Zuhause

Säuglinge vertauscht: Das ist nicht mein Kind

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

DGGG fordert strengere Richtlinien zur Identifikation Neugeborener

Ein Krankenhauszimmer voller Säuglinge lässt nicht nur Elternherzen, sondern die Herzen aller Besucher einer Geburtsstation höher schlagen. Ein Wonneproppen folgt dem nächsten und meist sehen sich viele “zum Verwechseln” ähnlich… Leider ist dieser schnell dahingesagte Spruch häufiger Realität, als gedacht. Wir wollen euch damit nicht in Panik versetzen, aber ihr könnt selbst als Eltern einiges tun, damit ihr nach eurem Krankenhausaufenthalt auch wirklich mit eurem Baby nach Hause geht.


Die Verwechslung von Manon und Mathilde ging um die Welt und ist nur ein Schicksal von vielen, bei dem das Leben zweier Familien mehr als nur auf den Kopf gestellt wurde. Erst 20 Jahre später kam ans Licht, dass dem Krankenhaus im südfranzösischen Cannes 1994 ein folgeschwerer Fehler unterlief. Für die betroffenen Eltern wurde eine Entschädigung in Millionenhöhe erklagt, ihre Kinder wollten sie jedoch nicht wieder “umtauschen”.

Mit diesem Beitrag wollen wir uns vor allem den werdenden Eltern widmen und euch dabei behilflich sein, dass ihr bei der kleinsten Ungereimtheit das Krankenhaus darauf aufmerksam macht und euch nicht abwimmeln oder eure Sorgen kleinreden lasst.

DGGG fordert strengere Richtlinien zur Identifikation Neugeborener

Es ist nicht verwunderlich, dass es bisher keine offizielle Statistik darüber gibt, wie häufig in Krankenhäusern Babys vertauscht werden. Allerdings ist es Fakt, dass es häufiger geschieht, als man vermutet und trotz Skepsis, die dem mütterlichen oder väterlichen Instinkt zu verdanken ist, gibt es Fälle, in denen dieser “Fehler” erst Jahrzehnte später ans Licht kommt. Natürlich ist das für euch als werdende Mütter und Väter nicht gerade beruhigend. Nachdem im Jahre 2008 die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 481 Kliniken befragte, kamen allein 12 Verwechslungen ans Tageslicht, die jedoch alle rechtzeitig im Krankenhaus aufgeklärt wurden. Am erschreckendsten ist dabei wohl die Zahl der Fälle, in der das Namensbändchen schon mal vom Handgelenk gerutscht ist – diese macht ganze 40 Prozent aus. Über die tatsächliche Anzahl vertauschter Neugeborener gibt es also keine genauen Angaben und es ist möglich, dass einige davon auch niemals erkannt werden. Somit werden Eltern und Krankenhäuser wohl weiterhin allein durch Einzelschicksale wie dem von Manon und Mathilde zu mehr Achtsamkeit ‘ermahnt’. Seit 2013 fordert die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe daher strengere Richtlinien auf den Neugeborenen-Stationen. Dabei geht es nicht nur um die Befestigung von zwei Namensschildern an beiden Händchen in Anwesenheit eines Elternteils, sondern um eine erneute Prüfung der Identität, bevor das Baby aus dem Krankenhaus entlassen wird.

Hört auf euren Instinkt

Natürlich bekommt euer Baby sofort nach der Geburt ein Namensbändchen, um eine Verwechslung ausschließen zu können. Bei all den Untersuchungen und Hätscheilein oder durch einen Stramplerwechsel kann das Band jedoch abfallen. Das Baby wird in ein falsches Bettchen gelegt oder einer Mutter mit gleichem Nachnamen zugeordnet. Wird dies zu spät bemerkt, kann es zu einer Verwechslung kommen. Hier sind vor allem die ständige Aufmerksamkeit des Krankenhauspersonals und natürlich eure gefragt. Sofern ihr also feststellt, dass euer Baby wie aus heiterem Himmel viel schwerer oder leichter scheint, die Haare plötzlich länger oder kürzer sind, das Schreien anders klingt oder ähnliches, besteht darauf, dass eure Skepsis ernst genommen und nicht bloß als übersensibles Verhalten abgetan wird. Ihr habt ein Recht darauf!

Ständiges Misstrauen

Gerade in Fällen, in denen das Vertauschen erst Jahre später ans Licht kommt, hegen häufig vor allem Väter ein belastendes Misstrauen, vielleicht nicht der leibliche Vater zu sein. Das kann unter anderem schon aufgrund der fehlenden Ähnlichkeit geschehen und belastet nicht nur die Partnerschaft, sondern wirkt sich auf das gesamte Leben der Familie aus. Kommt es also zu einem Vaterschaftstest, bringt dies mehr als nur das bisherige Leben des Vaters und des Kindes in Wanken. Ist ein anderer Vater also zu 100 Prozent auszuschließen, müssen dementsprechend auch Tests bei der Mutter durchgeführt werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Man kann kaum mit wenigen Sätzen in Worte fassen, wie sich Eltern und auch das Kind fühlen, wenn erst Jahre später die Verwechslung ans Licht kommt. Abgesehen davon, dass dabei vor allem auch die Beziehung zwischen den Eltern auf eine unbeschreiblich harte Probe gestellt wird, sind alle Verhältnisse plötzlich verschoben. Dennoch wird dabei deutlich, dass Elterngefühle zum Kind nicht unbedingt abhängig davon sind, ob es nun das leibliche ist, oder nicht.

Bild: Kadmy
Video: YouTube

Über den Autor

Redaktion ma-gazin

Redaktion ma-gazin

Hinterlasse ein Kommentar