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„Ich will keine Medaille gewinnen!“

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Meine beste Freundin Jana. In einem Jahr den Mann ihrer Träume kennengelernt und im nächsten Jahr sofort geheiratet. Und jetzt steht Spencer, so sein Arbeitstitel, denn der richtige Name wird natürlich noch nicht verraten, in den Startlöchern. Lange kann es nicht mehr dauern, vielleicht nur noch wenige Stunden, bis Janas und Robins erstes Kind das Licht der Welt erblickt. Eine aufregende und aufreibende Zeit liegt hinter ihnen…und vor ihnen. Vor ein paar Tagen wollte ich noch einmal genau wissen, was meiner Liebsten so durch den Kopf geht, so kurz vor der Geburt. Und meine erste Frage lautet natürlich…

Teresa: Jani, mein Herz, wie geht es dir?

Jana: Langsam bekomme ich Schiss. Aber es könnte trotzdem bald losgehen, denn ich kann nicht mehr vernünftig schlafen und gehen. Ich gebe mir ja schon Mühe, dass es nicht aussieht wie bei Oma Duck.

Teresa: Fühlst du dich kurz vorm Bersten? Fühlt sich das wirklich so an?

Jana: Ja und Ja. Und ich bekomme auch nicht mehr so gut Luft. Es drückt überall, vor allem unter der Brust. So richtig grade am Tisch sitzen, kann ich auch nicht mehr. Und selbst die Umstandshosen drücken mittlerweile ganz schön. Nur meine Latzhose nicht.

T: Die wunderbare Latzhose!

J: Ja, sie ist wirklich ein Segen!

T: Kam dir die Zeit der Schwangerschaft eigentlich extrem lang vor oder vergingen die neun Monate wie im Flug?

J: Sie vergingen wie im Flug, aber rückblickend erscheinen sie mir ewig. Aber wahrscheinlich auch, weil bei mir zusätzlich im Leben einfach noch so viel passiert ist.

T: Du stehst ja jetzt noch vor der Geburt, aber von der Schwangerschaft her, würdest die Zeit noch einmal auf dich nehmen?

J: Ja auf jeden Fall. Ich hatte ja Glück und es sind jetzt erst die letzten 1 bis 2 Wochen, die mir schwerfallen. Es ist so komisch, dass du eben keine Kontrolle mehr wirklich über deinen Körper hast. Das heißt, du möchtest zwar ganz viel, aber einiges geht einfach nicht mehr. Vorgestern hatte ich z.B. so einen Scheiß-Tag. Ich hatte so furchtbare Laune, weil ich nichts machen konnte. Ich lag hier auf der Couch, hab mich arschmäßig gelangweilt, konnte aber nichts machen, weil ich so kaputt war.

Die Entscheidungen liegen nicht mehr bei dir, ob du dich aufraffst oder nicht. Du möchtest z.B. gerne etwas machen oder unternehmen, aber du merkst halt, dass wird heute nichts mehr. Heute ist z.B. auch wieder so ein Tag. Ich bin mit Kopfweh aufgestanden. Normalerweise würde ich mir eine Tablette reinziehen, dann wäre alles gut. Und es ist Samstagabend. Vielleicht würden wir beide heute Abend noch mal ins Weltruf gehen. Aber das schaffe ich jetzt nicht mehr. Ich bin heute die paar Meter zum Türken gegangen und wieder zurück und dann war echt…

T:…Schluss!

J: Und dann überlegst du dir jeden Tag: „Hm, geht’s jetzt etwa los“, weil es dir so in die Leiste schießt und du denkst: „Oh Gott, ist das eine Wehe? Weiß ich jetzt auch nicht.“ Da kriege ich immer einen Schreck. Du wirst irgendwie paranoid und bist die ganze Zeit in Hab-Acht-Position.

T: Und wie stellst du dir das vor, wenn es dann wirklich losgeht?

J: Es sollen klassische Wehen sein. Kein Blasensprung und dann die Wehen.

T: Was heißt Blasensprung? Also, ohne dass du ausläufst?

J: Genau. Du merkst nichts und stehst z.B. gerade bei Aldi an der Kasse oder sitzt im Restaurant und auf einmal geht’s los. Das möchte ich ungern. Ich möchte klassische Wehen haben, die Fruchtblase bleibt noch zu, auf die Uhr gucken und dann entscheiden, wenn sie alle 5 Minuten kommen, dass man losfährt. Mehr oder weniger nach Schema F, so dass man noch ein bisschen…zuhause sein kann.

Ich finde es so krass, dass man nicht weiß, wann es losgeht, dass er entscheidet. Er entscheidet alleine! Ob es Nacht ist, ob es Tag ist, ob ich alleine bin, ob ich in Gesellschaft bin, ob ich draußen bin, ob ich zuhause bin…

T: Wie wollt ihr das denn machen? Ich meine, es ist ja quasi fast unmöglich, dass Robin ab jetzt nicht mehr von deiner Seite weicht.

J: Nein, das geht nicht. Ich muss ihn anrufen. Und dann kommt er angeheizt. Er will ja bei der Geburt dabei sein. Das wollte er von Anfang an.

T: Und hast du dir auch schon überlegt, wie du dann niederkommen willst?

J: Naja, also ich habe mir dazu Gedanken gemacht und in die Wanne will ich auf keinen Fall. Aber ich kann es mir auch überhaupt noch nicht vorstellen. Ich glaube, man kriegt so ein bisschen im Hechelkurs ein Gefühl dafür. Da übst du ja Wehen und du übst Wehenpausen. Und da gibt es schon so ein paar Positionen, die ich direkt für mich ausschließen kann, z.B. wie ein Frosch auf dem Boden kauernd, in der Hocke, mit den Ellenbogen auf den Unterschenkeln.

T: Schwer vorstellbar. Und wo soll das Kind dann hin?

J: Die Hebamme hängt hinter dir und fängt das Kleine auf. Das ist ausgeschlossen, weil ich das irgendwie…entwürdigend finde für mich selbst. Dann gibt es noch den Gebärhocker. Den könnte ich mir vorstellen. Oder an der Wand stehend, festhalten und unten fängt die Hebamme das Kind auf. Das könnte ich mir auch vorstellen. Oder eben klassisch im Bett.

T: Oder den Vierfüßler.

J: Eigentlich möchte ich darüber jetzt auch noch gar nicht so genau nachdenken. Das ist irgendwie schon zu nah dran. Anfang der Woche werde ich mir noch ein Gebärshirt kaufen, weil ich noch mal mit der Hebamme gesprochen habe. Ich bin ja „unten herum“ ziemlich frei, und das ist man ja auch über Stunden. Und so eine Geburt dauert ja „nur“ so 15 Stunden im Schnitt. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich 15 Stunden lang mit einem kleinen Top rumrenne, das möchte ich nicht.

T: Und was zeichnet ein Gebärshirt als solches aus?

J: Ich möchte, dass es mir bis zu den Knien reicht im normalen Zustand und so auch noch der Hintern bedeckt ist, wenn ich mich vorne überbeuge.

T: 15 Stunden, mann!

J: Also, 8-12 Stunden dauert die Eröffnungsphase, bis der Muttermund sich auf 10 cm geweitet hat. Dann kommt eine Zwischenphase, die richtig schlimm sein soll und dann kommt die Pressphase, die dann recht zackig gehen soll. Der Endspurt sozusagen. Der Befreiungsschlag.

T: Dann ist das Baby in der richtigen Position und du musst nur mithelfen?

J: Dann ist es nicht mehr so schlimm. Wenn man erst einmal pressen darf, ist der Drops schon fast gelutscht

T: Vorher darf man nicht pressen?  Da muss man sich zurückhalten?

J: Ja, da muss man die Schmerzen „wegatmen“. Ich wusste das auch nicht, ich dachte man presst die ganze Zeit.

T: Ja, dachte ich auch. 8-12 Stunden also, in denen du Wehen hast, aber nicht pressen darfst?

J: Und dann ist da noch die Zwischenphase, in der er sich noch einmal so dreht, damit er mit dem kleinsten Durchmesser am Kopf durchgeflutscht, also mit der Stirn, und dann muss er sich erst einmal in die richtige Position reindrehen. Unangenehm!

T: Das kann man sich ja auch vorstellen, wenn du das Kind quasi schon zwischen den Beinen hast, du aber noch nicht pressen darfst. Hast du Angst vor den Schmerzen? Oder hast du eher Angst vor dieser langen Zeit?

J: Ja, eher vor der langen Zeit. Und ich habe auch total Schiss, dass ich Migräne bekommen könnte vor Anstrengung, dass ich dazu noch Spucken muss  – das sich das eben nicht nur auf den Unterleib bezieht, sondern dass es eine Komplett-Katastrophe wird und dass ich das so lange aushalten muss. Deshalb habe ich diese Woche auch noch mal im Krankenhaus gefragt, wie das mit einer PDA wäre. Denn ich will da keine Medaille gewinnen…

T:…als mutigste und stärkste Gebärende der Welt!

J: Nein, ich werde das ganz ehrlich abschätzen und mit mir selber ausmachen, ob ich es noch aushalten kann oder nicht. Und wenn ich der Meinung bin, dass ich nicht mehr kann, dann sollen sie mir alles geben…

(Die Fortsetzung des Interviews mit der bezaubernden, werdenden Mutter folgt im 2. Teil!)

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