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Stress in der Schwangerschaft: Ab wann ist er schädlich?

Stress in der Schwangerschaft
Saskia
Geschrieben von Saskia

Und wie könnt ihr gegenwirken?

Die Vorweihnachtszeit steht kurz bevor und damit kehrt meist auch der Stress ein. Wenn es dann auch noch beruflich rund geht, ihr Ärger mit eurem Partner habt und ihr ein Baby erwartet, solltet ihr einen Gang zurückschalten! Stress in der Schwangerschaft kann nämlich dazu führen, dass das dabei ausgeschüttete Cortisol eurem ungeborenen Baby schadet. 


Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr in jeder stressigen Situation gleich Komplikationen befürchten müsst. Eine Studie der Uni Zürich und des Max-Planck-Instituts München hat deutlich gemacht, dass vor allem langfristiger Stress in der Schwangerschaft eurem Ungeborenen schaden kann.

Stresshormone führen zu schnellerem Wachstum

Egal ob schwanger oder nicht – Stress führt dazu, dass wir Hormone ausschütten, um die höhere Belastung aushalten zu können. Dazu gehört auch das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH), das wiederum das Stresshormon Cortisol ansteigen lässt. Da die Plazenta CRH ebenfalls freisetzen kann, kann es auch in den fetalen Kreislauf und ins Fruchtwasser gelangen. Anhand von Tierstudien konnte nachgewiesen werden, dass Stress in der Schwangerschaft zu einem veränderten Stoffwechsel in der Plazenta führt und der Fötus schneller wächst als gewöhnlich. Dieser Fakt war sicherlich in früheren Zeiten, in denen Kinder häufig in Notsituationen auf die Welt kamen, sinnvoll. Denn dadurch waren sie bereits weiter entwickelt als gewöhnlich und hatten somit auch bessere Überlebenschancen. Den Organen des Kindes kommt dies allerdings nicht zugute und ADHS oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein.

Kurzzeitiger Stress in der Schwangerschaft

Um zu erfahren, wie sich kurze und lange Stressphasen der Mutter auf das ungeborene Baby auswirken, hat das Forscherteam zuerst den Cortisol-Wert von 34 gesunden Schwangeren untersucht, die sich einer Fruchtwasserpunktion unterzogen haben. Da Untersuchungen im Rahmen einer Pränataldiagnostik werdende Mütter häufig belasten, steigt dabei auch das Cortisol im Blut der Schwangeren. Zudem wurde gleichzeitig auch der CRH-Spiegel im Fruchtwasser untersucht. Da ausschließlich der Cortisol-Spiegel der Schwangeren anstieg und der Wert im Fruchtwasser unverändert blieb, zog die Forscherin und Psychologin Ulrike Ehlert folgendes Fazit:

Offenbar bleibt das Baby bei akuter, kurzanhaltender Belastung der Mutter vor den negativen Effekten von Stress geschützt.

 

Anhaltender Stress in der Schwangerschaft

Dauert die mütterliche Belastung länger an, ist der CRH-Spiegel im Fruchtwasser erhöht», so die Studienmitarbeiterin und Psychologin Pearl La Marca-Ghaemmaghami.

 

Dadurch wird, wie bereits erwähnt, das Wachstum des Fötus beschleunigt. Doch was könnt ihr gegen lang anhaltenden Stress tun? Natürlich könnt ihr nicht jeder belastenden Situation, die länger andauert, aus dem Weg gehen. Allerdings könnt ihr lernen, diese besser, beziehungsweise anders zu verarbeiten als bisher. Damit euch das Ausmaß eures Stresses bewusst wird, kann es sinnvoll sein, euren Tagesablauf stichpunktartig aufzuschreiben und den dazugehörigen Stresspegel anhand einer Skala von beispielsweise 1-5 zu notieren. Stellt ihr nach einer Woche fest, dass der Stresspegel immer wieder sehr hoch ist, solltet ihr mit eurem Frauen-, Hausarzt oder eurer Hebamme darüber sprechen. Diese werden euch darin unterstützen, Wege aus der Stressfalle zu finden oder euch bei Bedarf an einen Psychotherapeuten überweisen. Was euch ebenfalls beruhigen sollte:

Eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind nach der Geburt kann negative Effekte von Stress in der Schwangerschaft wieder aufheben, so La Marca-Ghaemmaghami.

 

Übrigens können auch übermäßiger Lakritzkonsum in der Schwangerschaft beziehungsweise Lebensmittel, die Süßholzwurzel enthalten, den Cortisol-Spiegel im Fruchtwasser erhöhen. Auch dann ist Vorsicht geboten!

Titelbild: © Syda Productions

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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