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Milchpulver: Was sollte wirklich drin sein?

Milchpulver
Saskia
Geschrieben von Saskia

Ernährungswissenschaftlerin Anne Rauter gibt euch wichtige Tipps!

Der Fipronil-Skandal hat es mal wieder gezeigt: In der Lebensmittelindustrie wird viel Schmu betrieben. Umso ängstlicher sind Eltern, wenn es um die Nahrung für die Kleinsten geht. Nicht jede Mutter hat die Möglichkeit zu stillen oder hat sich bewusst dagegen entschieden und greift stattdessen auf Milchpulver zurück. Doch wie findet ihr Ersatznahrung, die wirklich unbedenklich ist und alle wichtigen Nährstoffe enthält, die euer Baby in den ersten Jahren benötigt? Anne Rauter ist Ernährungswissenschaftlerin und verrät euch, worauf ihr beim Kauf achten solltet. 


Sofern es uns finanziell möglich ist, greifen wir vermehrt auf Lebensmittel mit Biosiegel zurück. Wo Bio draufsteht, ist schließlich auch Bio drin; zumindest müssen Verbraucher darauf vertrauen. Wir haben euch bereits vor einigen Monaten die aktuellsten Testergebnisse von Stiftung Warentest zu Anfangsmilch-Produkten vorgestellt, aber alle Fragen zum Thema Ersatznahrung lassen sich damit noch nicht beantworten.

Deshalb haben wir für euch noch mal die wichtigsten Tipps und Informationen von der Ernährungswissenschaftlerin Anne eingeholt. Sie hat bereits verschiedene Lebensmittelunternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte unterstützt und hat sich nun bei Löwenzahn Organics auf den Bereich Babynahrung spezialisiert.

Redaktion: Was bedeutet biologisch und was ökologisch?

Anne: Die Begriffe ökologisch und biologisch können synonym verwendet werden. Bei Lebensmitteln bezieht sich der Begriff auf die ökologische/ biologische Landwirtschaft, also eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Es gibt strenge Vorschriften für Bio-Lebensmittel, die z.B. den Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und gentechnisch veränderten Organismen regeln. In Europa bildet die EG-Öko-Basisverordnung die rechtliche Grundlage für Bio Lebensmittel.

Redaktion: Inwiefern kann man beim Kauf von diesen Produkten überhaupt darauf vertrauen, dass auch drinsteckt was drauf steht?

Anne: Wenn ein Produkt das Bio-Siegel trägt, kann man sicher sein, dass der Produzent befähigt ist, Produkte herzustellen, die den Standards der biologischen Landwirtschaft entsprechen. Jede Etappe der Wertschöpfungskette wird während umfangreicher Audits geprüft. Neben dem europäischen Bio Standard gibt es verschiedene andere Verbände und Organisationen, die Siegel für biologisch hergestellte Produkte vergeben. Sie haben meist noch strengere Regelungen als die EG-Öko-Basisverordnung. Ein Beispiel für einen solchen Verband ist Demeter, der die Qualitätsführerschaft im Bio-Bereich für sich in Anspruch nimmt. Die Baby Getreidebreie von Löwenzahn Organics tragen beispielsweise alle das Demeter Siegel.

Redaktion: Welche Stoffe sollten in Milchpulvern auf keinen Fall enthalten sein und wie sind diese auf der Verpackung deklariert?

Anne: Die erlaubten Inhaltsstoffe von Säuglingsmilchnahrung und Folgemilch in Deutschland sind in der sogenannten Diätverordnung geregelt. Diese schreibt auch die Mengen vor, in welcher bestimmte Makro- und Mikronährstoffe enthalten sein müssen. Nicht erwünscht sind Umweltkontaminanten und Schadstoffe, die unter anderem über die Rohstoffe in die Milchnahrung gelangen können. Durch das Bio-Siegel auf der Verpackung kann man sicher sein, dass die Produkte frei von Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen sind. Um in Bezug auf andere Schadstoffe größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, wird bei Löwenzahn Organics jedes Produkt vor, während und nach der Produktion umfangreichen Tests unterzogen. Zusätzlich lassen wir unsere Babynahrung bei einem unabhängigen Labor auf verschiedene Substanzen wie Chlorat, 3-MCPD Fettsäuren, Dioxine und viele weitere analysieren. Somit können wir sicherstellen, dass unsere Lebensmittel keine Schadstoffgrenzwerte überschreiten, die Babys schaden könnten.

Redaktion: Stichwort: “hypoallergen”. Was genau bedeutet dieser Zusatz und inwiefern gibt es hier qualitative Unterschiede bei den Produkten?

Anne: Hypoallergene Säuglingsnahrung (HA Nahrung) wird zur Prävention bei erhöhtem Allergierisiko empfohlen, z.B. wenn ein Elternteil und/ oder ein Geschwisterkind an einer Allergie leidet. Das Protein in HA Nahrung ist hydrolisiert, also bereits aufgeschlossen. Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Lactoseintoleranz, bei welcher dem Säugling ein Enzym zur Spaltung des Milchzuckers Lactose fehlt. Da Lactose natürlicherweise das einzige Kohlenhydrat in der Muttermilch ist, tritt eine Lactoseintoleranz bei Säuglingen nur sehr selten auf.

Redaktion: Sie sind unter anderem für den Babynahrungshersteller Löwenzahn Organics beratend tätig, der Pre und Folgenahrung sowie Babybrei vertreibt. Was unterscheidet zum Beispiel die Löwenzahn Organics Bio Pre Anfangsmilch von anderen Produkten, die von Stiftung Warentest empfohlen wurden?

Anne: Löwenzahn Organics wurde von drei Eltern gegründet, die selber festgestellt haben, dass sich die Perspektive auf Ernährung noch mal ändert, sobald man Kinder bekommt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, bestmögliche Babynahrung anzubieten, die fair und im Einklang mit unseren Ressourcen hergestellt wird – und die höchsten Anforderungen an Qualität und Sicherheit erfüllt. Wir gehen bei der Herstellung unserer Produkte keine Kompromisse ein. Wie alle anderen Unternehmen, die Säuglingsmilchnahrung herstellen, müssen wir den Ansprüchen der Diätverordnung gerecht werden. Darüber hinaus verwenden wir nur Zutaten aus biologischer Landwirtschaft und nachhaltigem Anbau. Unsere gesamte Produktpalette wird in einem unabhängigen Labor auf Schadstoffe geprüft. Hier achten wir selbstverständlich auf alle gesetzlichen Bestimmungen und Grenzwerte.
Außerdem sind die Getreidebreie von Löwenzahn Organics die einzigen Babybreie, die nicht instant sind. Das Korn der Demeter Baby-Getreidebreie wird, anders als bei herkömmlicher Babynahrung, erntefrisch geröstet und keiner Dehydration unterzogen. So bleiben Nähr- und Aromastoffe vollkommen erhalten. Außerdem werden selbstverständlich weder Zucker noch Aroma-, Farb- oder Konservierungsstoffe zugesetzt.

Redaktion:  Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Muttermilch gesünder sei als Ersatznahrung. Angenommen man greift bereits auf ein Milchpulver zurück, das keine Zusatzstoffe und nur ökologische Zutaten enthält, worin besteht dann noch der Unterschied?

Anne: Die WHO empfiehlt, bis zum Ende des 6. Lebensmonats ausschließlich zu stillen. Obwohl im Bereich der Säuglingsnahrung sehr viel geforscht wurde, ist es nicht möglich, die Muttermilch zu 100% nachzubilden. Gerade in der ersten Milch nach der Geburt, dem sogenannten Kolostrum, sind viele Bestandteile enthalten, die wichtig für das Immunsystem sind und im Milchpulver nicht komplett nachgestellt werden können. Stillen unterstützt darüber hinaus die Mutter-Kind-Beziehung und wirkt sich positiv auf die Rückbildung aus. Muttermilch ist Babynahrung von höchster Qualität und immer sofort zugänglich, also auch sehr praktisch. Wir unterstützen und empfehlen daher das Stillen, wenn es bei jungen Müttern gut klappt. Doch nicht alle Frauen können oder wollen stillen. Diese Mütter sollen die bestmögliche Unterstützung von uns erhalten. Keine Mutter macht sich die Entscheidung leicht, wie sie ihr Kind ernähren will. Unsere Pre Nahrung hat auf der Verpackung keine Altersbegrenzung nach oben, womit wir signalisieren möchten, dass sie bis zum Ende des Flaschenalters geeignet ist. Das grenzt uns von anderen Unternehmen auf dem Markt ab. Uns ist es sehr wichtig, dass Mütter selbst entscheiden, welche Milch sie ihren Babys geben möchten und wie lange.

Redaktion: Löwenzahn Organics hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass Eltern die Herstellungs- und Zutatenkette zu 100 Prozent nachverfolgen können. Wie genau ist das möglich?

Anne: Die Milchnahrung ist ein sehr komplexes Produkt, das oft nicht genau verstanden wird. Wir möchten nicht nur über die Inhaltsstoffe unserer Babynahrung informieren, sondern auch unsere Herstellungs- und Lieferkette darstellen. Dafür haben wir einen Transparenz Code (Info siehe unten) entwickelt, mit welchem die Kunden die Herkunftsländer und Regionen einsehen können, aus denen die Zutaten der Milchnahrung stammen. Bei unseren demeter Getreidebreien können wir unseren Kunden zum Teil sogar den Landwirt zeigen, der das Getreide anbaut. Möglich gemacht wird dies durch eine sorgfältige Auswahl unserer Rohstoffe und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Auf unserem Youtube-Kanal nehmen wir interessierte Kunden direkt mit auf die Alm unserer Partnerbetriebe. So können sie sich aus erster Hand ein Bild über die ökologische Almwirtschaft machen und ganz genau sehen, wo die Nahrung für ihre Lieblinge herkommt.

Um den Tracking Code (beziehungsweise den Transparenz Code) der jeweiligen Verpackung eingeben zu können, folgt einfach dem Link (Startseite) und scrollt ganz nach unten.

Titelbild: © ManEtli

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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