Gebloggt Tamaras Erziehungs-Blog

Schreikinder und andere Ausnahmefälle: Die “wartungsintensiven” Kinder

Geschrieben von Tamara Jungbauer

Jedes Baby ist anders und zuweilen kann diese Tatsache schon mal als “ungerecht” empfunden werden. Vergleicht man zum Beispiel sogenannte Schreikinder mit ‘normal’ unruhigen Babys, ist ganz schnell klar, dass die elterlichen Energiespeicher ziemlich ungleich belastet werden. Tamara kam bei ihrem ersten Sohn auch an ihre Grenzen. Um so besser kann sie euch zum ‘Durchhalten’ motivieren und euch wichtige Tipps an die Hand geben, damit ihr zwischendurch neue Kraft tanken könnt.


“Wartungsintensive” Kinder?

Es gibt Kinder, die sind von Anfang an – wie ich es nenne – „wartungsintensiver“ als andere. Solche Kinder werden meist in Kategorien gesteckt mit Titeln wie „Schreikind“, „Kolikbaby“ oder „Kind mit intensiven Bedürfnissen“. Diese Babys weinen meist sehr viel, brauchen mehr Körperkontakt als andere und ihre Eltern fühlen sich oft hilflos, weil sie nicht wissen, was sie falsch oder wie sie es besser machen können.

Mein erster Sohn fiel auch in diese Kategorie und ich kann daher aus Erfahrung sagen: es ist unbeschreiblich schwer. Man hat oft das Gefühl, alles falsch zu machen. Manchmal weiß man nicht mehr weiter, sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Diese Babys schlafen in der Regel sehr unruhig, was einen permanenten und lang andauernden Schlafmangel für die Eltern zur Folge hat. Es mangelt einem also auch noch an Kraft und Energie, was die Sache noch um Vieles erschwert.

Bitte kein Gejammer!

Hinzu kommt, dass man sich dann auch noch unverstanden von der Umgebung fühlt: Eltern von weniger „wartungsintensiven“ Kindern können meist nicht nachvollziehen, wie es einem wirklich geht. Wenn mir damals eine Mutter ihr Leid klagte, weil ihr Kind mal ein paar Nächte schlechter schlief als sonst oder noch zwei bis drei Mal nachts aufwachte, während mein kleiner Mann mich noch immer stündlich weckte, dachte ich mir: sei doch froh und verschon mich bitte mit deinem Gejammer! Ich bekam auch noch eine Wut auf solche Eltern.

Schreikinder und entkräftete Eltern

Die Ursachen, warum manche Kinder „wartungsintensiver“ sind als andere sind vielfältig und meist kommt man ihnen nicht eindeutig auf den Grund. Ob es nun mit psychischem Stress während der Schwangerschaft, traumatischen Geburtserlebnissen oder was auch immer zusammenhängt, ist auch völlig nebensächlich. Eines jedenfalls ist sicher: es ist genauso wenig die Schuld des Kindes wie die der Eltern. Es ist einfach, wie es ist, Punkt. Das zu wissen und anzunehmen ist das Um und Auf für betroffene Eltern. Aus irgendwelchen Gründen brauchen diese Kinder mehr das Gefühl von Sicherheit und körperlicher Nähe, haben eine empfindlichere Verdauung, sind ängstlicher als andere Babys.

Wir Eltern können diese Tatsache nur annehmen und versuchen, das Baby bestmöglich zu unterstützen, seine Bedürfnisse so gut es geht befriedigen und durchhalten. Wenn möglich, sollte Unterstützung von außen – sei es durch den Partner, Großeltern, Babysitter oder Ähnlichem – eingeholt und die Energiespeicher wieder aufgefüllt werden. Diese Eltern müssen noch mehr als andere auf sich selbst achten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Kraft tanken, sich Auszeiten nehmen. Es ist außerdem hilfreich, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, um zu erfahren: ich bin nicht alleine, anderen geht es auch so.

Bild: © berc – Fotolia.com

Über den Autor

Tamara Jungbauer

Ich bin Mutter zweier Söhne, lebe in Wien und habe Erziehungswissenschaften studiert. Mit meinem Erziehungsblog "www.erziehungskiste.net", biete ich neben Infos rund um das Thema Kinder und Familie auch eine kostenlose E-Mail Beratung an. Meine Beiträge beinhalten Tipps und nützliche Informationen für Eltern und andere Interessierte und ich freue mich, nun auch den ma-gazin-Lesern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

3 Kommentare

  • Oh ja diese Schreikinder 🙁 . Das ist eine sehr schwierige Phase, die man durchmacht und durchhalten muss. Das ist sehr schwierig, wir haben nun das zweite Kind und der kleine Mann ist sehr viel am schreien. Es hilft einfach gar nichts, egal was bei unserer Ersten halt, hilft bei ihm nicht, das macht einen Fertig. Die Nerven liegen Blank, keine Energie mehr da, die ganze Familie leidet. Der erste Monat war geschafft, kam uns vor wie mehrere. Kein Busen, kein Schnuller, Kinderwagen, Auto etc. half den kleinen zu beruhigen, auch kein rumtragen. Auch vom einschlafen, ist er weiten entfernt. Er will einfach nicht. Wir waren am Ende, da kam die Hebamme mit einer Feder und einem Netz. Gut Haken in die Decke, Feder und Netz dran, den kleinen rein und tatsächlich, er wurde ruhig. Leider nur solange, wie man ihn wippt. Wenn man aufhört, wars das, das Geschrei geht von vorne los, also auch nicht die Lösung, weil man dann abends am Bett sitzt, Wippt und wippt, einem der Arm schier abfällt und einem schwindelig wird, weil man die ganze Zeit sssssssccccchhhhhhh’t. Also auf dauer auch keine Lösung. Also noch mals auf die Suche im Web gemacht, sowas muss es doch auch elektrisch geben. Leider wurde ich erst nicht fündig, es kamen immer nur manuelle als Suchergebnis, oder so Wippen, die auf dem Boden stehen, das Kind in eine Schale kommt und dort hin und her geschaukelt wird, da wusste ich gleich das wird bei ihm nichts bringen und Gesund für den Rücken seien die auch nicht. Also weiter suchen. Dann stoß ich auf eine Seite “swing2sleep” Ich konnte es nicht glauben, dort gab es tatsächlich jemand der eine automatische Federwiege entwickelt hat. Erst dache ich mir so, hm kann das war sein, oder ist das so eine Fangseite ? Nichts seriöses ? Also hab ich nach Kontakt gesucht und die Nummer von Maik gefunden, dahinter steckt keine Firma und Co. sondern eine Familie, die diese Strapazen auch durchmachen mussten. Doch Maik war erfinderisch und erfand diese klasse Federwiege. So direkt dort angerufen, persönlich ist doch immer besser. Total nett der Kerl, gleich sympatisch, gleich per du, total locker. Wir haben dann eine weile telefoniert und er hat uns einige zusätzliche Tipps und Erfahrungen geteilt. Darauf hin hab ich die Wippe bestellt, in der Hoffnung das uns diese Wippe ein paar Stunden, Auszeit, Ruhe, Kraft und Nerven schenkt. Die Wippe kam, Aufbau war total easy. So es wurde abends, den Tag haben wir irgendwie herum gebracht, den kleinen rein, die Wippe an und siehe da, nach nur ein paar Sekunden, ruhe. RUHE, ich konnte es kaum glauben, kein Arm der abfault, kein stundenlanges Wippen, damit einer von beiden, etwas verschnaufen kann, er war ruhig und zufrieden. Der kleine ist nun 3 Monate alt und leider immer noch sehr schwierig, aber eins ist Fakt, hätte ich nicht die Wippe von Maik gefunden, weiß ich nicht ob wir das überstanden hätten. Diese kann man auch noch individuell Einstellen, Gewicht des Babys, damit sie schön sanft wippt, dauer und stärke. Daher möchte ich diese Erfahrung mit anderen leidenden Teilen, weil ich am eigenen Laibe weiß, was es heißt ein wirkliches Schreikind zu haben, ich spreche hier nicht von Kindern, die hier und da mal bisschen schreien, wir sprechen hier von Kindern die mehrere Stunden am Tag schreien und das Tag ein Tag aus. Dank dieser Wippe haben wir nun abends auch mal 2h für uns, in der wir uns entspannen können, mal wieder ein wenig Zweisamkeit haben und einfach angenehme Ruhe im Haus herrscht. Wer hier nach einer Hilfe sucht, sollte mal nach Maik Schwede + Federwiege suchen, wer dann auf eine Seite kommt die sich swing2sleep nennt seit ihr richtig. Lest euch dort ein, telefoniert und ich hoffe es gibt euch auch Unterstützung in dieser schwierigen Zeit
    In diesem Sinne, alles gute für eure Zeit und ich hoffe das auch euch diese Wiege hilft.

  • Genau das haben wir auch erlebt. Ich weiß nicht was wir ohne die automatische Federwiege gemacht hätten. Heute ist unsere Tochter 16 Monate alt und ein Sonnenschein. Doch die ersten drei Monate Schreikonzert haben es uns echt schwer gemacht als vier-köpfige Familie zusammen zu finden. Ich kann Betroffenen nur Mut machen sich Hilfe (Schreiambulanz, Therapeut oä) zu suchen, um diese Zeit zu überstehen und sein Kind trotz der Belastung lieben zu können.

    • Hallo Jutta! Wie lange hattest du denn die Federwiege? Musstest du deinem Baby das Geschaukel wieder abgewöhnen? Oder nehmt ihr sie immer noch her zum schlafen?
      Ich überlege auch diese Wiege zu holen. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob ich dem Knirps damit was “Schlechtes” antrainiere.
      Ich freue mich sehr auf deine Antwort, auch wenn der Blog schon etwas älter ist!

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