Gebloggt Tamaras Erziehungs-Blog

Loslassen ist (k)eine Kunst

Geschrieben von Tamara Jungbauer

Tamara beschäftigt sich heute mit der schwierigen Aufgabe, Kinder loszulassen und dass selbst die Kleinsten langsam aber sicher lernen dürfen, wie es ist, ohne die direkte Hilfe der Eltern die Welt in kleinen Schritten eigenständig zu erkunden. Egal, ob der erste Tag im Kindergarten bevorsteht, zum ersten Mal alleine den Trinkbecher zu halten oder die Leiter zu erklimmen – das alles kann schon mal ziemlich nervenaufreibend sein. Für die Großen allerdings meist mehr, als für die Kleinen… 😉


 

Wir Eltern wissen, dass unsere Kinder früher oder später selbstständig, also von uns unabhängig, werden. Dass diese Selbstständigkeit jedoch nicht erst im Jugendalter erblüht, sondern von Beginn an in kleinen Schritten mitwächst, vergessen wir vielleicht manchmal.

Spätestens ab einem Alter von eineinhalb bis zwei Jahren werden wir aber in jedem Fall daran erinnert. Dann nämlich, wenn das Kind mobil geworden ist und sich langsam als eigenständiges Wesen erlebt, will es die Welt entdecken. Es möchte dies immer und aus eigenem Antrieb heraus tun, es will Zusammenhänge verstehen lernen, sich die Umwelt begreiflich machen. Damit dies möglich ist, muss es eigene Erfahrungen machen. Erfahrungen, die es sich selbst sucht.

Dies bringt uns Eltern natürlich immer wieder in heikle Situationen, in denen wir entscheiden müssen: lasse ich mein Kind tun oder schreite ich ein? Kinder brauchen uns Eltern auch in dieser Zeit dringend. Aber nicht, damit wir ihnen sagen, was sie als nächstes tun sollen oder sie von wichtigen Erfahrungen abhalten, weil wir zu bequem oder ängstlich sind, ihnen diese zuzugestehen. Was sie jetzt dringend brauchen ist ein Stückchen Freiheit.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Kinder tun und lassen können, wozu sie Lust haben. Wir sind da, um bei echter Gefahr einzuschreiten, da Einhalt zu gebieten, wo das kindliche Verhalten an seine Grenzen stößt, zu unterstützen, wenn sie unsere Hand benötigen, um ihren nächsten Schritt zu tun.

Wenn ich mit meinen Kindern auf dem Spielplatz bin, merke ich manchmal, dass ich selbst ein wenig ins Schwanken gerate. Soll ich eingreifen oder mich zurückhalten? Wenn mein kleinster Mann eigenständig eine Leiter hoch klettert, die für ihn zwar eine Herausforderung bedeutet, ihn aber nicht überfordert, so halte ich mich zurück. Lasse ihn machen. Er kommt dann auf der anderen Seite die Rutsche runter mit stolzem Gesichtsausdruck und voller Freude. Ich habe auch schon das eine oder andere Mal skeptische Blicke anderer Eltern geerntet, die vielleicht dachten, ich sollte meinem Kind helfen. Doch ich weiß in der Regel, was ich meinen Kindern zutrauen und wo ich ihnen vertrauensvoll die Möglichkeit geben kann, selbst zu tun.

Echte Gefahr besteht nicht darin, sich vielleicht die Knie aufzuschürfen oder blaue Flecken zu bekommen. Diese sind harmlos und gehören zu einer glücklichen Kindheit dazu. Denn sie sind ein Symbol dafür, dass das Kind mit Stolz sagen kann: “Ich habe es selbst getan.”

Titelbild: © Ingo Bartussek – Fotolia.com

Über den Autor

Tamara Jungbauer

Ich bin Mutter zweier Söhne, lebe in Wien und habe Erziehungswissenschaften studiert. Mit meinem Erziehungsblog "www.erziehungskiste.net", biete ich neben Infos rund um das Thema Kinder und Familie auch eine kostenlose E-Mail Beratung an. Meine Beiträge beinhalten Tipps und nützliche Informationen für Eltern und andere Interessierte und ich freue mich, nun auch den ma-gazin-Lesern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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