Kolumne

Interview zum Thema Frühchen – Teil 2

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Heute bekommt ihr hier den zweiten Teil unseres Interviews mit Frau Eglin vom Bundesverband “Das frühgeborene Kind” e.V. zu lesen. Sie war so nett und hat uns die wichtigsten Fragen rund um Frühchen zu beantworten.

Mit welchen Problemen und eventuellen Schwächen (Lernschwäche z.B.) können Frühchen später zu kämpfen haben?

Die möglichen Probleme für ehemals zu früh geborene Kinder sind vielfältig. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass insbesondere ehemals besonders kleine Frühgeborene später vermehrt mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen haben. Das können neben Körperbehinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen auch Aufmerksamkeitsdefizit- und/oder Hyperaktivitätsstörungen sein. Bei bis zu 10 Prozent der sehr kleinen Frühgeborenen unter 26 SSW zeigen sich im Kindesalter zudem Anzeichen von Autismus. Auch Lernbehinderungen wie beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und/oder Rechenschwäche und psychische Störungen wie Depression, Angststörungen und andere Verhaltensauffälligkeiten kommen bei extrem Frühgeborenen sehr viel häufiger vor als unter Reifgeborenen.

 

Ab wann kann ein Frühchen das Krankenhaus verlassen und wie kann man sich und seine Familie auf die nächsten Wochen und Monate vorbereiten?

Die Frage nach dem Zeitpunkt der Entlassung ist eine der wichtigsten Fragen für Frühchen-Eltern. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit der Start in das gemeinsame Familienleben zu Hause beginnen kann?

Dieser Zeitpunkt wurde noch vor wenigen Jahren an das Erfüllen von bestimmten Kriterien, wie beispielsweise eine festgelegte Gewichtsgrenze, geknüpft. Bevor das Kind nicht 2.500 Gramm erreicht hatte, war an nach Hause gehen nicht zu denken. Das wird mittlerweile nicht mehr ganz so streng gehandhabt, denn das Geburtsgewicht allein ist kein Maßstab für den Allgemeinzustand des Kindes. Es ist vielmehr entscheidend,

  • dass das Kind seine Körpertemperatur stabil halten kann und keinen Inkubator/kein Wärmebettchen mehr braucht.
  • dass das Kind eigenständig und regelmäßig ohne Atempausen atmen kann (auch wenn es in Ausnahmefällen zu Hause noch zusätzlich Sauerstoff brauchen sollte).
  • dass eventuell noch zu verabreichende Medikamente vom Kind geschluckt werden können.
  • dass das Kind eigenständig und in ausreichenden Mengen trinken kann (in Ausnahmefällen werden Kinder anfangs auch mit Magensonde entlassen).
  • dass die Blutwerte nicht mehr täglich kontrolliert werden müssen.

Insbesondere ehemals sehr kleine Frühgeborene, die immer mal wieder kleine Atemaussetzer und Sättigungsabfälle haben (Apnoen, Bradycardien), werden oftmals sicherheitshalber für die nächsten Wochen und Monate mit einem transportablen Überwachungsmonitor nach Hause entlassen.

Das ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung, sondern eine reine Vorsichtsmaßnahme, die die Eltern vor allem nachts entlasten soll. Ein Baby erwartet keine perfekte Umgebung, sondern braucht jetzt vor allem die Nähe der Eltern, denn das vermittelt Sicherheit bei der Umstellung auf die neue, noch ungewohnte Umgebung zu Hause.

Sicher werden Verwandte, Freunde und Bekannte dem Baby in den kommenden Wochen und Monaten ein kleines Willkommensgeschenk machen wollen und sind froh, wenn es noch etwas gibt, womit sie den Eltern und ihrem Kind eine kleine Freude machen können.

Diese Dinge sollten zudem anfangs organisiert werden:

  • Vorräte besorgen, damit in den erstem Tagen zu Hause neben der Sorge um das Baby nicht auch noch zusätzliche Aufgaben wie das Einkaufen erledigt werden müssen.
  • Freunde oder Angehörige um Unterstützung im Alltag bitten (beispielweise Geschwisterkinder betreuen, kochen, mit dem Hund spazieren gehen).
  • Den Schlafplatz (Babybettchen/Stubenwagen/Wiege) frisch beziehen. Auf Kissen und Decke sollte anfangs besser verzichtet werden.
  • Wenn das Kind nicht voll gestillt wird, dann müssen Flaschen und Sauger besorgt und sterilisiert werden. Bezüglich der passenden Saugerlochgröße kann das Pflegeteam auf Station sicher beratend weiterhelfen. Das gilt auch für die passende Windelgröße.
  • Wichtige Termine, Telefonnummern und Adressen sollten an gut sichtbarer Stelle platziert werden (Pinnwand, Memoboard, Kühlschrank), damit sie schnell zur Hand sind und nichts vergessen wird.
  • Eventuell kann Muttermilch auf Vorrat eingefroren werden.
  • Eine Baby-Hausapotheke für erste Hilfsmaßnahmen sollte am besten auch gleich anfangs besorgt werden. Hier kann der niedergelassene Kinderarzt weiterhelfen. Wenn das Kind regelmäßig oder in bestimmten Notfällen Medikamente nehmen muss, sollte auch davon immer ein ausreichender Vorrat im Haus sein.
  • Vielleicht noch einmal als Paar gemeinsam Essen oder ins Kino gehen, denn mit der ruhigen Zweisamkeit wird es dann erst einmal für eine Weile vorbei sein.
  • Es empfiehlt sich, im Vorfeld auch eine gewisse Arbeitsteilung zu besprechen, denn das Kind profitiert von der Fürsorge von Mama und Papa. Daher ist es wichtig, wenn sich beide Elternteile kümmern und erspart viel unnötigen Stress, wenn jeder weiß, wann er was zu machen hat.
  • Ältere Geschwisterkinder sollten einfühlsam auf die baldige Ankunft des neuen Familienmitgliedes zu Hause vorbereitet werden. Gerade Vorschulkinder sind oft noch nicht in der Lage, die Geschehnisse zu verstehen, und fühlen sich aufgrund dessen schnell benachteiligt. Am besten überträgt man ihnen eine kleine, aber wichtige Aufgabe (beispielsweise das Malen eines Begrüßungsbildes, Dekorieren des Kinderzimmers). Damit fühlen sich die „Großen“ gebraucht und wichtig, wenn sie aktiv etwas zur Begrüßung des Bruders oder der Schwester beitragen können. Auch ein kleines Geschenk für das erste Kind am großen Tag der Ankunft des neuen Geschwisterchens kann dazu beitragen, dass die „Großen“ sich ausreichend wahrgenommen fühlen.

 

Falls ihr nun noch mehr Informationen lesen oder euch mit den Helfern in Verbindung setzen möchtet, dann könnt ihr das über die Seite des Bundesverbands “Das frühgeborene Kind” e.V.  machen.

 

Titelbild: © Marla – Fotolia.com

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