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Pulsoxymetrie: Herzfehler bei Neugeborenen rechtzeitig erkennen

Pulsoxymetrie
Saskia
Geschrieben von Saskia

Seit November 2016 endlich eine Standarduntersuchung!

Pro Jahr werden zwischen 6.000 und 7.000 Kinder geboren, die unter einem Herzfehler leiden. Werden die Fehlbildungen bereits während der Schwangerschaft erkannt, können erste Behandlungsschritte eingeleitet und spezielle Vorkehrungen für die Geburt getroffen werden. Leider erfolgen die meisten Diagnosen erst nach der Geburt und oft viel zu spät. Mit der Pulsoxymetrie können lebensbedrohliche Herzfehler schneller diagnostiziert werden.


Obwohl Herzfehler die häufigsten Fehlbildungen überhaupt sind, werden bislang nur die wenigsten pränatal erkannt. Zwar wurde im Jahr 2013 der Basis-Ultraschall erweitert, aber immer noch bleiben viele Herzfehler unentdeckt.
Umso wichtiger ist es, dass die ersten Untersuchungen direkt nach der Geburt noch schneller und verlässlicher einen möglichen Herzfehler aufdecken können, denn vorgeburtliche Ultraschalluntersuchungen, die Kontrolle des Herzschlags und die Pulsmessung beim Neugeborenen reichen längst nicht aus.

Echokardiografie und Pulsoxymetrie

Die Echokardiografie gilt als sicherste Methode, um Herzfehler zu diagnostizieren. Leider gehört sie bislang noch nicht zum Standard-Untersuchungsverfahren bei Neugeborenen.

Im November 2016 entschied  der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), die Kinderuntersuchungen U1/U2 durch die Pulsoxymetrie zu ergänzen. Das Screening ist kein Muss, sondern erfolgt freiwillig und ist kostenlos. Die U1 erfolgt 24 bis 48 Stunden nach der Geburt. In Sonderfällen kann die Pulsoxymetrie sogar schon vier Stunden nach der Geburt stattfinden. Bei einer Hausgeburt kann das Screening an die U2 gekoppelt werden. Weitere Infos bekommt ihr hier.

„Bei ungefähr 3 von 10.000 Babys liegt ein kritischer angeborener Herzfehler vor, den man beim Vorsorge-Ultraschall und bei den klinischen Routineuntersuchungen nach der Geburt zunächst nicht erkennen kann. Den betroffenen Neugeborenen kann nun besser geholfen werden. Man kann ihren Zustand früher stabilisieren und sie umgehend behandeln“, sagt Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung (Quelle: Gemeinsamer Bundesausschuss)

Wie wird untersucht?

Bei der Pulsoxymetrie wird dem Kind ein Sensor am Fuß angebracht, der mit einem Messgerät verknüpft ist, um den Sauerstoffgehalt im Blut anzuzeigen. Diese Prozedur ist für das Neugeborene vollkommen schmerzfrei und dauert nur wenige Sekunden. Ist der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig, kann das ein Anzeichen für einen Herzfehler oder eine andere Erkrankung sein und macht eine anschließende Echokardiografie unabdingbar.

Wie sinnvoll ist die Pulsoxymetrie?

Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) belegen anhand mehrerer Erhebungen, dass die Pulsoxymetrie in einer Studie 60 und in einer weiteren 78 lebensbedrohliche Herzfehler von insgesamt 100 Fehlbildungen erkennen konnte, die bei der Standarduntersuchung übersehen wurden.

Zeigte die Pulsoxymetrie ein auffälliges Ergebnis, hatten etwa 26 bis 75 von 100 Babys tatsächlich einen schweren Herzfehler, der darauf durch eine Echokardiografie diagnostiziert werden konnte. Andere auffällige Ergebnisse deckten zwar keine lebensbedrohlichen Herzfehler, dafür aber ‚leichte‘ Fehlbildungen oder Erkrankungen der Lunge auf. In den meisten Fällen bedeutete ein auffälliges Ergebnis, dass das Baby eine ernsthafte Erkrankung hat. Außerdem gab das Screening Aufschluss über schwere Störungen des Säure-Basen-Haushalts (Azidosen), die ebenfalls durch bislang unerkannte Herzfehler verursacht werden.  Eine Azidose bedeutet, dass das Blut des Kindes sauerstoffarm und stark übersäuert ist. Wird der Herzfehler schnell erkannt, kommen somit auch gefährliche Azidosen seltener vor.

Weitere Informationen zu den Studien bekommt ihr auf der Ratgeberseite der BIG.

Wann ist das Risiko eines Herzfehlers besonders hoch?

In den meisten Fällen sind die Ursachen von Herzfehlern nicht bekannt. Sie kommen allerdings häufig dann vor, wenn Chromosomenveränderungen bestehen. So haben zum Beispiel 40 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom eine Fehlbildung des Herzens.

Speziell in der vierten bis sechsten Schwangerschaftswoche kann die Entwicklung des Herzens durch folgende Risikofaktoren beeinträchtigt werden:

  • Virusinfekte ( zum Beispiel Röteln)
  • Medikamente (Zytostatika oder Immunsuppressiva)
  • (Röntgen-) Strahlen
  • Sauerstoffmangel
  • Alkohol

Für detaillierte Infos, die eure persönliche Situation und individuelle Risiken (Herzfehler können zum Beispiel auch genetisch vererbt werden) mit einbeziehen, wendet euch bitte an euren behandelnden Frauenarzt.

Titelbild: © Robin

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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