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Tag der gewaltfreien Erziehung: Jeder Klaps ist einer zu viel!

Tag der gewaltfreien Erziehung
Saskia
Geschrieben von Saskia

Schaut nicht weg!

Ein “leichter” Klaps auf den Hintern, eine “harmlose” Ohrfeige, demütigende Worte: Körperliche und verbale Gewalt an Kindern ist auch im Jahr 2018 noch immer Alltag in vielen Familien. Wir wollen zum Tag der gewaltfreien Erziehung daran erinnern, dass Gewalt niemals eine Lösung ist und dass diese, egal wie “leicht” oder “harmlos” sie auch scheint, einem Kind physisches und psychisches Leid zufügt!


Laut des UNICEF-Berichts “A Familiar Face. Violence in the lives of children and adolescents” erleben bereits rund drei Viertel der zwei- bis vierjährigen Kinder weltweit, und damit ungefähr 300 Millionen Mädchen und Jungen, körperliche oder verbale Gewalt durch ihre Erziehungsberechtigten im eigenen zu Hause.

Gewalt gegen Kinder nimmt zu

Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 zeigt, dass die Gewalt gegen Kinder, die unter 14 Jahre alt sind, um 2,3 Prozent zugenommen hat. Jede Woche sterben allein in Deutschland drei Kinder an den Folgen körperlicher Misshandlungen. In jedem Klassenraum befinden sich statistisch gesehen zwei Kinder, die gewalttätigen Handlungen ausgesetzt sind.

„Das heißt, jeder von uns kennt betroffene Kinder, und das heißt, jeder kennt Täter oder Täterinnen“, so die Psychologin und Expertin für Cyber Crime und sexuelle Gewalt, Julia von Weiler.*

 

In dem Buch “Deutschland misshandelt seine Kinder” haben die Autoren und Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Etzold ausgerechnet, dass die Gefahr für ein Kind (unter 14 Jahren), Opfer häuslicher Gewalt zu werden, zwischen 1995 und 2010 um 153 Prozent gestiegen ist. Was unter anderem auch daran liegen kann, dass Gewalttaten häufiger gemeldet werden. Auch eine Erhebung des Kriminologen Kai Bussmann aus dem Jahr 2008 hat gezeigt, dass mindestens zwei bis drei Millionen Kinder misshandelt wurden und dass häusliche Gewalt alltäglich ist.

Jeder Klaps ist einer zu viel!

Eltern und Großeltern sind die ersten und wichtigsten Bezugspersonen und Vorbilder eines Kindes. Sie ebnen ihnen den Weg ins Leben und gerade in den ersten Lebensjahren lernt der Nachwuchs nie wieder so schnell und intensiv von den ‘Großen’. Werden diese bereits dann mit Gewalt von eben den Menschen konfrontiert, die ihnen Schutz und bedingungslose Liebe geben sollten, wird Kindern ein Schaden zugefügt, der sich nie wieder gut machen lässt. Lest dazu auch noch mal unseren Beitrag: “Deshalb solltet ihr eure Kinder nicht anschreien!”

Global betrachtet nimmt die Gewalt an Kindern ein erschreckendes Ausmaß an. Ungefähr die Hälfte aller Schulkinder lebt in Ländern, in denen gewalttätige und sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung sind. Gerade mal in 59 Ländern gelten Gesetze für eine gewaltfreie Erziehung. Zwar nimmt die Zahl der Statistiken auf diesem Sektor zu, aber eine Vielzahl an Übergriffen findet nach wie vor im Verborgenen statt.

Mögliche Spätfolgen:

  • Alkohol- und Drogenabhängigkeit
  • Depressionen
  • Panik- und andere Angsterkrankungen
  • andere psychische und psychosomatische Erkrankungen
  • Schädigung des Stressverarbeitungssystems
  • Misshandlungen an den eigenen Kindern

Tag der gewaltfreien Erziehung: Gebt Kindern eine Lobby!

Der Tag der gewaltfreien Erziehung dient nicht nur dazu, einmal im Jahr daran zu erinnern, dass Gewalt am eigenen Kind keine Lösung ist, sondern soll uns alle ermutigen, den Kleinsten und Hilflosesten unter uns eine Lobby zu geben. Schaut nicht weg, wenn ihr mitbekommt, dass ein Kind misshandelt oder verbal gedemütigt wird. Wendet euch so früh wie möglich an Hilfestellen wie den Deutschen Kinderschutzbund oder informiert das Jugendamt. Seid ebenso wachsam, wenn sich ein Elternpaar in eurem Familien- oder Bekanntenkreis getrennt hat. In der akuten Trennungsphase sind Kinder häufig stark gefährdet, Opfer einer Gewalttat zu werden. Dass Kindern oft erst viel zu spät oder gar nicht geholfen wird, liegt meist daran, dass Mitwissende häufig schweigen. Aus Angst, sich in das Privatleben anderer einzumischen. Was dieses passive Verhalten für ein Kind bedeuten kann? Das könnt ihr in dem Buch “Nicht auf den Kopf! Meine persönlichen Erfahrungen mit Gewalt in der Familie” von Markus Breitscheidel nachlesen.

* Quelle: Frankfurter Allgemeine

Video: YouTube

Titelbild: © GARTIK

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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