prozent Zucker

Was die Produkte allerdings noch ungesünder macht, ist mal wieder der Berg an Zucker. Bis zu fünf Kaffeelöffel empfehlen die Hersteller für ein Glas Kakao. Bei einem getesteten Pulver sind dies über 16,1 Prozent Zucker. Laut WHO sollten dreijährige Kinder allerdings nicht mehr als 15 Prozent Zucker pro Tag zu sich nehmen. Insgesamt wurde in 10 von 13 Kakaopulvern ein “erhöhter” oder “stark erhöhter” Zuckeranteil festgestellt.

Künstliche Vitamine und Aromen

Auch hier schnitt das beliebteste Kakaopulver Nesquik von Nestlé schlecht ab. Laut Öko-Test sollen die künstlich hinzugefügten Vitamine dem Käufer vorgaukeln, dass es sich um ein gesundes Lebensmittel für Kinder handelt. In einem anderen Produkt wurden außerdem künstliche Aromen gefunden, die ebenfalls nicht notwendig sind.

Mineralölrückstände

Bei vier der 13 getesteten Pulver konnte das Labor “erhöhte” oder “stark erhöhte” Werte der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH nachweisen. Mineralölrückstände können zum Beispiel über die Verpackung auf das Lebensmittel übertragen werden oder es geschieht bereits während der Produktion, in dem zum Beispiel die Kakaobohnen mit Schmierölen in Kontakt kommen. Auch die Jutesäcke, in denen die Bohnen gelagert und transportiert werden, können mit Öl behandelt worden sein. Schmieröle wurden beispielsweise im Kakaopulver „Kaba“ von Mondelēz gefunden. Der Spitzenreiter war hier allerdings wieder Nesquik von Nestlé.

“Allein für die Mineralölrückstände ziehen wir zwei Noten unter dem Teilergebnis Inhaltsstoffe ab“, so „Öko-Test“

 

Wieso Mineralölrückstände so gefährlich sind, könnt ihr in unserem Beitrag zum Plätzchen-Test nachlesen. Nestlé stellt das Testergebnis zu den Mineralölrückständen derzeit infrage.

„Bei der Methode, die das von uns beauftragte, dafür akkreditierte Labor verwendet, handelt es sich allerdings nicht um irgendeine, sondern um ein Verfahren nach DIN-Norm. Und eine unabhängige Studie, die die Zweifel von Nestlé stützt, legte der Konzern uns nicht vor”, sagt Öko-Test.

 

Irreführende Verpackungen

Wie auch bei den Kinderplätzchen sind Trinkschokolade-Verpackungen kindgerecht aufbereitet. Auch die dazugehörigen Slogans sollen Eltern in dem Glauben lassen, dass stark zuckerhaltige Produkte ideal für Kinder seien. Zudem sind ja auch noch reichlich (künstliche!) Vitamine und “leckere” Aromastoffe enthalten. Und weil die Pulver vor allem den Kleinsten schmecken, ist es auch vollkommen nachvollziehbar, dass die Nährwerttabelle auf der Nesquik-Verpackung die Durchschnittswerte eines Erwachsenen und nicht eines Kindes aufzeigt …

Das komplette Testergebnis könnt ihr hier für 2,50 Euro herunterladen.

Nie mehr Kakaopulver?!

Der Drops, Kindern bedenkenlos Lebensmittel auftischen zu können, die angeblich speziell für sie geeignet sind, ist leider längst gelutscht. Egal welches Produkt ihr kauft – als Eltern steht ihr unentwegt in der Verantwortung, für euer Kind zu entscheiden, ob ein Lebensmittel für euren Nachwuchs geeignet ist oder nicht. Dass auf die Lebensmittelindustrie oft kein Verlass ist, macht Öko-Test mit seinem Kakaopulver-Test wieder mehr als deutlich. Was ihr tun könnt? Natürlich müssen eure Zwerge nicht vollends auf Kakao verzichten. Allerdings solltet ihr ihn diesen nicht täglich anbieten, sondern ihn wie eine Süßigkeit behandeln. Im besten Fall greift ihr dann auch noch auf die weniger süßen und rückstandsfreien Pulver zurück und gewöhnt eure Kids für den alltäglichen Verzehr an pure Milch.

Titelbild: © Stasique

*Quelle: mittelbayerische.de

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von alldem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

Hinterlasse ein Kommentar