Gebloggt Tamaras Erziehungs-Blog

„Ist doch nicht so schlimm…“ – Wenn Kinder weinen

Geschrieben von Tamara Jungbauer

Nehmt das Weinen eurer Kinder ernst.

Das Weinen eines Babys oder Kindes zu deuten, ist gar nicht so einfach und schnell rutscht einem gerade bei älteren Kindern der Satz heraus: “Da brauchst du doch nicht weinen!” Tamara erklärt euch, wieso diese Art von Spruch für euren Sprössling nicht wirklich hilfreich ist. 


Kinder weinen aus den unterschiedlichsten Gründen. Säuglinge weinen, weil es ihre einzige Möglichkeit ist, um für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu sorgen. Die meisten Eltern reagieren darauf entsprechend und völlig selbstverständlich. Bei etwas älteren Kindern allerdings sind wir uns manchmal unsicher, wie wir am besten reagieren sollen.

Es gibt viele Arten des Weinens, die wir Eltern in der Regel relativ gut unterscheiden können. Stürzt unser Kind auf dem Gehsteig, so hören wir an seinem Weinen bereits heraus, dass es gerade Schmerz empfindet. Ist es traurig, so wird es auf eine andere Art weinen, als wenn es wütend ist. Möchte unser kleiner Schatz einfach nur unsere Aufmerksamkeit erregen, so wird sich sein Weinen vielleicht mehr nach Quengeln und Jammern anhören.

Was auch immer der Grund des Weinens sein mag, unser Kind sendet uns damit ein Signal: es braucht uns.
Wenn es sich verletzt hat, benötigt es unseren Trost (und die entsprechende medizinische Versorgung). Ist es traurig, will es von uns gehalten werden. Ist das Kind wütend, so braucht es unsere Nähe und unser Verständnis, damit es seine Wut in geeigneter Form abbauen kann.

Die beste Art und Weise, auf kindliches Weinen zu reagieren, ist, das Kind ernst zu nehmen in seinem Befinden. Nicht wir Erwachsenen beurteilen, ob es gerade angebracht ist, zu weinen oder ob es aus unserer Sicht keinen Grund dafür gibt. Sätze wie „Ist doch nicht so schlimm!“ oder „Da brauchst du doch nicht weinen!“ vermitteln dem Kind aber das genaue Gegenteil.

Stattdessen ist es wichtig, dass wir uns dem Kind nähern, ihm beistehen und seine Gefühle widerspiegeln. „Ich kann gut verstehen, dass du jetzt traurig bist“, „Ich sehe, du ärgerst dich“ oder einfach nur in den Arm nehmen und festhalten, um das Kind spüren zu lassen “ich bin bei dir”, sind angemessene Reaktionen.

Weinen hat immer auch den Effekt, innerliche Spannungen zu lösen. Speziell Kinder finden durch das Weinen eine Befreiung von solchen alltäglichen Spannungen, die sich oft im Inneren der kleinen Menschen als Frustrationen ansammeln und irgendwie wieder abgebaut werden müssen. Wenn ein Kind weint, so sollten wir ihm also immer die Möglichkeit geben, dies ungehindert tun zu dürfen.

Ich finde es nicht richtig, von „manipulativem“ Weinen zu sprechen, wenn ein Kind offensichtlich weint, um etwas zu bewirken. Diese „Manipulation“ ist eher als eine Art Hilferuf zu verstehen, mit dem das Kind uns sagen will, dass es uns braucht. Kindliches Weinen zu ignorieren oder abzuwerten kann also niemals die passende Antwort sein.

Titelbild: © Syda Productions – Fotolia.com

Über den Autor

Tamara Jungbauer

Ich bin Mutter zweier Söhne, lebe in Wien und habe Erziehungswissenschaften studiert. Mit meinem Erziehungsblog "www.erziehungskiste.net", biete ich neben Infos rund um das Thema Kinder und Familie auch eine kostenlose E-Mail Beratung an. Meine Beiträge beinhalten Tipps und nützliche Informationen für Eltern und andere Interessierte und ich freue mich, nun auch den ma-gazin-Lesern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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