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Künstliche Befruchtung: Erfolgschancen und Risiken

künstliche Befruchtung
Saskia
Geschrieben von Saskia

Nikotin ist euer größter Feind!

Euer Wunsch nach einem leiblichen Kind ist unermesslich groß und mit einer Schwangerschaft über den natürlichen Weg klappt es einfach nicht? Dann wird euch euer Frauenarzt sicherlich bereits über die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung aufgeklärt haben. Ihr wisst bereits, wann der richtige Zeitpunkt für die Behandlung in einem Kinderwunschzentrum ist und habt eine Einrichtung gefunden, in der ihr euch gut aufgehoben fühlt? Dann muss es jetzt “nur” noch mit der Schwangerschaft klappen. Doch wie hoch sind eigentlich die Erfolgschancen und welche Risiken bestehen? Wir haben Prof. Dr. Kupka vom Hamburger Kinderwunschzentrum Altonaer Strasse dazu befragt.


Wie die sogenannte In-Vitro-Fertilisation von statten geht, haben wir euch in diesem Beitrag erläutert. Allerdings solltet ihr genauso über mögliche Risiken und eine durchschnittliche Erfolgsquote aufgeklärt sein. Letzteres ist natürlich immer noch kein Garant dafür, dass ihr bald Eltern eines leiblichen Kindes werdet. Allerdings sollten euch die Zahlen dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen und ehrlich zu euch selbst zu sein. Denn auch der beste Arzt kann euch nicht versprechen, dass es mit der lang ersehnten Schwangerschaft klappt.
Prof. Dr. Kupka vom Hamburger Kinderwunschzentrum Altonaer Strasse ist mit den Sehnsüchten und Ängsten von Paaren mit Kinderwunsch vertraut. Seine Aufgabe ist es auch, über die Möglichkeit eines ‘Nicht-Erfolges’ aufzuklären und zu entscheiden, wann das gesundheitliche Risiko zu groß ist.

Redaktion: In wie vielen Fällen sind Sie mit einer künstlichen Befruchtung erfolgreich?

Prof. Dr. Kupka: Dies ist sehr vom Alter der Patientin und den Faktoren abhängig, die zum unerfüllten Kinderwunsch führen.
Wird beispielsweise eine künstliche Befruchtung bei verschlossenen Eileitern bei einer Frau von 33 Jahren durchgeführt, liegt die Schwangerschaftsrate deutlich über 40%. Wird die Behandlung bei einer 43-jährigen Patientin durchgeführt, sinkt die Rate auf ca. 15 Prozent.

Redaktion: Wie häufig kommt es nach einer erfolgreichen Behandlung zu einer Fehlgeburt?

Prof. Dr. Kupka: Auch hier gibt es eine klare Abhängigkeit zum Alter der Patientin – oder genauer gesagt – zum Alter der Eizelle.
Bei einer Frau von 33 Jahren liegt die Fehlgeburtenrate bei der IVF-Behandlung bei 10-12%. Wird die Behandlung bei einer 43-jährigen Patientin durchgeführt steigt diese Rate auf bis zu 35 Prozent.

Redaktion: Wann ist das Risiko einer künstlichen Befruchtung zu groß?

Prof. Dr. Kupka: Generell ist die Frage zu klären, ob eine Schwangerschaft bei einer Patientin verantwortbar ist. Liegt beispielsweise eine schwere Herz- oder Lungenerkrankung vor, kann hier die Rückfrage bei den betreuenden Fachkollegen dazu führen, dass prinzipiell von einer Schwangerschaft abgeraten wird. Das ist zum Glück selten. Für die eigentliche künstliche Befruchtung gibt es nur wenige Risiken, die die Behandlung per se unmöglich macht. Das habe ich nur ganz selten erlebt. Man kann beispielsweise auch ohne eine Hormontherapie eine künstliche Befruchtung durchführen. Dies ist aber mit einer deutlich reduzierten Erfolgsaussicht verbunden.

Redaktion: Wie oft kann der Versuch einer künstlichen Befruchtung wiederholt werden und ab wann lehnen Sie eine weitere Behandlung ab?

Prof. Dr. Kupka: Dies ist eine komplizierte Frage. In den meisten Fällen reglementieren hier die Kostenträger die Behandlungshäufigkeit auf 3 oder 4 Behandlungen. Es ist aber medizinisch oft möglich auch weitere Behandlungszyklen durchzuführen, wenn die Grundbedingungen wie Eizell-Anzahl, Befruchtungsrate der Eizellen und Gebärmutter-Eigenschaften dies zulassen.

Redaktion: Verlieren Paare mit Kinderwunsch ihre eigene Gesundheit aus den Augen?

Prof. Dr. Kupka: Meine Beobachtung ist genau gegenteilig. Wenn beispielsweise Übergewicht eine Rolle spielt (Mann und Frau), dann ist die Situation des bestehenden Kinderwunsches oft hilfreich hier Änderungen herbeizuführen. Es besteht ein „übergeordnetes“ Ziel, das hilft auch Dinge wie Nikotin-Konsum oder gesundes Leben im Allgemeinen ernster zu nehmen.

Redaktion: Angenommen, mehrere Versuche sind missglückt. Gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten?

Prof. Dr. Kupka: Dies hängt sehr von den individuellen Umständen ab. In einigen Fällen kann beispielsweise die in Deutschland mögliche Embryonenspende angesprochen werden. Die meisten Paare haben ein natürliches Gespür dafür, wie viel Behandlung sie akzeptieren und „aushalten“, denn jede Form der Kinderwunsch-Therapie birgt Stress und wirft Fragen auf wie: Warum ist das bei uns so und nicht bei den vielen anderen Bekannten….
Hier ist häufig auch eine psychologische Betreuung hilfreich.

Wir bedanken uns bei Herrn Prof. Dr. Kupka für das ausführliche Gespräch!

Und wer trägt die Kosten?

Neben dem vorgeschriebenen Pflichtanteil von 50 Prozent (wird direkt über eure Gesundheitskarte abgerechnet) übernimmt zum Beispiel die BIG direkt gesund seit dem 01.01.2015 einen weiteren Anteil von bis zu 600 Euro beziehungsweise jeweils 200 Euro für bis zu drei Behandlungen. Voraussetzung ist allerdings, dass beide Ehepartner bei der BIG versichert sind. Nach Vorlage der Originalrechnung werden euch die Kosten rückerstattet.

Infos zu den weiteren Voraussetzungen für die Kostenübernahme könnt ihr hier (ganz am Ende) nachlesen.

Titelbild: © mmphoto

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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