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HypnoBirthing: Schnell und schmerzfrei gebären?

HypnoBirthing
Saskia
Geschrieben von Saskia

Kein gewöhnlicher Geburtsvorbereitungskurs!

So groß das Glück einer jeden frischgebackenen Mutter auch ist: Eine Entbindung ist meist sehr schmerzhaft! Besonders dann, wenn ihr euch bewusst für eine natürliche Geburt und gegen eine PDA entscheidet. Dann müsst ihr halt “einfach” die Zähne zusammenbeißen?! Oder ihr probiert das sogenannte HypnoBirthing! 


Wie es der Name schon erahnen lässt, spielt die Hypnose die Hauptrolle bei dieser besonders sanften Geburtsmethode. Selbst Kate Middleton soll mithilfe des Mentaltrainings nun schon zum dritten Mal ihr Kind schnell und fast schmerzfrei zur Welt gebracht haben. Deshalb konnte sie auch bereits rund zehn Stunden nach der Geburt das Krankenhaus wieder verlassen und ihren kleinen Prinzen der Welt präsentieren.

Vorteile von HypnoBirthing

Auch eine Studie der Uni Tübingen und des Westfälischen Instituts für Hypnose hat ergeben, dass die Geburt erstgebärender Frauen, die unter Hypnose entbunden haben, im Durchschnitt zwei Stunden kürzer war. Zudem lag die Anzahl der Frauen, die angegeben haben, dass sie unter “fürchterlich starken Schmerzen” gelitten haben, nur bei 50 Prozent. Bei einer Vergleichsgruppe, die ohne Hypnose entbunden hat, waren es 80 Prozent. Dass die Schmerzen weniger stark sind, liegt unter anderem daran, dass unter Hypnose der entspanntere Körper mehr Oxytocin (Hormon) produziert, das den Uterus stimuliert. Auch Dammrisse und medizinische Eingriffe sind durch das HypnoBirthing seltener.

Die Geburtsstunde des HypnoBirthings

1950 galt der Gynäkologe Grantley Dick-Read als Koryphäe auf dem Gebiet der natürlichen Geburt. Seine Theorie: Angst führt zu Verspannungen und deshalb zu einer schmerzhaften und langen Geburt. Genauer gesagt führe die Verspannung dazu, dass das Blut von der Gebärmutter weggeleitet wird, der Gebärmutterhals angespannt bleibt und sich dadurch nicht öffnet. Seine Theorie wurde unter anderem von der bekannten Hypnose-Therapeutin Marie F. Mongan in den 1980er Jahren aufgegriffen. Sie fasste Ihre hypnotischen Entspannungstechniken unter dem Begriff HypnoBirthing zusammen.

Hypnose selbst herbeiführen

Könnt ihr euch auch meist nicht mehr an die letzten Minuten vor dem Einschlafen erinnern? Ward ihr in einen Film oder ein Buch auch schon mal so vertieft, dass ihr gar nicht bemerkt habt, wenn euch jemand eine Frage gestellt hat? Genau in diesen Augenblicken habt ihr euch in einem ganz natürlichen, tranceähnlichen Zustand befunden. Und jetzt könnt ihr euch auch ungefähr vorstellen, wie ihr euer Bewusstsein während einer Geburt lenken könnt. Das Problem ist nur, dass ihr zuerst lernen müsst, diese Hypnose für die Geburt selbst herbeizuführen.

HypnoBirthing: So funktioniert’s!

Ganz wichtig ist während der Hypnose, dass die werdende Mutter nicht mit dem Begriff Schmerz konfrontiert wird. Und da selbst die Bezeichnung “Wehen” eher negativ besetzt ist, wird während der Hypnose stattdessen von Kontraktionen und Wellen gesprochen. Zu Beginn des Kurses werden Ängste, die zum Beispiel durch vorangegangene Geburten entstanden sind, besprochen und durch Übungen aufgelöst. Darauf steht dann die Tiefenentspannung im Fokus. Dafür gibt es zahlreiche Techniken. Hier ist es wichtig, dass ihr der Kursleitung sagt, wenn euch die Masse an Vorschlägen oder Übungen zu viel ist und ihr euch lieber direkt auf ein bis zwei Techniken fokussieren wollt. Dabei lernt ihr unter anderem, wie eine bewusste Bauchatmung funktioniert, es können Teile aus der Progressiven Muskelentspannung aufgegriffen werden und ihr könnt den werdenden Vater mit einbeziehen, der euch mit einer speziellen Berührungsmassage unterstützt.

Aufgabe des Partners: “Anker setzen”

Sofern der werdende Vater oder eine andere Person bei der Geburt dabei sein soll, sollte er oder sie ebenfalls an dem HypnoBirthing-Kurs teilnehmen. Dort lernt die Begleitperson, die werdende Mutter bei der Entspannung zu unterstützen. Das geschieht durch das sogenannte “Anker setzen” (kurze Berührungen), damit sich die werdende Mutter auf eine Traumreise begeben kann. Deshalb spielen auch Visualisierungstechniken eine große Rolle bei dem Mentaltraining. So könnt ihr euch das Kind und seinen Weg durch den Geburtskanal als eine Blume vorstellen, die sich öffnet. Zudem ist es wichtig, dass die Entbindung unter Hypnose regelmäßig geübt wird und ihr die Tiefenentspannung nicht als Kontrollverlust und auch nicht als Garant für eine vollkommen schmerzfreie Geburt anseht. Das HypnoBirthing dient “lediglich” dazu, einen Weg zu finden, euch positiv mit der Geburt auseinanderzusetzen und euren Körper während der Entbindung so gut wie eben möglich zu entspannen.

Die Kursgebühren belaufen sich auf rund 350 Euro. Erkundigt euch bei eurer Krankenkasse, ob sie möglicherweise einen Teil der Kosten übernimmt. Ihr wünscht euch nach einer sanften Geburt auch eine sanfte Abnabelung? Dann kommt vielleicht die Lotusgeburt für euch in Frage.

In diesem Video  bekommt ihr von der zertifizierten HypnoBirth-Kursleiterin Anne Bremer weitere Informationen.

Titelbild: © Katya Smolina

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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