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Mobbing-Opfer: Wenn Körper und Seele leiden

Mobbing-Opfer
Saskia
Geschrieben von Saskia

Spätfolgen bis ins Erwachsenenalter!

Laut einer Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) der Leuphana Universität Lüneburg gab rund jeder dritte Schüler an, vor kurzem mindestens einmal gemobbt worden zu sein. Ganz egal, ob es dabei ‘nur’ um Hänseleien oder um körperliche Gewalt geht, leiden Mobbing-Opfer seelisch und körperlich. 


Schulkinder haben es nicht leicht, denn neben dem frühen Aufstehen und Leistungsdruck müssen sie sich täglich mit ihren Mitschülern auseinandersetzen. Dass dabei hin und wieder die Fetzen fliegen, ist vollkommen normal. Arten Rivalitäten und Auseinandersetzungen allerdings in Mobbing aus, sorgt dieses Verhalten nicht nur für ein kurzes Gekränktsein.

Mobbing-Opfer: Nicht nur die Seele leidet

Mobbing-Opfer weisen im Vergleich zu anderen Schülern einen wesentlich schlechteren Gesundheitszustand auf. Die Leuphana-Studie zeigt, dass 14 Prozent der gemobbten Schüler regelmäßig unter Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen sowie unter Schlafstörungen leiden. Bei den Schülern, denen nichts widerfahren ist, sind es nur vier Prozent. Jeder zehnte Befragte gab an, sogar schon Opfer von Gewalt durch andere Schüler geworden zu sein. Zudem zeigt eine Langzeitstudie, die von Wissenschaftlern aus Großbritannien und den USA durch die Messung des C-reaktiven Proteins (CRP) durchgeführt wurde, dass Mobbingopfer auch noch Jahrzehnte später unter (niedriggradigen) chronischen Entzündungen im Körper leiden können. Weitere Infos dazu erfahrt ihr hier.

Mobbing macht depressiv

Kinder, die gemobbt werden, ziehen sich meist stark zurück. Freundschaften werden weniger und durch die täglichen Demütigungen beginnen die Opfer an sich zu zweifeln. Kein Wunder, denn Beleidigungen wie “fettes Schwein” oder “du stinkst” und körperliche Schläge gehen selbst an den selbstbewusstesten Kindern nicht spurlos vorbei. Und somit geht die soziale Isolation, die unter anderem zu Depressionen führen kann, auch meist mit einer Unzufriedenheit gegenüber dem eigenen Aussehen einher. Je nachdem wie stark das Selbstwertgefühl des Kindes in Mitleidenschaft gezogen wird, kann sich diese Unsicherheit und im schlimmsten Fall eine Depression mit dem Beginn der Pubertät noch verstärken und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Laut einer britischen Studie wurde jeder dritte junge Erwachsene, der unter Depressionen leidet, als Kind gemobbt. Dazu befragten sie Teenager im Alter von 13 und noch einmal mit 18 Jahren. Von den seelischen Spätfolgen waren 683 von 4.000 befragten Jugendlichen betroffen. Der Anteil war somit drei Mal höher als bei Jugendlichen ohne Mobbing-Erfahrungen. (Quelle: The BMJ Journal)

Mobbing passiert an jeder Schule!

Häufig denken Lehrer und Eltern, dass Mobbing nur in ‘Problemschulen’ stattfindet. Doch die Studie macht deutlich, dass Hänseleien, Demütigungen und körperliche Gewalt in jeder Schule und unabhängig von der sozialen Schicht zum Alltag gehören. Deshalb ist es wichtig, dass ihr vor diesem Thema nicht die Augen verschließt und den Alltag eurer Kinder aufmerksam mitverfolgt. Das heißt nicht, dass sie euch haarklein Bericht erstatten sollen, sondern dass ihr euch einen ungefähren Eindruck über das Klassenklima verschafft, z.B. indem ihr euch regelmäßig mit eurem Nachwuchs, den Lehrern und anderen Eltern austauscht. Ein halbjährlicher Besuch beim Elternsprechtag reicht dazu meist nicht aus. Sinnvoller ist es, bei Klassenfesten, Elternabenden und privaten Verabredungen eurer Kinder ein Gespür dafür zu entwickeln, wie gut es um ein faires Miteinander bestellt ist. Und selbst wenn euer eigenes Kind nicht direkt betroffen ist, aber von anderen ‘Fällen’ berichtet, solltet ihr mögliche Ungerechtigkeiten beim nächsten Elternabend ansprechen. Es genügt, wenn ihr diese erst mal ohne das Kind beim Namen zu nennen, publik macht und Lehrer und Eltern dafür sensibilisiert, dass ihr nicht tatenlos zuseht.

Gewaltprävention in Schulen

Um Mobbing-Handlungen zu durchbrechen, müssen Schulen stärker in die Pflicht genommen werden. So machten die Mobbing-Täter anhand der Studie sichtbar, dass Lehrer an ihrem Verhalten häufig eine Mitschuld tragen. Bevorzugen diese zum Beispiel gewisse Schüler, kompensieren die Täter ihren Frust häufig über das Mobbing. Allerdings suchen sie sich dabei das schwächere Glied und damit den bevorzugten Mitschüler heraus. Auch die Mobbing-Opfer fordern laut Studie mehr Unterstützung von ihren Lehrern. Das macht ebenfalls deutlich, dass Lehrern das Ausmaß ihres Verhaltens sowie des Mobbings seitens der benachteiligten Schüler häufig nicht bewusst ist. Deshalb ist die Leuphana Teil der  Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Dabei werden bundesweit 30 Schulen begleitet und geschult, um das Schulklima und den Schulalltag zu verbessern und menschlicher zu gestalten.

Ihr befürchtet, dass euer Kind gemobbt wird? Dann helfen euch unsere 10 Tipps gegen Mobbing. Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, was ihr tun könnt, wenn euer Kind zum Mobbing-Täter wird.

Titelbild: © pololia

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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