Aufgeregt Gesund

Ohrlochstechen beim Kleinkind: Niedlich oder Körperverletzung?

Saskia
Geschrieben von Saskia

Wir sind dagegen!

Das Thema Ohrlochstechen bei Neugeborenen und Kleinkindern ist seit Jahrzehnten eine heikle Streitfrage, die Eltern, Kinderärzte, Bundestagsabgeordnete und Berufsverbände beschäftigt. Viele sind der Meinung, dass eine gesetzliche Altersgrenze festgelegt werden sollte. Doch bisweilen konnten selbst Petitionen keine Änderung erzielen. Mit sechs bis sieben Jahren ist euer Kind in der Lage, selbst zu entscheiden, ob es Ohrschmuck präferiert oder aber nicht. Dennoch werden Babys bereits wenige Monate nach der Geburt den Strapazen und Risiken von Ohrpiercings ausgesetzt. Muss das sein?


Medizinisch spricht nichts dagegen, aber …

Ganz abgesehen von dem kurzen aber unnötigen Schmerz beim Stechen und den notwendigen Hygienemaßnahmen gibt es weitere Gründe, weshalb Ohrpiercings bei Babys und Kleinkindern unterbunden werden sollten. Erstens wisst ihr als frischgebackene Eltern kaum, wie gut die Wundheilung bei eurem Baby funktioniert und ob es bereits unter Allergien leidet. Liegen Hautkrankheiten wie zum Beispiel Neurodermitis vor, solltet ihr gänzlichst auf die Prozedur verzichten. Ansonsten drohen Entzündungen oder Schlimmeres. Hinzu kommt, dass sich die Ohrlöcher durch das Wachstum noch verschieben können.

Informiert euch!

Könnt ihr euch dennoch nicht von dem Gedanken trennen, dass euer Winzling dringend glitzernde Sternchen oder Herzchen benötigt, holt euch Rat bei einem guten Hautarzt. Dann müsst ihr allerdings auch damit leben, auf Unverständnis zu stoßen. Auch Juweliere stehen dem Thema sehr skeptisch gegenüber und legen deshalb selbst ein Mindestalter fest. Ist euer Kleines ohne Hautprobleme auf die Welt gekommen, spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen die Piercings. Allerdings solltet ihr immer den Gang zu einem hochwertigen Juwelier vorziehen und Läden, in denen Modeschmuck verkauft wird, meiden. Hat euer Kind noch keine Tetanus-Impfung erhalten, solltet ihr ebenfalls auf die Ohrlöcher verzichten.

Nachsorge ist risikoreich

Einem siebenjährigen Kind könnt ihr erklären, wieso es die Ohren nach dem Durchstechen erst mal in Ruhe lassen muss. Euer Baby oder Kleinkind versteht diese Hinweise leider noch nicht. Gerade in der Nacht und während des Heilungsprozesses reicht schon ein kleiner Juckreiz und eure Kinder fangen an zu kratzen oder reißen am Ohrläppchen, beziehungsweise am Ohrring. Eure Knirpse haben außerdem immer sehr viel schneller unsaubere Händchen. Mal schnell in den Blumentopf gefasst, den Spüllappen geklaut oder im Sandkasten gesessen. Auch hier könnt ihr eurem Kind kaum erklären, dass es die Ohren damit besser nicht berühren sollte. Dies kann zur Folge haben, dass sich die Löcher entzünden und dann wird es erst richtig schmerzhaft für die Kleinen.

Falls ihr es also dennoch vorhabt, müsst ihr vor allem zwei Dinge bedenken:

  1. Ihr könnt euren Knirps nicht fragen
  2. Bei Komplikationen sind eure Kleinen die Leidtragenden

Titelbild: © artshotphoto

 

 

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

2 Kommentare

  • „Allerdings solltet ihr immer den Gang zu einem hochwertigen Juwelier vorziehen und Läden, in denen Modeschmuck verkauft wird, meiden.“

    Bitte auch kein Juwelier!
    Auch hochwertige Juweliere haben dafür keinerlei medizinische Ausbildung!

    Hinzu kommt: Juweliere benutzen Ohrlochpistolen.

    Ohrlochpistolen lassen sich nicht sterilisieren!

    Man kann sie lediglich mit einem Desinfektionsmittel absprühen – aber das ist unzureichend und entfernt zudem keine Gewebeteile oder getrocknetes Blut, was beides beim Schießen mit den vergleichsweise stumpfen Ersteinsatzsteckern nur so durch die Gegend sprüht und mit bloßem Auge kaum erkennbar ist.

    Auch normale Ohrlöcher sind _Piercings_ und gehören daher von einem Fachmenschen, also einem/r Piercer/in durchgeführt.
    Das geht zwar nicht in 0,2 Sekunden, wie mit der Pistole, ist aber i.d.R. sogar schmerzfreier, da das Werkzeug zum Durchstechen tatsächlich scharf ist und somit weniger weh tut, das Gewebe nicht gequetscht und gerissen, sondern tatsächlich sauber durchstochen wird. Der eine oder andere erinnert sich nach dem Schießen vielleicht noch an das heiße Druckgefühl an den Ohrläppchen – das gibt es nur bei geschossenen Piercings, nicht bei gestochenen.

    Wer seinem Kind also Schmerzen und Folgeinfektionen ersparen will, sollte zu einem erfahrenen Piercer gehen und Ohrlochpistolen meiden.

    Mehr Infos hier:
    https://wiki.crazy-factory.com/index.php?title=Ohrlochpistole
    http://www.aestheticart.de/piercing/ohrlochpistolenneindanke/

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