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Pregorexie: 7 Fakten zur Magersucht in der Schwangerschaft

Pregorexie
Saskia
Geschrieben von Saskia

Wenn Mutter und ihr Ungeborenes hungern …

Eine Schwangerschaft gilt als eine der glücklichsten und aufregendsten Lebensabschnitte einer Frau. Normalerweise achtet ihr vor allem in diesen neun Monaten mehr auf eure Gesundheit als sonst. Denn eure körperliche Verfassung ist nun auch für das Wohl des Ungeborenen verantwortlich. Doch dass ein gesunder Körper und eine gesunde Seele bei werdenden Müttern nicht selbstverständlich sind, wird an der sogenannten Pregorexie deutlich. Welche Risiken birgt die Magersucht in der Schwangerschaft und wie geht ihr damit um? Wir haben die 7 wichtigsten Fakten für euch!


Der Begriff “Pregorexia” setzt sich aus den Begriffen “pregnant” (schwanger) und “anorexia” (Magersucht) zusammen und entstand, nachdem die amerikanische Familientherapeutin Maggie Baumann über ihre Magersucht in und nach der Schwangerschaft Jahre später bloggte. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre beiden Töchter bereits erwachsen.

1. Welche Frauen können eine Pregorexie entwickeln?

Seid ihr bereits vor eurer Schwangerschaft an Magersucht erkrankt, ist die Gefahr groß, dass ihr in der Schwangerschaft ebenfalls darunter leidet. Die Angst, das eigene Gewicht in den kommenden neun Monaten gar nicht mehr kontrollieren zu können, ist dann besonders hoch. Es kann auch möglich sein, dass ihr seit Längerem wieder eine gesunde Körperwahrnehmung hattet und diese während der Schwangerschaft erneut verliert. Zudem könnt ihr auch dann an Pregorexie erkranken, wenn ihr bislang keine Essstörung hattet. Meist verschwindet die Essstörung auch nicht sofort nach der Schwangerschaft, sondern hält weiterhin an und beeinflusst die Beziehung zwischen Mutter und Kind negativ.

2. Gründe der Magersucht in der Schwangerschaft

Die Gründe für eine “normale” Anorexia nervosa finden sich häufig schon in der Kindheit. Problematische Familienverhältnisse, Leistungsdruck, der Wunsch nach Anerkennung und bedingungsloser Liebe sind nur einige mögliche Ursachen. Auch bei der Pregorexie spielt meist ein geringes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein beziehungsweise die Angst davor, als Frau und Mutter nicht zu genügen, eine große Rolle. Ein Auslöser, der häufig unterschätzt wird, ist gesellschaftlicher Druck und der Einfluss medialer Schönheitsideale. Auf Instagram wimmelt es nur so von scheinbar perfekten Frauen, die Karriere und Familie unter einen Hut bringen und sich “nebenbei” gesund ernähren, Sport treiben und makellose Körper haben. Dieser Trend setzt sich auch während der Schwangerschaft mehr und mehr durch. Dem nicht genug präsentieren Rollenvorbilder wie Kate Middleton ihren gertenschlanken After-Baby-Body nur wenige Stunden nach der Geburt ihres Kindes der Öffentlichkeit. Da ist es kein Wunder, wenn eine bislang gesunde Frau Angst davor hat, diesen Idealen nicht genügen zu können und als werdende Mutter eine Essstörung entwickelt.

3. Symptome der Pregorexie

Folgende Anzeichen können auf eine Magersucht in der Schwangerschaft hindeuten:

  • Ihr habt bereits vor der Schwangerschaft an Magersucht gelitten.
  • Eure Gedanken kreisen sich unentwegt um eure Gewichtszunahme.
  • Euer körperliches Wohlbefinden definiert ihr nur über euer Gewicht.
  • Nicht das Ungeborene, sondern die Angst vor der Gewichtszunahme steht im Vordergrund.
  • Ihr verdrängt und versteckt eure Schwangerschaft.
  • Ihr esst zu wenig oder lasst Mahlzeiten ganz ausfallen.
  • Ihr esst am liebsten allein und zieht euch auch ansonsten zurück.
  • Ihr reagiert empfindlich, wenn euch euer Umfeld auf euer Essverhalten anspricht.
  • Ihr treibt trotz Schwangerschaft exzessiv Sport.

Nach der Geburt treten häufig diese Symptome auf:

  • Ihr habt eine Abwehrhaltung gegenüber eurem Kind entwickelt.
  • Ihr könnt eurem Kind keine Zuneigung und Liebe geben.
  • Ihr verweigert das Stillen.
  • Eure Gedanken kreisen sich nur darum, wie ihr wieder schnell an Gewicht verlieren könnt.
  • Ihr treibt exzessiv Sport und macht Diäten.

4. Risiken für die werdende Mutter

Da euer Körper in den kommenden neun Monaten Höchstleistungen erbringen muss, benötigt ihr mehr Nährstoffe als sonst. Regelmäßiger Nahrungsentzug wirkt sich zuerst auf eure Gesundheit aus. Damit die Plazenta und somit das Baby weiterhin mit allen Nährstoffen versorgt werden kann, schaltet euer Körper auf Sparflamme. Dies kann unter anderem dazu führen, dass sich eure Muskulatur abbaut, ihr seid anfällig für Osteoporose und auch euer Blutdruck kann steigen.

5. Risiken für das Ungeborene

Da die Plazenta schlechter mit Nährstoffen versorgt wird, können die Auswirkungen des Nahrungsentzugs für euer ungeborenes Kind verheerend sein. Die Einnahme von Abführmitteln kann die körperliche und geistige Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen. Je nachdem, welche Art der Unterversorgung besteht, kann es zu Wachstumsverzögerungen, Entwicklungsstörungen sowie zu Früh- und Fehlgeburten kommen. Zudem steigen beispielsweise die Risiken für Fettleibigkeit, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes und Glukoseintoleranz.

6. Helfen und helfen lassen

Mitmenschen empfinden es meist als unverantwortlich, wenn eine schwangere Frau mehr Angst davor hat, zuzunehmen als sich und das eigene Kind mit wichtigen Nähstoffen zu versorgen. Doch bevor ihr urteilt, solltet ihr euch bewusst machen, dass es sich bei einer Essstörung um eine ernst zu nehmende und behandlungsbedürftige Erkrankung handelt. Mit Vorwürfen, Druck und demütigenden Aussagen lässt sich ganz sicher keine Genesung erzielen. Vor allem für den Partner und Vater in spe ist diese Situation äußerst schwierig. Entscheidend ist, dass ihr eurer Partnerin zur Seite steht und sie darin unterstützt, ärztliche sowie psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ihr seid selbst von Pregorexie betroffen? Sofern ihr bislang noch nicht ärztlich betreut werdet, steht euch euer behandelnder Haus- oder Frauenarzt jederzeit beratend zur Seite. Sofern es euch leichter fällt, könnt ihr euch auch zuerst einer nahestehenden Person oder betroffenen Frauen in einer Selbsthilfegruppe anvertrauen. Wichtig ist, dass ihr euer Essverhalten und eure Ängste nicht verheimlicht, sondern offen und ehrlich darüber sprecht. Das bedeutet, dass ihr euch bewusst dafür entscheidet, euch eurem Problem zu stellen. Und das ist bei Essstörungen meist der schwierigste Teil überhaupt. In der Regel verdrängt die betroffene Person die Symptome und wird von ihren Mitmenschen darauf hingewiesen. Tritt dieser Fall bei euch ein, versteht die Hinweise nicht als Vorwurf, sondern als Hilfestellung, um euch schnell ärztliche Hilfe suchen und euch und euer Kind vor gesundheitlichen Schäden bewahren zu können.

7. Ihr müsst nicht für zwei Essen!

Vielleicht hilft es euch, mit eurem Frauenarzt zu besprechen, wie viel ihr während der Schwangerschaft ungefähr zunehmt. Das kann euch die Angst davor nehmen, dass euer Gewicht ins “unermessliche” steigt. Ärzte orientieren sich dazu an den Leitlinien des US-amerikanischen Institutes of Medicine (IOM). Wie viel ihr ungefähr an Gewicht zulegen solltet, erfahrt ihr hier. Eine Schwangerschaft bedeutet übrigens nicht, dass ihr gleich für zwei essen solltet. Wichtig ist, dass ihr die “richtigen” Lebensmittel ausreichend zu euch nehmt. Eine Ernährungsberatung ist euch dabei behilflich, das richtige Maß zu finden und weiß auch mit euren Ängsten umzugehen. Welche Nahrungsmittel für euch und euer Baby essenziell sind, erfahrt ihr in unserem Superfood-Beitrag.

Allgemeine Informationen zum Thema Essstörungen findet ihr im BIG-Ratgeber.

Video: YouTube

Titelbild: ©  kieferpix

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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