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World Vision Kinderstudie 2018: So zufrieden sind Kinder in Deutschland

Kinderstudie
Saskia
Geschrieben von Saskia

Das ist los in unserer Welt!

Was bewegt die rund 2,7 Millionen Grundschulkinder in Deutschland? Wie erleben sie ihren Alltag, innerhalb ihres familiären Gefüges, der Schule und in der Freizeit? Sagt der soziale Hintergrund etwas über ihre Chancen und Wünsche aus? Wie denken Kinder über geflüchtete Menschen? Die World Vision Kinderstudie 2018 ist diesen Fragen zum vierten Mal auf den Grund gegangen. Um Kindern eine Stimme zu geben und auf Missstände aufmerksam zu machen. 


Was wir Erwachsene uns häufig wünschen? Endlich noch mal Kind sein! Keine großen Sorgen, herumtoben, Hobbys nachgehen und im Unterricht Schabernack treiben. Aber ist die Kindheit wirklich immer so einfach? Können Kinder immer unbeschwert durchs Leben gehen? Kann einem Kind jedes Hobby ermöglicht werden? Hören Eltern den Kleinsten immer zu und haben Verständnis? Hat jedes Kind die gleichen Chancen?

World Vision Kinderstudie 2018

Die deutschlandweit repräsentative Umfrage der Hilfsorganisation World Vision wurde Anfang 2017 unter 2550 Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren unter dem Team um Sabine Andresen von der Universität Frankfurt und dem Institut Kantar Publik durchgeführt. Sie macht deutlich, wie es Deutschlands Kindern innerhalb ihres sozialen Gefüges geht und welche Wünsche, Ängste und Sorgen sie haben.

Die Ergebnisse:

1. Familie

70 Prozent der sechs- bis elfjährigen Kinder wachsen in einer Kernfamilie und somit gemeinsam mit ihren leiblichen und verheirateten Elternteilen auf und haben ein Geschwisterchen. Meist sind beide Elternteile erwerbstätig und mindestens einer von beiden arbeitet Teilzeit anstatt Vollzeit. 13 Prozent sind Einzelkinder und mehr als jede fünfte Familie hat mehr als zwei Kinder. 18 Prozent der Kinder leben mit einem alleinerziehenden Elternteil zusammen. 36 Prozent der Kinder weisen einen Migrationshintergrund auf, von denen viele die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, da die Familien meist schon in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben. Rund neun Prozent der befragten Kinder kommen aus sozial benachteiligten Familien.

Mit der Zuwendung seitens der Mutter sind 66 Prozent der Sechs- bis Elfjährigen zufrieden. Allerdings wünschen sie sich, mehr gemeinsame Zeit mit dem Vater. Hier gaben nur 36 Prozent an, dass ihnen die Aufmerksamkeit des Vaters ausreicht und 13 Prozent sagten, dass die Zeit mit ihm unzureichend sei. Ein Zuwendungsdefizit beklagen vor allem die Kinder, die mit einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen (34 Prozent) und Kinder, die in einer Familie mit mehr als einem Geschwisterchen aufwachsen. Leben die Eltern zusammen und arbeiten beide in Vollzeit, wünscht sich allerdings nur acht Prozent des Nachwuchses mehr Zuwendung.

2. Schule

In der Schule sind Mädchen generell zufriedener als Jungs und stufen ihre Leistungen besser ein. 50 Prozent der Kinder fühlen sich unter ihren Mitschülern sehr wohl. Je älter die Kinder werden, umso negativer fallen auch die Bewertungen zu dem Schulalltag und der Zufriedenheit mit den Lehrern aus. So gehen 61 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen gern zur Schule und 64 Prozent mögen ihre Lehrer, während Zehnjährige nur noch zu 33 Prozent gerne die Schulbank drücken und 37 Prozent mit ihren Paukern zufrieden sind. Ist das Miteinander unter den Schülern gut, umso zufriedener sind sie auch mit ihren Lehrern und dem Schulalltag allgemein. Stresssymptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen nehmen mit dem Alter zu.  72 Prozent der Kinder aus der Oberschicht und nur 17 Prozent der Kinder, die in Armut leben, streben das Abitur an. Der Wunsch nach einem guten Schulabschluss ist also vor allem von der sozialen Herkunft abhängig.

3. Mobbing

Rund jedes fünfte Kind gibt an, dass es bereits gemobbt oder ausgegrenzt wurde. Je niedriger die soziale Schicht, desto häufiger empfinden Kinder, dass sie nicht erwünscht sind. Sechs- bis Siebenjährige (18 Prozent) fühlen sich häufiger gemobbt als die Zehn- bis Elfjährigen (14 Prozent). Nur zwei Prozent geben an, dass sie oft gemobbt werden. Am häufigsten findet die Ausgrenzung in der Schule statt und meist haben die Mobbingopfer auch weniger Freunde. Obwohl die Kinder viel Freizeit im Internet (Chat, etc.) verbringen, berichten nicht mehr als ein Prozent, dass sie von Cybermobbing betroffen sind.

Falls ihr die Befürchtung habt, dass euer Kind ausgegrenzt wird, lest unsere Tipps gegen Mobbing.

4. Flucht

Bei der Frage, wie Grundschulkinder in Deutschland über geflüchtete Menschen denken, zeigten bereits die Sechsjährigen sehr viel Empathie und Sensibilität. 95 Prozent tun geflüchtete Kinder leid. 85 Prozent sind der Meinung, dass man geflüchteten Kindern helfen und etwas abgeben sollte. 66 Prozent sagen, dass geflüchtete Kinder nicht anders seien als der ‘Rest’ und rund 63 Prozent haben in der Schule Kontakt zu ihnen. Vor allem die Kinder, die selbst einen Migrationshintergrund haben, haben seltener Berührungsängste mit Geflüchteten und nehmen damit eine Schlüsselrolle bei der Integration ein. So gaben 47 Prozent an, dass sie bereits geflüchtete Kinder zu sich nach Hause eingeladen und 42 Prozent geflüchtete Kinder in ihrem zu Hause besucht haben. Bei Kindern, die keinen Migrationshintergrund haben, sind es 28 und 20 Prozent. Dass Geflüchtete nicht so gut Deutsch sprechen, empfinden 70 Prozent der Kinder als problematisch. Signifikant ist zudem, dass 45 Prozent der Kinder, die aus dem Osten Deutschlands kommen, Angst davor haben, dass zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten. Im restlichen Teil Deutschlands befürchten das nur 25 Prozent.

Hier zeigt sich, wie früh eine fremdenfeindliche Atmosphäre auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft abfärbt, warnen die Studienmacher.

5. Kinderarmut

Jedes fünfte Kind empfindet sich und seine Familie als arm. Die Folgen sind verheerend und langfristig und wirken sich auf jeden einzelnen Lebensbereich und dementsprechend auch auf die Lebensqualität aus. 29 Prozent der Kinder, die in konkreter Armut leben, möchten das Gymnasium besuchen, während es bei den besser situierten Kindern  51 Prozent sind. Zudem haben die in Armut lebenden Kinder einen höheren Mangel an Zuwendung, weisen einen höheren Medienkonsum auf, haben meist nur wenige Freunde, werden häufiger gemobbt und häufiger von Ängsten und Sorgen heimgesucht.

Kein anderer Faktor prägt Kinder so nachhaltig und umfassend negativ wie Armut im Elternhaus. Hier versagt die Politik bislang auf ganzer Linie, so Gudrun Schattschneider, Leiterin Politik.

6. Selbstbestimmung

“Kinder müssen die Möglichkeit haben, die eigene Meinung frei zu äußern und sich bei Entscheidungen, die ihre Lebenswelt betreffen, aktiv einzubringen. Wenn Kinder vertrauensvoll ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch ihre Ängste und Sorgen äußern können und dabei von Erwachsenen respektiert und ernst genommen werden, steigert dies ihr Wohlbefinden und ihr Selbstvertrauen”, so die Studienmacher.

80 Prozent der Kinder dürfen in einigen Bereichen, wie etwa welche Freunde sie haben, welche Kleidung sie tragen wollen, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben und wie sie ihre Freizeit gestalten, selbst entscheiden. Kinder, die aus der Unterschicht kommen, dürfen am wenigsten ihren Alltag mitbestimmen. Zudem haben auch Kinder, die aus Ostdeutschland kommen, weniger Mitspracherecht. Ebenfalls negativ fällt die Selbstbestimmung in der Schule aus. Hier gab nur jedes dritte Kind an, dass die eigene Meinung gegenüber den Lehrern eine Rolle spielt. Allerdings gibt es auch bei den Eltern noch Verbesserungsbedarf: So fühlt sich bislang nur jedes zweite Kind vom Vater ernst genommen (55 Prozent). Bei der Mutter sind es dagegen 66 Prozent.

7. Freizeit

Im Vergleich zur ersten Studie vor zehn Jahren treffen sich die Sechs- bis Elfjährigen heute weniger mit Freunden. Allerdings steigt dafür auch keine andere Freizeitaktivität, wie etwa die Nutzung technischer und digitaler Dinge. Allen voran das Handy (meist Smartphone), das mittlerweile fast jedes zweite Kind besitzt. Möglicherweise kann zum Beispiel die Ganztagsschule ein Grund dafür sein, dass die Freizeit weniger, beziehungsweise anders gestaltet wird. Das Bücherlesen ist ebenfalls leicht rückgängig, wobei Mädchen regelmäßiger lesen als Jungen. Generell gehören Mädchen eher zu den vielseitigen Freizeitkonsumenten und Jungen mehr zu den Mediennutzern von zum Beispiel YouTube, Spielekonsolen, Internet und Chats. Je niedriger die soziale Schicht, umso größer fällt die Mediennutzung (45 Prozent) aus und desto weniger gehören vielseitige Freizeitaktivitäten zum Alltag der Kinder (neun Prozent). So sind 96 Prozent der Kinder aus der Oberschicht in mindestens einem Verein oder einer außerschulischen Gruppe aktiv, während es Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien nur 37 Prozent sind. Das gilt auch für Vereine, die kaum Kosten verursachen. Generell werden Kinder aus der Oberschicht von ihren Eltern also mehr gefördert und gefordert. Das zeigt sich auch anhand folgender Zahlen:  72 Prozent der Kinder aus der Oberschicht, aber nur 45 Prozent der Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind sehr zufrieden mit ihrer Freizeit.

8. Ängste

Die Angst vor Terroranschlägen und davor, dass ein Krieg ausbrechen könnte ist bei mindestens jedem zweiten Kind vorhanden. Darauf folgt mit 45 Prozent die Angst davor, dass die Ausländerfeindlichkeit immer weiter steigt, die Angst vor Armut, Umweltverschmutzung und vor schlechten Schulnoten. Kinder, die aus dem Osten Deutschlands kommen, antworten wieder sehr gegensätzlich. 45 Prozent haben Angst davor, dass zu viele Ausländer nach Deutschland kommen könnten. Im Westen bereitet das nur 25 Prozent der befragten Kinder Sorgen.

Hier geht’s zu der vollständigen World Vision Kinderstudie 2018.

Titelbild: © ricardoferrando

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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