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Vaginal Seeding: Gefahr für Kaiserschnitt-Babys?

Vaginal Seeding
Saskia
Geschrieben von Saskia

Was bringt die natürliche Immunisierung?

In Deutschland kommt fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Doch Studien belegen, dass nicht nur der medizinische Eingriff an sich Risiken mit sich bringt. Auch die Nachwirkungen auf das Neugeborene können tiefgreifend sein. Denn Studien besagen auch, dass Babys, die durch einen Kaiserschnitt geboren werden, häufiger unter Asthma, Allergien, Adipositas oder auch unter Diabetes Typ 1 leiden. Vaginal Seeding soll diese und weitere gesundheitliche Risiken minimieren. Und so werden immer mehr Kaiserschnittbabys direkt nach der Geburt mit dem Vaginalsekret der Mutter eingerieben. 


Bei einer natürlichen Geburt geschieht diese Art der Immunisierung über den Geburtskanal der Mutter ganz von selbst. So ähnelt auch noch Wochen nach der Geburt die Darm- und Mundflora des Neugeborenen der Vaginalflora der Mutter. Und da Babys, die auf natürlichem Wege entbunden werden, ein stärkeres Immunsystem haben, wird vermutet, dass Vaginalbakterien die Darmflora des Kindes positiv beeinflussen.

Aus diesem Grund befürworten und praktizieren immer mehr Ärzte Vaginal Seeding. Doch was bewirkt das bewusste “Aussäen” der mütterlichen Vaginalbakterien beim Neugeborenen wirklich?

Vorteile von Vaginal Seeding

Der Vorgang selbst bereitet der Frau sowie dem Kind keinerlei Schmerzen oder Unannehmlichkeiten. Dazu wird kurz ein Tupfer in die Scheide der Mutter eingeführt. Anschließend werden darauf das Mundinnere und die Haut des Kindes damit eingerieben. Ein Forscher-Team um Dr. Maria Dominguez-Bello, von der New York University verglich im Rahmen einer Studie (DOI: 10.1038/nm.4039) die Darmflora von Babys, die auf natürlichem Wege und per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Im Anschluss erhielten vier der insgesamt elf Kaiserschnittbabys das Vaginal Seeding. Im Laufe des ersten Lebensmonats wurden mehr als 1500 Mikrobiota-Proben zu verschiedenen Zeitpunkten von unterschiedlichen Körperstellen der Mutter sowie der Kinder genommen. Die Mediziner konnten nachweisen, dass die Kinder, die nach dem Kaiserschnitt mit Vaginalbakterien der Mutter eingerieben wurden, im Darm die gleichen Lactobacillus- und Bacteroides-Stämme vorweisen konnten, wie die Kinder, die auf natürlichem Wege entbunden wurden. Bei Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen und kein Vaginal Seeding erhalten, sind eben diese Bakterienstämme, die einen großen Einfluss auf unser Immunsystem haben, kaum vorhanden. Ob diese einfache und kostengünstige Immunisierung aber tatsächlich vor diversen Erkrankungen schützt, können nur Langzeitstudien zeigen, betont auch das Forscherteam.

Nachteile der natürlichen Immunisierung

Ob Vaginal Seeding ausschließlich Vorteile mit sich bringt, und somit Kaiserschnittbabys vor Erkrankungen wie Asthma und Allergien bewahrt, wird derzeit weltweit untersucht. Bis der Nutzen durch weitere Studien belegt ist, warnen Ärzte allerdings davor, dass sich das Neugeborene mit Erregern wie Herpesviren, Chlamydien, Gonokokken oder B-Streptokokken infizieren kann. Zwar sollten sich Schwangere so früh wie möglich darauf testen lassen, allerdings ist dies keine Pflicht. Spielt ihr also mit dem Gedanken des Vaginal Seedings, solltet ihr auf Nummer sicher gehen. Eine noch simplere Möglichkeit, das Immunsystem, beziehungsweise die Darmbesiedlung eures Kindes nach einer Kaiserschnittgeburt zu stärken, ist das Stillen. Zudem sollten Antibiotika-Behandlungen wenn möglich vermieden werden.

Titelbild: © lagom

Über den Autor

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Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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