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Freebirthing: Mütter, die alleine entbinden

alleine entbinden
Saskia
Geschrieben von Saskia

Intime Geburt mit Risiko.

Wenn die Geburtswehen einsetzen und keine Hausgeburt geplant ist, wird es Zeit, den Weg ins Kranken- oder Geburtshaus anzutreten. Dann geht meist alles sehr schnell. Ärzte und Hebammen versammeln sich, es folgen Anweisungen, das Einleiten der Geburt, Damm- und Kaiserschnitte, grelle Lichter, sterile Atmosphäre. Und Letzteres ist nicht nur auf den Ort, sondern häufig auch auf die involvierten Personen zurückzuführen. Denn nicht immer harmoniert es zwischen Ärzten, Hebammen und der werdenden Mutter. Die Masse an Interventionen und die dazugehörigen ernüchternden bis traumatischen Erfahrungen bewegen nun auch immer mehr Frauen in Deutschland dazu, dass sie ihr Baby alleine zur Welt bringen wollen. 


Im 21. Jahrhundert geht es werdenden Müttern in einer Industrienation wie Deutschland gut. Die medizinische Versorgung ist garantiert und für die Geburt werden alle notwendigen Vorkehrungen bereits Monate zuvor getroffen. Zwar sind uns Problematiken wie die der Hebammenknappheit und das Schließen der Geburtsstationen nicht fremd, aber grundlegend muss keine schwangere Frau die Strapazen und gesundheitlichen Risiken einer Geburt alleine bewältigen. Deshalb entscheiden sich auch rund 98 Prozent der Schwangeren für eine Geburt unter medizinischer Aufsicht. Wenn da nicht zusätzliche Ängste wären, wie etwa die Kontrolle über seinen eigenen Körper vollständig in die Hände der Ärzte und Geburtshelfer zu übergeben. Und überhaupt – Wer entscheidet eigentlich, dass man sein Baby nicht vollkommen allein und in intimster Atmosphäre gebären darf, sofern die Schwangerschaft unkompliziert verläuft?

Alleine entbinden statt Interventionen

Diese Gründe überzeugen nun auch in Deutschland immer mehr Frauen, alleine gebären zu wollen. Die einen bringen ihr Kind zu Hause auf die Welt, andere suchen sich einen Platz im Wald. Die Vorreiterin dieser deutschen ‘Welle’ ist Sarah Schmid. Die sechsfache Mutter und Ärztin entschied nach ihrer ersten Geburt vor zehn Jahren, dass ihr die Hausgeburt, die unter Aufsicht einer Hebamme stattfand, nicht selbstbestimmt genug war und ein vertrautes Verhältnis wollte sich zwischen ihr und der Geburtshelferin auch nicht entwickeln. Mit ihrem Blog Geburt in Eigenregie möchte sie keine Ideologie verbreiten, sondern andere Frauen dazu ermutigen, dem eigenen Körper und der inneren Stimme zu vertrauen und alleine zu gebären, sofern der Wunsch danach besteht und die Schwangerschaft ohne gesundheitliche Auffälligkeiten verläuft.

Auch Larissa Horlacher hat sich nach ihrer ersten Geburt dazu entschlossen, ihr zweites Kind im Golf von Thailand zur Welt zu bringen. Da sie selbst als Hebamme tätig ist, ist sie mit dem Ablauf und möglichen Komplikationen einer Geburt vertraut.

Dass man auch einen weniger risikoreichen Mittelweg einer Hausgeburt gehen kann, bei der die Hebamme eine eher untergeordnete Rolle spielt, zeigt die Geburt von Liliane Scherzinger.

Ein Restrisiko bleibt!

Die wachsende Anzahl positiver Berichte lassen natürlich darauf schließen, dass eine Alleingeburt eine schöne und selbstbestimmte Erfahrung sein kann. Dennoch bleibt bei jeder noch so unkomplizierten Schwangerschaft und selbst beim dritten oder vierten Kind ein Restrisiko bestehen. Die Nabelschnur, die sich um den Hals des Ungeborenen wickeln kann, plötzlicher Atemstillstand, ein zu hoher Blutverlust während der Geburt, oder auch ‘nur’ die Kräfte, die die werdende Mutter plötzlich verlassen, wenn sich die Geburt in die Länge zieht und die Schmerzen zu stark werden. Wollt ihr dieses Risiko dennoch auf euch nehmen, wird es nicht einfach sein, einen Arzt und/oder Hebamme eures Vertrauens zu finden, die euch dann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die meisten Mediziner ist es ein gesundheitsgefährdender Rückschritt. Zudem reicht es nicht aus, dass ihr das Wagnis einfach auf euch zukommen lasst. Ihr solltet in der Lage sein, den Geburtsablauf bereits vorher verstehen und nachvollziehen zu können. Nur dann ist euch bewusst, zu welchem Zeitpunkt ihr trotz eures Wunsches, euer Baby alleine zu gebären, medizinische Hilfe in Anspruch nehmen müsst. Für die Gesundheit eures Babys und eure eigene.

Titelbild: © Kati Finell

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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