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Rent-a-Oma

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Opa Hans und Oma Anneliese. Wie wäre es nur ohne sie gewesen? Wenn mir als wutanfälliges Kind von Seiten meiner Eltern völliges Unterverständnis entgegenschlug, setzte ich einen Oma-Notruf ab und innerhalb weniger Minuten fuhr Opas knurrender Mercedes auf den Hof. Sie kamen immer zu zweit, packten mich ein und befreiten mich, zumindest für ein oder zwei Tage, aus der Unterdrückung. Hans und Anneliese – Die Ritter des Rechts.

Nicht alle Kinder haben das Glück, das ich damals hatte. Meine Großeltern, sowohl väter- als auch mütterlicherseits, lebten nur eine fünfminütige Autofahrt von mir entfernt. Doch das ist nicht der Regelfall. Vielen Kindern bleibt der regelmäßige Kontakt mit den leiblichen Großeltern verwehrt, weil sie u.U. in einer anderen Stadt leben oder, aus persönlichen Gründen, keinen Umgang miteinander haben. Im schlimmsten Fall sind Oma und Opa vielleicht gar nicht mehr am Leben. Genauso gibt es auf der anderen Seite Damen und Herren, denen das Großelterndasein bisher versagt blieb oder die ebenfalls in zu großer Distanz zu ihrer Restfamilie wohnen.

Das ist der Stoff aus dem Win-win-Situationen gemacht sind. Warum denn nicht Oma, Opa und Enkelkind zusammenführen? Blut ist dicker als Wasser? Wir sind ja nicht von vorgestern. Die gesellschaftlichen Strukturen haben sich geändert und das Dreigenerationenhaus gehört der Vergangenheit an. Noch lange kein Grund, um auf schöne, familiäre Konstellationen zu verzichten. Rent-a-Oma ist das Stichwort! Großeltern to go! Zum Mieten! Oder, politisch korrekt formuliert, Großelternvermittlungen, die in den verschiedensten Modellen in immer mehr Städten zu finden sind. Ein sehr verlockendes Angebot, nicht nur für Alleinerziehende, sondern vor allem um des Kindes Willen.

Großeltern sind für Kinder wichtige Bezugspersonen, die verwöhnen, nicht aus der Ruhe zu bringen sind und nicht jede von den Eltern aufgestellte Regel durchsetzen müssen. Dieselbe Geschichte immer und immer wieder vorlesen? Kein Problem für Oma! Ein gezieltes „Bitte, bitte“ reicht meistens aus. Unendliche Geduld-Ressourcen, ein offenes Ohr und ein liebes Wort oder ein Schlaflied auf den Lippen. Auf der anderen Seite fühlen sich die „neuen“ Omas und Opas gebraucht und bleiben durch den Kontakt mit den Kindern jung und aktiv.

Unter „Großelterndienst“, „Oma-/ Opa-Börse“ oder „Wunsch-Oma“ kann man in seiner Nähe über das Angebot der Vermittlungen informieren. Meist handelt es sich sogar um ehrenamtliche Organisationen, die dementsprechend kostengünstig für die Eltern sind. Je nach Vermittlung variieren die Voraussetzungen, die Leih-Omas und Leih-Opas erfüllen müssen. Zumeist jedoch handelt es sich um die Generation der 55- bis 65-Jährigen, bei einigen Vermittlungsstellen sogar um ältere Damen und Herren bis 69 Jahre. Leih-Großeltern sind jedoch keine Kinderbetreuung, wie beispielsweise eine Tagesmutter. Aus diesem Grund werden die Wunschgroßeltern auch nur für ca. sechs Stunden in der Woche vermittelt. Sie füllen eine familiäre Lücke. Sie sind eine Unterstützung, aber vielmehr eine essentielle Ergänzung.

Inwieweit die potenziellen „neuen“ Großeltern noch einmal pädagogisch geschult werden oder ob eventuell sogar ein Leumundszeugnis vonnöten ist, variiert ebenfalls von Vermittlungsservice zu Vermittlungsservice. Ebenso wie die Länge der Kennenlernphase, also die gemeinsame „Probezeit“. Ob der Funke zwischen Miet-Oma und Leih-Enkel übergesprungen ist, wird man dann ja spätestens beim ersten gemeinsamen Spielplatzbesuch sehen. Oder nach der fünften „Pettersson und Findus“-Lesung.

Titelbild: © jörn buchheim – Fotolia.com

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3 Kommentare

  • […] Natürlich gibt es trauriger Weise auch Ausnahmen und man kann nicht auf die Hilfe der eigenen Eltern zurückgreifen und sich keinen Rat (mehr) von ihnen holen. Entweder, weil man nie einen guten Draht zueinander hatte, seine Eltern nie kennenlernen konnte oder sie leider schon verstorben sind. Auch meine Oma lebt leider längst nicht mehr, aber wie ihr auf dem Titelbild sehen könnt, denke ich heute auch an sie und schicke ihr eine riesige Umarmung. Und trotzdem gibt es trotz allem eine Möglichkeit, den Kindern und sich selbst einen Großeltern-Ersatz zu suchen. Lest doch einfach mal unseren Beitrag Rent a Oma. […]

  • Also ich wohne mit meiner kleinen familie in böblingen. Leider wohnen meine eltern und schwiegerelterrn am anderen ende von deutschland. Ich selbst war jeden tag bei meiner oma als kind. Mein sohn vermisst seine großeltern schrecklich und weil alle noch berufstätig sind sehen wir sie auch höchstens 4 mal im jahr. Ich hätte gerne auch eine liebevolle oma/opa für ihn. Vielleicht kann mir ja jemand helfen.

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