Gesund

Was pocht denn da? Mysterium Fontanelle

Fontanelle
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Was ist eine Fontanelle und wozu ist sie gut?

„Oh Gott“, dachte ich, als ich mit ungefähr acht Jahren das erste Mal die pochende Grube am Kopf unseres frischgeschlüpften Nachbarsjungen sah. Ich war mir sicher: Dieses Baby ist noch nicht fertig. Heute weiß ich, so wie die meisten anderen auch, dass dieses weiche, noch nicht ganz verwachsene Loch im Kopf eines Neugeborenen Fontanelle heißt und einmal mehr ein Beweis für die unglaublichen Fähigkeiten unseres Körpers ist.


Alle Babys haben sie – diese relativ große, grübchenartige und etwas gruselige Öffnung oberhalb der Stirn. Sie lässt sich ertasten, wird immer mit größter Vorsicht behandelt, denn sie pocht und scheint ein direkter Eingang in den Kopf des Kindes zu sein. Eine unheimliche Vorstellung? Dann Obacht: Euer Baby hat nämlich insgesamt sechs Fontanellen – eine kleine, dreieckige am Hinterkopf und vier winzige, kaum spürbare – je zwei seitlich in Höhe der Schläfe und an der Unterseite des Hinterkopfes. Nur, falls ihr einmal nachschauen wollt. Und keine Angst – auch wenn es vielleicht so aussieht, die Fontanellen weisen kein erhöhtes Verletzungsrisiko auf. Die zähe Kopfhaut und die Hirnhäute sorgen für ausreichenden Schutz, bis die Gruben mit festem Binde- und Knorpelgewebe geschlossen sind.
Ausgefallene Baby- und Kinderaccessoires

Was ist eine Fontanelle?

Man könnte die Fontanellen auch als Kopf-Knautschzone bezeichnen, denn an diesen Lücken treffen die Knochenplatten aufeinander, die zusammen den Schädel bilden. An diesen offenen Verbindungen ist der Kopf eines Babys sehr elastisch und anpassungsfähig. Bei der Geburt können sich die Schädelplatten gegen-, manchmal auch übereinander schieben und erleichtern damit den Weg durch den engen Geburtskanal. Nach diesem „Durchzwängen“ sehen die Köpfe mancher Babies ein wenig spitz oder schief aus, was sich aber nach wenigen Tagen wieder gibt. Fontanellen haben außerdem noch zwei weitere wichtige Aufgaben: Zum einen gewährleisten sie einen raschen Blutdruckausgleich im Kopf, zum anderen ermöglichen sie dem Gehirn, das in den ersten Jahren an Volumen zunimmt, ungehindert zu wachsen.

Danke, Evolution!

Als der Mensch aufrecht laufen lernte und sich dadurch sein Becken verkleinerte, kam die Stunde der Fontanelle, die Ausgleich schaffen musste, damit Geburten weiterhin einigermaßen „reibungslos“ passieren konnten. Heute wird zudem die Arbeit der Ärzte durch die große Fontanelle eines Babys erleichtert. Die Mediziner können durch dieses “Sichtfenster” mit Hilfe von Ultraschall das Gehirn schnell und unkompliziert untersuchen. So lassen sich seltene Missbildungen, Blutungen oder Tumore schnell erkennen. Der Arzt setzt dabei den Ultraschall-Kopf direkt auf die große Fontanelle oder fährt an den Schädelnähten entlang. Euer Baby hat dabei keinerlei Schmerzen.

Modern-Baby - Rund ums Kind!
Zum Abschluss noch ein interessanter, immer noch etwas gruseliger Fact über die Fontanellen: Richtig knochenfest miteinander verwachsen sind die Schädelplatten erst nach etwa 20 Jahren. Also, passt immer gut auf euren Kopf auf. Und auf den eures Kindes natürlich auch. Das sind nämlich echte Wunderwerke der Entwicklung.

Ihr habt noch Fragen? Dann klärt diese am besten bei den Kindervorsorgeuntersuchungen mit eurem Kinderarzt oder eurer Hebamme.

Titelbild: © inarik – Fotolia.com

Über den Autor

Redaktion ma-gazin

Redaktion ma-gazin

2 Kommentare

  • Hey. Wollte nur hinzufügen: Das mit dem “wenn man 20 ist, sind die schädelplatten verwachsen” stimmt nicht ganz. Mit 20 sind sie nur nicht mehr beweglich. Mit 40 sind die Nähte normalerweise INNEN verstrichen (NICHT außen!), die Nähte am Hinterkopf brauchen oft bis zum 70ten lebensjahr. Manchmal verwischen sie gar nicht ganz. 😉

Hinterlasse ein Kommentar