Gesund

Fehlgeburt: Wie ihr als Paar die Trauer überwinden könnt

Fehlgeburt
Saskia
Geschrieben von Saskia

Gemeinsam zurück ins Leben.

Als Paar eine Schwangerschaft zu erleben und sich auf ein Baby zu freuen, ist ein großer und wundervoller Einschnitt in euer gemeinsames Leben. Ihr habt euch entschieden, eine Familie zu gründen und euch einer neuen und verantwortungsvollen Rolle zu widmen. Wie aber geht ihr damit um, wenn sich euer Wunsch nicht erfüllt, weil euer Baby noch in eurem Bauch oder kurz nach der Geburt verstirbt?


Aus welchen Gründen auch immer ihr eine Fehl- oder Totgeburt erlitten habt: Der Schmerz und die Trauer sind unendlich groß und niemand außer euch kann diese Situation nachempfinden, denn: Jeder Mensch verarbeitet den Verlust anders und benötigt unterschiedlich viel Zeit für seine Trauer. Als Paar müsst ihr dementsprechend gleich doppelten Schmerz verarbeiten. Gemeinsam, aber auch ganz allein für euch.

Abschied nehmen

Entscheidet ganz allein, inwiefern ihr in der Lage seid, euch von eurem Baby zu verabschieden. Vielen hilft es, wenn sie ihr Kind noch mal in den Arm nehmen, es in Ruhe anschauen und berühren können. Als Erinnerung könnt ihr zum Beispiel einen Abdruck der Hand oder das Füßchens machen. Auch euer Baby beerdigen zu lassen und eine kleine Trauerfeier können euch beim Abschied behilflich sein. Habt ihr bereits ältere Kinder, könnt ihr sie entsprechend ihres Alters in das Abschiednehmen mit einbeziehen.

Raum und Zeit

Meist geht es der Frau bereits wenige Tage oder Wochen nach der Fehl- oder Totgeburt aus medizinischer Sicht wieder gut. Die Seele dagegen benötigt sehr viel mehr Zeit, sich zu regenerieren. Das bedeutet, dass ihr euren Emotionen den Raum und die Zeit geben müsst, die sie benötigen, damit eure Psyche den Verlust verarbeiten kann. Je länger das Baby in euch heranwachsen durfte, umso intensiver wird wahrscheinlich auch eure Trauerphase sein. Sich zurück in den Alltag drängen zu lassen, nur weil Freunde oder Familie meinen, es sei das Beste für euch, ist der falsche Weg. Lasst euch also nicht von Sprüchen wie: “Ablenkung wird euch gut tun” oder ähnlichen Motivationsversuchen unter Druck setzen. Habt ihr nach mehreren Monaten immer noch das Gefühl, dass ihr euch nicht besser fühlt, scheut euch nicht davor, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Natürlich könnt ihr euch auch schon in den ersten Tagen einem Psychologen anvertrauen. Euer behandelnder Frauenarzt oder die Klinik sollte euch bei der Suche behilflich sein.

Paare trauern unterschiedlich

Redet als Paar ganz offen miteinander und steht dazu, wenn ihr euren Schmerz unterschiedlich verarbeitet. Bis zu einem gewissen Punkt könnt ihr euch gegenseitig eine große Stütze sein. Erwartet von euch beiden aber nicht, dass ihr euch in dieser Phase immer trösten und für einander da sein könnt. Das ist allerdings alles leichter gesagt, als getan. Als Frau erlebt ihr die Trauerphase meist intensiver. Schließlich ist eurem Baby niemand so nah gewesen wie ihr. Es ist in euch herangewachsen, ihr habt seine Bewegungen gespürt und damit ward ihr quasi unzertrennlich. Väter trauern zwar nicht weniger, aber meist anders als die Frau. In den ersten Tagen und Wochen sind sie vor allem damit beschäftigt, für ihre Partnerin da zu sein, sie zu trösten und tun alles dafür, dass sie aus medizinischer Sicht schnell wieder auf die Beine kommt. Das ist häufig der Grund, weshalb Männer ihren Schmerz verbergen und Angst haben, die Frau damit noch stärker zu belasten und nicht mehr der Fels in der Brandung sein zu können. Hinzu kommt, dass Männer häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit plagt und sie gerne noch mehr für ihre Partnerin tun würden.

Habt ihr das Gefühl, dass sich solch eine Situation bei euch einschleicht, versucht sie zu durchbrechen. Denn erstens muss ein Mann nicht immer die starke Schulter zum Anlehnen sein, zweitens schließt das eine das andere nicht unbedingt aus und drittens wird es die Beziehung eher belasten, wenn ihr (egal ob Mann oder Frau!) eure Trauer unterdrückt. Das kann schnell in gegenseitigen Schuldzuweisungen enden.

Gemeinsames Abschiedsritual

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr wieder als Paar dazu bereit seid, den ersten und schlimmsten Abschnitt der Trauer hinter euch zu lassen. Um dieser Phase Lebewohl zu sagen, könnt ihr euch ein gemeinsames Abschiedsritual überlegen. Schreibt zum Beispiel zusammen auf, wie ihr die letzten Monate gemeinsam verlebt und welche emotionalen Hürden ihr gemeistert habt, die ihr ab jetzt hinter euch lassen möchtet. Verpackt den Brief in einer Box und vergrabt sie in eurem Garten oder im Park oder befestigt euren Brief an einem Ballon und lasst ihn in die Luft steigen. Darauf überlegt ihr euch ein neues Ziel oder erfüllt euch einen Wunsch, den ihr euch als Paar schon seit langem gönnen wolltet. Das bedeutet keineswegs, dass ihr euren kleinen Schatz damit vergesst und keine Rückschläge mehr erlebt, sondern dass ihr wieder Schritt für Schritt positiver in eure gemeinsame Zukunft blickt.

Titelbild: ©  Jacob Lund

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

Hinterlasse ein Kommentar