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Windpocken: Die unterschätzte Kinderkrankheit

Windpocken
Saskia
Geschrieben von Saskia

Auch Ungeborene sind gefährdet!

Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus (Herpesvirus) verursacht und treten meist im frühen Kindesalter (1. Lebensjahr) auf. Jugendliche und Erwachsene können ebenfalls betroffen sein, sofern sie in der Kindheit keine Windpocken hatten oder wenn sie keine Schutzimpfung erhalten haben. Die meisten Erkrankungen werden im Winter und im Frühling verzeichnet. In Deutschland besteht zwar keine Impfpflicht, allerdings gilt seit 2oo4 eine Impfempfehlung (Varizellen-Impfung) durch die STIKO. Allein im Jahr 2017 wurden 21.778 Windpockenfälle gemeldet. Und diese werden oft unterschätzt.


 

Windpocken: Verlauf, Symptome und Komplikationen

Verlauf

  • Die Ansteckung erfolgt meist über eine Tröpfcheninfektion. Die Viren werden somit über das Atmen, Niesen, Husten oder während eines Gespräches von Mensch zu Mensch übertragen. Zudem ist die Wundflüssigkeit in den Bläschen hoch ansteckend.
  • Dann wandern die Viren über die Schleimhaut in den Nasen-/Rachenraum.
  • Es befällt die Mandeln, lokales Lymphgewebe, die weißen Blutkörperchen und natürlich die Haut.
  • Zudem kann es weiteres Gewebe und Organe wie Lunge, Leber oder auch das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen.
  • Nach der Ansteckung vergehen meist 14 bis 16 Tage, bis die Windpocken ausbrechen. Hochansteckend ist man bereits 1-2 Tage vorher.
  • Je nachdem, ob und welche Komplikationen auftreten, sind unterschiedliche Behandlungen notwendig.
  • In der Regel dauert eine Windpocken-Infektion 5-10 Tage.
  • Bis die Bläschen verkrustet sind, besteht höchste Ansteckungsgefahr.

Symptome

  • 1-2 Tage vor dem Ausbruch machen sich Abgeschlagenheit und Müdigkeit breit.
  • Leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und Kopfweh können ebenfalls auftreten.
  • Zwischen dem 3.- und 5. Krankheitstag entstehen kleine hellrote Knötchen auf der Haut.
  • Innerhalb weniger Stunden werden diese zu größeren mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die stark jucken.
  • Der Ausschlag beginnt am Kopf und breitet sich dann auf den gesamten Körper aus.
  • Ebenfalls können die Schleimhäute (Genitalien, Mund und Nase) sowie die Kopfhaut betroffen sein.
  • Kinder haben durchschnittlich 250 verschiedenartige Ausschläge (Flecken, Knötchen, Bläschen, Krusten) – auch Sternenhimmel genannt.
  • Die Bläschen platzen nach einigen Tagen auf und heilen dann langsam und unter einer Krustenbildung ab.

Komplikationen

  • Bei Neugeborenen und Kleinkindern besteht die Gefahr, dass sie die juckenden Bläschen aufkratzen. Dadurch können schmerzhafte Entzündungen und Narben entstehen. In manchen Fällen treten sogar bakterielle Superinfektionen auf. Ärzte empfehlen daher meist ein Antihistaminikum, das den Juckreiz stillt. Zudem können Fäustlinge und Stoffhandschuhe sowie gekürzte Fingernägel das Schlimmste verhindern.
  • Neugeborene gehören mit zur größten Risikogruppe. Auch bei Schwangeren und Personen mit geschwächtem Immunsystem gilt größte Vorsicht.
  • Bei Schwangeren, die vor der 20. SSW erkranken, besteht für das Kind ein Schädigungsrisiko von rund einem Prozent und kann zu Fehlbildungen, Hirnschäden, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star führen.
  • Steckt sich die werdende Mutter 5 Tage vor bis 2 Tage nach dem Geburtstermin an, ist die Ansteckungsgefahr für das Ungeborene besonders hoch. Das Risiko, dass das Kind daran verstirbt, liegt bei 20 Prozent.
  • Generell verläuft die Erkrankung ab einem Alter von ungefähr 16 Jahren wesentlich schlimmer. In rund 20 Prozent der Fälle führen Windpocken dann zu einer Lungenentzündung.
  • Zudem können die Viren auch noch Jahrzehnte später im Rückenmark reaktiviert werden. Das kann wiederum eine schmerzhafte Gürtelrose (streifenförmiger Hautausschlag an Rücken und/oder Brust) auslösen.
  • Ebenfalls können neurologische Komplikationen auftreten, da auch das Gehirnnervengewebe von der Entzündung betroffen sein kann.
  • Auch ein Schlaganfall (bei Kindern) oder Herzmuskelentzündungen können die Folge sein.

Windpocken-Schutzimpfung

  • Die Impfung kann Kindern bei Kindern ab dem 11. Monat durchgeführt werden.
  • Erst die zweite Impfung, die zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat erfolgen sollte, sorgt für einen zuverlässigen Schutz.
  • Bei dem Impfstoff handelt es sich um abgeschwächte Erreger, die die natürliche Infektion imitieren.
  • Frauen mit Kinderwunsch sollten sich spätestens vier Wochen bevor sie versuchen, schwanger zu werden, impfen lassen.
  • Während der Schwangerschaft ist eine Impfung nicht möglich.
  • Bei der BIG findet ihr weitere wichtige Tipps, wie ihr die Ansteckung mit Windpocken vermeiden könnt.

Lest auch noch mal unseren Beitrag “Masern bei Säuglingen“.

Video: YouTube

Titelbild: © javiindy

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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