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Lieber Schnuller, es war schön mit dir!

Schnuller
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Bestimmte Reflexe sind uns angeboren. Neben dem Greif- und Schluckreflex, entwickelt sich auch der Saugreflex schon im Mutterleib. Auf einigen Ultraschallbildern kann teilweise beobachtet werden, dass Babies bereits vor der Geburt am Daumen nuckeln. Nach der Geburt dient der Saugreflex der Nahrungsbeschaffung, sprich der Bearbeitung von Mamas Brust und für die Zwischenzeit und die Zeit nach dem Stillen, gibt es, neben dem Daumen, noch ein ganz besonders beliebtes und gleichzeitig gehasstes Nuckel-Utensil – den Schnuller. Doch ob nun geliebt oder geächtet, irgendwann sollte die Schnuller-Zeit ein Ende haben. Wie aber läutet man so sanft wie möglich das Ende einer so wichtigen Ära ein?


Über 60 Jahre Erfolgsgeschichte hat der „natürliche und kiefergerechte Beruhigungssauger und Kieferformer“, so sein anfänglicher und etwas sperriger Name, bereits hinter sich gebracht. Heute heißt er kurz und passend Schnuller und hat schon viele Babies beruhigt, erfreut und vom Weinen abgehalten. Und ebenso viele Eltern hat er in den Wahnsinn getrieben, denn den kleinen Nuckler irgendwann und endgültig von seinem „Beruhigungsmittel“ zu trennen, gestaltet sich oft schwieriger als die Hufpediküre bei einem bockigen Lama (das durfte ich mal beobachten, und ich stelle es mir trotzdem weniger kompliziert vor). Aber irgendwann muss es sein, sonst wird euer Schatz der Sonderling der ersten Klasse.

Ob man den Plastik-Gummi-Pfropfen für die Schnute nun liebt oder verteufelt, seine beruhigende Wirkung kann man ihm nicht absprechen. Nuckeln, ob nun am Daumen oder am Schnuller, entspannt. Besonders in Momenten, in denen das Baby aufgeregt ist, kann man ein schnelleres Saugen beobachten. Hierdurch kann es überschüssige Energie besser abbauen und beruhigt sich schnell wieder. Das garantiert wichtige Verschnaufpausen für Mutter, Vater und Kind. Zudem hat eine amerikanische Studie belegt, dass das Schlafen mit Schnuller das Risiko eines plötzlichen Kindstodes vermindern soll. Zu den negativen Auswirkung des ausgiebigen Schnullerns existieren so viele und unterschiedliche Studien und Meinungen wie Sand am Meer. Und genauso viele Fragen geistern durch die Köpfe unsicherer Eltern: Wird mein Kind von anderen Kindern gehänselt, wenn ich es zu lange nuckeln lasse? Drohen Kiefer- und/oder Zahnfehlbildungen?

Trotz aller positiven Aspekte sollte der Schnuller vor dem dritten, am besten aber schon vor dem zweiten Geburtstag der Vergangenheit angehören. Das zumindest ist die Meinung von Kieferorthopäden und Kinderpsychologen. Und auch Logopäden raten von zu langer Schnullerei ab, da das Risiko hinsichtlich Sprachstörungen, die sich durch Aussprachefehler und Zungenfehlstellungen äußern, mit fortlaufender Benutzung steigt. Doch wie verabschiedet man sich denn nun am effektivsten und sensibelsten von dem geliebt-gehassten Gemüts-Beruhiger? Am besten funktioniert der Abschied vom Schnuller schrittweise. Je älter Kinder werden, desto mehr können sie abwägen, ob sie den Schnuller wirklich brauchen. Zudem könnt ihr an ihre Vernunft appellieren. Wenn ihr euren Schatz z.B. nicht versteht, wenn er seinen Schnuller im Mund hat, bittet ihn das Ding herauszunehmen. Oftmals vergessen Kinder den Schnuller danach wieder in den Mund zu stecken.

Ein unbenutzter, herumliegender Schnuller wird schnell zur Bekämpfung von Langeweile benutzt und nicht, weil er wirklich noch gebraucht wird. An einem besonderen Ort, in einer Art „Schatzkiste“ wäre er also besser aufgehoben und gerät vielleicht schneller in Vergessenheit, wenn er nicht die ganze Zeit in Sicht- und Greifweite ist. Wer den Abschied offizieller und zeremonieller gestalten möchte, könnte die Schnullerfee zum Leben erwecken, die alle Schnuller sammelt und gegen Geschenke eintauscht. Zu diesem Zweck werden alle Schnuller in einem Päckchen verpackt und „weggeschickt“. Am nächsten Tag sollte dann ein tolles, kleines Geschenk in einem Paket zurückkommen. Wichtig ist, dass ihr euer Kind nicht für dumm verkauft. Wenn es schlau ist, wird es das Geschenk einfach abgreifen und danach wieder nach seinem Schnuller schreien. Macht ihm klar, dass es einen Tauschhandel eingegangen ist, an den es sich jetzt auch halten muss. Wenn ihr keine Lust auf spätere Weihnachtsmann-Osterhasen-Schnullerfee-Traumata habt, dann lasst den Mythos einfach weg und verhandelt mit eurem Kind direkt.

Etwas aufwendiger ist der Akt der Abschiedszeremonie. Bei dieser Art der Entwöhnung sollten nicht nur sämtliche Familienmitglieder anwesend sein. Auch euer Kind ist hier aktiv an der Beendigung der Schnuller-Beziehung beteiligt und kann so den Verlust besser einordnen und verschmerzen. Das Ritual sollte außerdem nicht nur rechtzeitig angekündigt werden, euer Kind sollte auch genau wissen, was an diesem Tag geschieht. Die Einzelheiten des Festes könnt ihr selbst bestimmen, lasst eurer Kreativität freien Lauf. Ihr könntet einen Festzug durch den Garten machen, an dessen Ende das Kind den Schnuller eigenständig ins Loch werfen sollte. Vielleicht hält noch jemand eine kleine Rede, vielleicht verabschiedet sich der oder die „Betroffene“ noch persönlich mit ein paar Worten? Schön wäre auf jeden Fall ein kleines Geschenk für euren Trauerkloß, um über den ersten Schmerz hinweg zu trösten.

Auch die „Großer Junge-großes Mädchen“-Nummer verfehlt ihre Wirkung nicht, wenn ihr sie klug einsetzt. Der „Du bist doch schon so groß“-Spruch sollte nicht zum Überreden benutzt werden, denn das kann eher zu Trotzreaktionen führen. Besser ist einen Schnuller freien Moment mit lieben und schmeichelnden Lobeshymnen zu füllen und dem kleinen Engel deutlich zu machen, wie sehr man sich darüber freut, dass er schon so „groß“ ist. Erzählen Sie Ihrem Kind, wie toll es sei, dass so ein großer Junge oder großes Mädchen seinen Schnuller nur noch wenig brauche.

Einen ständigen Wegbegleiter kann man nicht von heute auf morgen verschwinden lassen. Bei der Schnuller-Entwöhnung ist Behutsamkeit, aber auch ein konsequentes Verhalten von euch gefragt. Die Schnuller-Zeit sollte langsam reduziert werden und auch wenn es nicht sofort klappt, sollte man gelassen bleiben. Aufregung ist kontraproduktiv und vor allem unnötig, denn bisher hat sich noch jedes noch so nuckelfreudige Kind irgendwann von seinem Schnuller getrennt.

Titelbild: ©panthermedia.net TONO BALAGUER

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3 Kommentare

  • Hallo Teresa, danke für die Tipps im Artikel!

    Ich wollte noch dazu beitragen, dass es ja auch Bücher zu dem Thema gibt.

    Ich kann z.B. “Klaus Schnullermaus” empfehlen. Das hat meinen Sohn (3 Jahre) sehr angesprochen. Klaus, die Maus lässt einen Schnuller nach dem anderen verschwinden. Der letzte wird gegen ein Geschenk getauscht. So ist es ein “sanftes” Abgewöhnen.

    Liebe Grüße. Nadine

  • Toll, anstatt die Kinder sein zu lassen wie sie sind zwingt ihr sie etwas zu machen was sie nicht wollen, nur weil ihr meint euch der Gesellschaft anpassen zu müssen. Ich hatte bis zu meinem 5ten Lebensjahr einen Schnuller und keinerlei Probleme mit den Zähnen und dem Kiefer.
    Auch schön “oralfixierte Nerds”, alles was nicht in die eigene Schublade passt verdammen oder wie? Wenn jemand so eine Neigung hat, dann lasst denjenigen die doch ausleben. Das hat nichts damit zu tun wie lange jemand geschnullert hat, sondern diese Neigung ist angeboren.

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