Gebloggt Nicoles Mama-Coaching-Blog

Unzulänglichkeit – Was soll ich tun mit diesem Gefühl?

Nicole Bailer
Geschrieben von Nicole Bailer

Besonders Eltern versuchen immer alles perfekt zu machen. Schnell keimt dadurch auch der Gedanke der Unzulänglichkeit auf. Ihr seid somit stets damit beschäftigt, euch um eure angeblichen Mängel, Fehler oder Schwächen zu sorgen. Nicole hilft euch dabei, aus diesem Hamsterrad herauszufinden und einen Blick dafür zu bekommen, was ihr tagtäglich so alles bewältigt.


In meiner Beratung kam vor ein paar Wochen das Thema „UNZULÄNGLICHKEIT“ auf. Es war das vorherrschende Gefühl, das Martina in sich trug und mit ihrem Mama-Sein verband. Egal was sie tat, sie fühlte, dass es nicht genug war: Der Spaziergang war nicht lange genug (sicher hätte sie noch 15 Minuten länger draußen bleiben können); mit dem Sohn zu spielen war nicht intensiv genug und das Mittagessen hätte gesünder sein können.

Kennst du dieses Gefühl auch? Ich behaupte jetzt einfach mal, dass jede von uns mindestens einmal am Tag einen solchen Gedanken der Unzulänglichkeit in sich aufkeimen spürt. Diese Tatsache gilt es einmal nicht zu werten, sondern so stehen zu lassen. Ok, wir denken, dass wir in manchen Punkten unzulänglich sind. Punkt. Der bloße Gedanke an und für sich ist noch nicht schlimm, aber das, was individuell dadurch in Gang gesetzt wird, eventuell schon.

An einem persönlichen Beispiel verdeutlicht:

Im ersten Jahr der Kindergartenzeit war jeder Vormittag ein Segen und ich fühlte mich unglaublich FREI! Was mir natürlich niemand gesagt hatte, dass in den ersten Monaten ziemlich viele Erkältungen und auch Magen-Darm Infekte zu Gast sein werden, weil sich das Immunsystem an den Kontakt mit anderen Kindern gewöhnen muss. So waren die kurzen Momente der Freiheit eher spärlich gesät und ich fühlte mich verpflichtet, „genügend“ Zeit mit meinem kranken Kind zu verbringen, den Haushalt zu machen, zu kochen, zu waschen, meine Selbstständigkeit weiter zu betreiben und das noch im Handumdrehen. Geriet eines dieser Vorhaben ins Hintertreffen (und das taten einige!) wurde ich zunehmend unzufriedener, fühlte mich unzulänglich, unzufrieden und wurde immer öfter wütend. Diese Wut ließ ich dann an meinem Mann, meiner Tochter oder auch an mir selbst aus, indem ich Gedanken wie: „Du bekommst auch gar nichts gebacken“ oder „Du bist ja eine totale Versagerin“ zuließ. Das passierte mir bestimmt drei- bis viermal die Woche und ich rutschte immer stärker in eine Opferhaltung:

• Ich mache es niemandem recht
• Ich bleibe auf der Strecke
• Wegen XY habe ich ja keine Möglichkeit …

Aus diesem Hamsterrad auszusteigen ist nicht einfach und ich bin ehrlich, dass ich es ohne Hilfe von außen nicht geschafft hätte. Mir waren diese Muster in mir nämlich nicht bewusst – ich sah sie einfach nicht. Heute erwischt mich dieser Gedanke auch noch, aber ich „nutze“ ihn nicht mehr als Einstieg ins Hamsterrad, sondern sehe ihn als Chance das Gelernte umzusetzen und mich dann selbst zu feiern 😉

Wenn auch du dich durch Gedanken wie Unzulänglichkeit, Fehlerhaftigkeit oder mangelnde Wertschätzung immer wieder ins Hamsterrad begibst, möchte ich dir drei wertvolle Tipps an die Hand geben, um das ab sofort zu vermeiden:

1. Frage dich: Was habe ich heute schon erreicht?

Halte es ganz simpel und leicht: schreibe dir jeden Abend eine kurze Liste mit Stichworten was du heute alles erledigt hast. Ganz wichtig, nichts ist zu gering oder zu unwichtig, also Windel wechseln, Müll runter tragen und Essen kochen gehören definitiv mit drauf! Mach das mal nur eine Woche lang und du wirst SEHEN wie viel du leistest. Diese Liste kannst du dir dann wieder raus holen, wenn dich Gedanken beschleichen, die dir einreden wollen, dass du „nichts“ auf die Reihe bekommst.

2. Was ist meine Intention?

Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht genug mit deinem Kind spielst oder mehr basteln solltest oder mehr arbeiten … dann frage dich in Ruhe, welche Intention dahinter steht? Warum hast du das Gefühl mehr basteln zu müssen? Weil du es selbst gerne machst und dabei toll abschalten kannst, in Verbindung mit gemeinsamer Zeit oder weil andere Mütter das scheinbar auch machen? Wenn du das Gefühl hast, mehr Stunden im Büro zu verbringen als jetzt, dann frage dich: Warum empfinde ich das so? Brauche ich mehr Abstand zur Familie; brauche ich mehr Geld/Einkommen oder habe ich ein schlechtes Gewissen, das ich nur zehn Stunden die Woche im Büro bin? Diese Erkenntnisse verschaffen uns umgehend Erleichterung und nehmen unglaublich viel Druck von uns.

3. Was kann ich mir gutes tun?

Ja genau! Wenn du dich mies fühlst, dann schlag nicht noch mehr oben drauf, sondern trete zur Seite und verlasse das „Schlachtfeld“. Was bringt dich wieder runter: Voller Zorn den Wäscheberg zu bügeln oder ein heißes, entspannendes Bad? Was hilft dir mehr: Trotz Kopfschmerzen die Steuererklärung zu machen oder ein Spaziergang mit Kind und Kegel an der frischen Luft? Scheinbare Kleinigkeiten wirken Wunder: so habe ich mir letzte Woche ein paar Schnittblumen vom Feld geholt und erfreue mich jetzt täglich an ihnen und sie haben nicht mal drei Euro gekostet!

Konntest du mit meinen Tipps etwas anfangen? Was sind deine Tipps, um gegen aufkommende Unzulänglichkeit und Frust zu wirken? Wie schaffst du den Ausstieg aus dem Hamsterrad? Ich würde mich sehr über regen Austausch freuen. Alles Liebe, eure Nicole

Bild: © Halfpoint

Über den Autor

Nicole Bailer

Nicole Bailer

"Ich bin Nicole Bailer, Mutter einer wundervollen Tochter und verheiratet. Ich bin Coach für Mütter geworden, weil ich in vielen Situationen meines Lebens verzweifelt war und mir einen Mensch zur Seite gewünscht hätte, der mich versteht und mich aus meinem Drama in die Realität zurück holt. Heute profitiere ich von vielen schmerzhaften Lebenssituationen und gebe das daraus Gelernte an andere Mütter weiter."

Hinterlasse ein Kommentar