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Plazenta essen: Dieser Trend kann eurem Baby schaden!

Plazenta essen
Saskia
Geschrieben von Saskia

In Kapselform oder doch als Pie?

Wieso sollte man die Plazenta im Garten vergraben und darauf einen Baum pflanzen, wenn man sie auch essen kann?! Das handhaben nicht nur bestimmte Tierarten so, sondern seit längerem auch Promis wie Jamie Oliver, Alicia Silverstone oder Kim Kardashian. Und dank dieser Vorkoster verspeisen nun weltweit immer mehr Mütter ihre Plazenta nach der Geburt. Ob als Smoothie, Kapsel, Globoli oder als Lasagne: Die Plazenta enthält Nährstoffe und Hormone, die Geburtsschmerzen schneller verschwinden lassen, Wochenbettdepressionen bekämpfen, die Produktion der Muttermilch ankurbeln und das Immunsystem stärken sollen. Doch Ärzte warnen vor diesem gefährlichen Trend. Denn was im Bauch der Mutter noch zum Überleben und Heranreifen eines Kindes unerlässlich war, kann nach der Geburt zur lebensbedrohlichen Gefahrenquelle werden. 


Lotusgeburt,Vaginal-Seeding, Freebirthing: Die Trends in und nach der Schwangerschaft scheinen nicht abzureißen. Das Problem ist allerdings, dass wir bei all der Euphorie die gesundheitlichen Risiken vergessen und zu selten fragen, ob die angepriesenen Vorteile auch der Wahrheit entsprechen. Denn laut US-Gesundheitsbehörde gibt es bislang keine Beweise, dass es für Mütter gesundheitliche Vorteile hat, ihre Plazenta zu essen. In einer Studie der Universität von Chicago aus dem Jahr 2015 heißt es:

“Der gesundheitliche Nutzen und die Risiken der Plazentophagie (bezeichnet den Verzehr der menschlichen Plazenta durch den Menschen) erfordern weitere Untersuchungen.”

 

Mutter infiziert Kind mit B-Streptokokken

Dass die Risiken nicht zu unterschätzen sind, macht folgender Fall deutlich: Ende 2016 brachte eine Frau aus Oregon ein gesundes Baby zur Welt. Darauf allerdings bekam das Kind plötzlich Atemnot und wurde auf die Intensivstation verlegt. Nach einer Blutentnahme fanden die Ärzte eine Infektion mit B-Streptokokken heraus. Trägt die Mutter den Erreger in sich, infiziert sich das Ungeborene meist während der vaginalen Geburt über den Geburtskanal. Erste Anzeichen zeigen sich gewöhnlich in den ersten sechs Tagen. B-Streptokokken können zu einer lebensgefährlichen Lungenentzündung, Blutvergiftung sowie zu einer Hirnhautentzündung führen. Das Neugeborene erhielt elf Tage lang ein Antibiotikum und konnte darauf gesund aus dem Krankenhaus entlassen werden. Keine Woche später mussten die Eltern ihr Kind wieder in die Notaufnahme bringen. Nach einer weiteren Blutentnahme wurden wieder B-Streptokokken festgestellt. Die Muttermilch konnte als Quelle ausgeschlossen werden. Erst durch den Hinweis eines Arztes, dass die Mutter nach der Geburt darum bat, die Plazenta mitnehmen zu dürfen, berichtete die Mutter darauf von der mehrmals täglichen Einnahme ihrer Plazenta-Kapseln. Diese ließ sie von einem Institut herstellen. Anschließend wurden die Kapseln auf B-Streptokokken untersucht und die Mediziner wurden fündig. Selbst das Erbgut der Bakterien in den Kapseln war identisch mit dem der Keime, die im Blut des Babys gefunden wurden. Zwar können die Mediziner nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass sich das Neugeborene auch durch eine andere Person infiziert haben könnte. Dies kann bereits durch intensiven Hautkontakt passieren. Fakt ist allerdings, dass es nach einer weiteren zweiwöchigen Antibiotikabehandlung und nachdem die Mutter die Kapseln sofort abgesetzt hat, endlich gesund war und auch blieb.

Hier geht’s zum vollständigen Fallbericht.

Plazenta filtert Schadstoffe

Der Mutterkuchen ist ein Allroundtalent. Allerdings nur solange er sich im Körper der werdenden Mutter befindet. Dieser ist nicht nur für die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung von der Mutter zum Kind zuständig. Er fängt zudem Schadstoffe wie etwa Schwermetalle (zum Beispiel Quecksilber), Bakterien und andere Viren aus dem Blut der Mutter über das Gewebe auf, bevor diese in die Blutbahn des Kindes übergehen. Die Plazenta fungiert somit als Schadstofffilter. Hinzu kommt, dass es bislang keine hinreichenden Richtlinien für den Herstellungsprozess von Kapseln oder Globoli gibt. So prüfen die Hersteller nicht immer, ob es beispielsweise zu Infektionen vor oder nach der Geburt kam. Um Salmonellen ausschließen zu können, muss die Plazenta mindestens zwei Stunden auf 52 Grad Celsius erhitzt werden. Bei der Herstellung müsst ihr also im wahrsten Sinne des Wortes blind vertrauen. Entscheidet ihr euch trotzdem dazu, eure Plazenta trocknen und pulverisieren zu lassen, sollte euch bewusst sein, dass ihr euch und euer Kind einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzt.

Titelbild: © Nadezda Ledyaeva

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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