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Lachgas: Alternative zur PDA?

Lachgas
Saskia
Geschrieben von Saskia

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Die Periduralanästhesie (PDA) ist die wirksamste Möglichkeit, Geburtsschmerzen zu vermeiden. Setzen die Wehen allerdings früher ein als geplant oder wünscht ihr zum Beispiel, während der Geburt den Ort zu wechseln, ist die PDA meist keine Option. Auch das sogenannte HypnoBirthing ist euch zu unsicher? Dann könnt ihr möglicherweise auf Lachgas zurückgreifen. Dieses ist übrigens kein “neumodischer Kram”, sondern wurde bis in die 70er Jahre regelmäßig während der Geburt angewandt, um die Schmerzen erträglicher zu machen.


Sicher fragt ihr euch jetzt, wieso Lachgas über Jahrzehnte in den Kreißsälen beziehungsweise als Sedierungsmittel so wenig Anklang fand. Das lag unter anderem daran, dass es sich in der Vergangenheit auch als Partydroge einen Namen gemacht hat.

Wie wirkt Lachgas?

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird Lachgas (N2O) als kurzzeitiges Narkosemittel verwendet. In den USA, Großbritannien, Kanada und in skandinavischen Ländern gehört die Anwendung bereits zum Standardangebot vieler Krankenhäuser. Heute wird es vor allem bei Angstpatienten als Sedierungsmittel angewandt. Lachgas ersetzt kein Schmerzmittel. Allerdings kann es den Schmerz dämpfen und wirkt entspannend. Es ist nicht giftig, die Wirkung tritt schnell ein und dauert nur so lange, wie es von euch eingeatmet wird. Nehmt ihr die Atemmaske wieder ab, verlässt das Gas den Körper bereits wieder nach wenigen Atemzügen.

Ablauf und Wirkung während der Geburt

Wünscht ihr euch also eine möglichst natürliche Geburt oder wollt ihr euch nicht auf einen invasiven Eingriff wie den der PDA verlassen, weil die Wehen früher als geplant eintreten können, klärt mit eurem Wunschkrankenhaus ab, ob sie die Lachgasmethode anbieten.

Das leicht süßlich riechende Gas besteht bei gebärenden Frauen aus einer 50 zu 50 Mischung aus N2O und Sauerstoff. Dieses Mischverhältnis sorgt dafür, dass ihr nicht zu viel Lachgas einatmen könnt. In der Regel bieten Krankenhäuser die Mischung über mobile Vorrichtungen in Druckflaschen an. Wenn ihr das Gefühl habt, die Schmerzen nicht mehr auszuhalten, könnt ihr euch selbstständig die Maske vor euren Mund und eure Nase halten. Das Gas wirkt ungefähr 30 Sekunden nach dem Einatmen. Lassen die Schmerzen wieder nach, könnt ihr die Maske wieder abnehmen. Die Wirkung ist nach zwei bis drei Atemzügen wieder verflogen. Daher müsst ihr euch auch nicht auf einen Geburtsort, wie etwa das Bett, festlegen. Ihr seid selbst mit der Atemmaske bei vollem Bewusstsein und könnt schnell wieder aufstehen oder herumlaufen. Zudem hilft euch das bewusste Ein- und Ausatmen auch dabei, euch nur auf euch und das Wegatmen der Geburtswehen konzentrieren zu können.

Lachgas führt nicht zum Lachanfall

Zugegeben, der Name ist ein wenig irreführend und schreckt vielleicht etwas ab. Allerdings müsst ihr nicht befürchten, dass euch durch einen Lachanfall plötzlich die Kräfte fehlen, um euer Baby auf die Welt zu bringen. Lachgas wirkt eher entspannend und ihr nehmt alles ein wenig “berauscht” war. Ein weiterer Vorteil: N2O wirkt Angst lösend. Allein der Gedanke daran, dass ihr euch vor der Geburt bereits für die Methode entscheidet, kann euch also dabei helfen, der Geburt entspannter und angstfreier zu begegnen.

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) heißt es:

Die Apgar-Werte und neurophysiologischen Testergebnisse von Kindern, deren Mütter Lachgas unter der Geburt benutzt haben, unterscheiden sich nicht signifikant von denen, die keine Lachgas-Exposition hatten.

 

Weiter heißt es:

Die Anwendung von Lachgas unter der Geburt vor oder anstatt einer Periduralanästhesie bedarf angesichts seines bislang nicht hinreichend belegten analgetischen Nutzens sowie des bestehenden Nebenwirkungspotentials einer sehr kritischen Nutzen-Risikoabwägung. Der Einsatz darf nur bei Einhaltung der entsprechenden Rahmenbedingungen (s. Stellungnahme oben) erfolgen. Es kann derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas das Potential hat, Mutter, Neugeborenes und Personal schädigen zu können. Dieses wird von den Fachgesellschaften als aufklärungspflichtig angesehen.

 

Mögliche Nebenwirkungen: Benommenheit, ein euphorischer beziehungsweise berauschter Zustand, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn ihr zum Beispiel eine Herzerkrankung, einen Vitamin B12- oder einen Folsäuremangel habt. Dann müsst ihr mit euren behandelnden Ärzten und eurer Hebamme entscheiden, ob die Einatmung des Lachgases zu größeren Risiken und Nebenwirkungen führen kann.

 

Video: YouTube

Titelbild: © Tomsickova

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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