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Studieren mit Kind – Magna cum Baby

Studieren mit Kind
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Lasst euch nicht unterkriegen und haltet durch!

Ehrlich gesagt, habe ich mich während meines Studiums nicht übertrieben „tot gemacht“, wie man so schön sagt. Ich habe gelernt, Hausarbeiten geschrieben, Referate gehalten, saß jedoch mitten am Tag genauso oft mit einer Freundin in einem Café, wie ich an einigen Tagen im Seminar gesessen habe. Wenn nicht sogar öfter. Alles ganz entspannt! Die Situation an den Universitäten hat sich mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge allerdings massiv geändert. Der reinste Stress. Und jetzt stellt euch einmal vor: Ihr steckt mitten im vierten Semester und erfahrt, dass ihr schwanger seid. Was macht ihr jetzt?


Lasst es mich gleich zu Beginn sagen: Leicht wird es nicht! Aber, nur damit ihr euch keine falschen Hoffnungen macht: Es ist niemals leicht! Es sei denn, ihr seid mit einem reichen Ehemann oder reichen Eltern und mindestens zwei Nannies gesegnet, die euch einen Großteil der Arbeit abnehmen. Da diese Situation nicht unbedingt der Regelfall ist, fragen sich die meisten jungen Paare zu Recht: „Ja, wann ist denn nun eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen?“ Die Antwort ist verblüffend uneindeutig. Aber, wider Erwarten, stellt sich die Zeit des Studiums nicht als die ungeeignetste Lebensphase heraus.

Einige Fakten lassen sich nicht leugnen: Mit einem Baby dauert das Studium länger und das Abbruchrisiko steigt deutlich an. Dennoch bekommen immer mehr junge Frauen und Männer, vor allem an Berliner und an ostdeutschen Hochschulen, noch während des Studiums ein Baby – und das nicht immer ungewollt. Dieser Anstieg ist insbesondere auf die familienfreundliche Situation in den neuen Bundesländern zurückzuführen: Dort gibt es mehr Krippenplätze und eine höhere Akzeptanz von jungen Familien als im Westen. Immer mehr Studenten sind sogar der Meinung, dass gerade die Uni-Zeit am Besten für die Schwangerschaft und die Familiengründung geeignet sei. Ein wichtiges Argument hierfür ist die Flexibilität, die nicht mehr gegeben ist, sobald man ins Berufsleben einsteigt.

Eine 40-Stunden-Woche ist zugegebenermaßen nicht mit der flexiblen Betreuung eines Kindes vereinbar. Während man sich während des Studiums Seminar, Referate und Hausarbeiten relativ frei einteilen kann, herrscht in den meisten Büros noch Anwesenheitspflicht und das Tagesgeschäft muss pünktlich zum Feierabend erledigt sein. Zudem kann, sofern beide Elternteile studieren, viel unkomplizierter gemeinsame Zeit mit dem Kind verbracht werden und das leidige Thema „Wer bleibt zu Hause und wer schafft die Kohle ran?“ muss vorerst gar nicht besprochen werden. Wenn dann der erste Job vor der Tür steht, ist bei den meisten die betreuungsintensivste Phase bereits vorbei und einige Kinder können vielleicht sogar schon die Vorschule besuchen, während Mama und Papa die Brötchen verdienen.

Ein weiteres wichtiges Argument, das nicht nur von den Studenten selbst, sondern auch von Arbeitgebern und Arbeitsvermittlern angeführt wird, ist, dass Berufseinsteiger, die bereits Eltern sind, oftmals mehr Reife, Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent in den neuen Job einbringen können. So sieht es z.B. auch Ingrid Hofmann. „Eine Berufsanfängerin, die schon ein Kind hat, zeigt, dass sie taff ist und gut organisieren kann. Ich würde für sie eine gewisse Bewunderung empfinden“, sagt die Chefin einer Zeitarbeitsfirma und Präsidiumsmitglied im Bund der Deutschen Arbeitgeber gegenüber SPIEGEL ONLINE. Laut Ingrid Hofmann arbeiten berufstätige Mütter sehr effizient und machen ihre Arbeit bewusster, ganz einfach, weil sie beides schaffen wollen – Karriere und Kind.

Das hört sich doch alles gar nicht so schlecht an? Spricht also alles für eine Familiengründung während des Studiums? Laut Familienforscher Hans Bertram sollte man sich lieber nicht zu früh über eine stressfreie Schwangerschaft und Betreuungszeit freuen. Studierende Eltern hätten nämlich mit den gleichen Problem zu kämpfen wie berufstätige und das liege vor allem an den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen, die dafür sorgen, dass die Studenten teilweise 50 Stunden und mehr an der Uni verbringen müssen. Zudem bestehen viele Studiengänge nicht mehr nur aus dem Erlernen grauer Theorie, sondern sind mit mehrwöchigen Praktika verbunden, die für diesen Zeitraum einem Fulltime-Job gleichkommen.

Die Situation an deutschen Hochschulen wird also eher familienfeindlicher. Neben der zunehmend straffen Zeitplanung, dem Leistungsdruck und der Anwesenheitspflicht, existieren primär für junge Mütter und Väter Hemmnisse wie fehlende Kinderbetreuungsplätze, unzureichende Studienfinanzierung und mangelnde Flexibilität bei der Erstellung der Stundenpläne. Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks, führt noch einen weiteren Grund an, warum man mit der Familiengründung vielleicht noch etwas warten sollte: „Heutzutage wollen die Studenten schnell durch das Studium kommen und sehen es nicht mehr als Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung. Da geht viel verloren.“ Vor allem die Zeit zum Experimentieren und zur Selbstentfaltung. Verantwortung für das Studium und für ein Baby – da bleibt nicht viel übrig für einen selbst.

Es ist also doch alles andere als leicht akademische Ausbildung und Kind zu vereinbaren. Trotzdem bereuen die meisten studierenden Eltern, laut einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, ihre Entscheidung nicht. Auch wenn die Umstände nicht ideal sind, fühlt sich die Mehrheit der Befragten von der „Doppelbelastung“ Kind und Studium nicht der totalen Überforderung ausgesetzt. Organisation ist alles und auch um Hilfe zu bitten ist keine Schande. Vor allem was die finanziellen Aspekte betrifft, gibt es zahlreiche Anlaufstellen, die ich euch im zweiten Teil des Artikels „Studieren mit Kind“ vorstellen werde.

Titelbild: © Andrey Bandurenko – Fotolia.com

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