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Familiengründung: Das denkt ein 29-jähriger Single übers Vatersein

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Saskia
Geschrieben von Saskia

Feste Rituale und ganz viel Humor!

Welche Gedanken gehen einem Single Ende 20 durch den Kopf, wenn das Bedürfnis eine eigene Familie zu gründen stetig wächst? Noch mehr Arbeit? Der Haupternährer der Familie zu sein? Auch! Und wie sieht es mit der Rollenverteilung und der Eifersucht dem eigenen Kind gegenüber aus?  


Lars ist 29, hat ein abgeschlossenes Studium, einen verantwortungsvollen Job und der Gedanke, in den nächsten Jahren eine Familie zu gründen, beschäftigt ihn immer häufiger. Wir haben ihm auf den Zahn gefühlt und wollten wissen, wie er sich das Vatersein vorstellt.

Redaktion: Du bist bereits zweifacher Onkel und auch in deinem Freundeskreis gibt es bereits Kinder. Inwiefern haben dich diese Erfahrungen bislang beeinflusst?

Lars: Meine bisherigen Erfahrungen machen es mir tendenziell schwerer, mich für eine eigene Familie zu entscheiden. Ich sehe, wieviel Zeit Kinder in Anspruch nehmen und wie wenig Zeit danach für die Eltern selbst bleibt. In manchen Zeiten scheint es nur noch darum zu gehen, den Alltag zu organisieren. Zeit für sich und die Partnerschaft bleibt da kaum. Ich möchte aber nach wie vor Kinder, sehe die ersten Lebensjahre aber jetzt weniger romantisch, sondern auch als eine Art Investition in die Zukunft. Viel was man in der Zeit mit kleinen Kindern an schönen Dingen verpasst, bekommt man später zurück, wenn sie größer sind. Schließlich bleibt man im Alter durch die Anregungen und Diskussionen mit ihnen länger jung.

Redaktion: Wann ist deiner Meinung nach der ideale Zeitpunkt, um eine Familie zu gründen?

Lars: Für mich wäre Mitte dreißig ein guter Zeitpunkt. In dem Alter plane ich beruflich und finanziell auf festen Beinen zu stehen und die wildesten Partys sind dann auch gefeiert. Ich spüre jetzt (29) schon, wie meine Bereitschaft jährlich größer wird, das ‘wilde’ Leben eines jungen Singles in der Großstadt mit all seinen Verlockungen hinter mir zu lassen.

Redaktion: Was wären wohl deine drei ersten Gedanken, wenn du jetzt Vater werden würdest?

Lars: Meine ersten drei Gedanken wären wohl große Freude, gefolgt von Angst vor großer Veränderung, bald ein komplett anderes Leben zu führen und von nun an sehr fest an meine Partnerin gebunden zu sein.

Redaktion: Angenommen du fühlst dich aufgrund der intensiven Bindung zwischen Mutter und Kind benachteiligt. Wie würdest du damit umgehen?

Lars: Vermutlich würde es mir schwer fallen einen mögliche „Benachteiligung“ offen anzusprechen. Ich käme mir wahrscheinlich ein bisschen albern vor, eine Art Eifersucht gegenüber dem eigenen gemeinsamen Kind zu äußern, selbst wenn solche Gefühle da sein sollten. Ich würde vermutlich eher versuchen, das Alltagsleben mit meiner Partnerin so zu gestalten, dass man regelmäßig bewusst Zeit zu zweit miteinander verbringt.

Redaktion: Welche ‘Rollenverteilung’ in puncto Elternzeit würde deinen Vorstellungen am ehesten entsprechen?

Lars: Ich würde da gar kein Modell im Vorwege ausschließen. Ich könnte mir auch vorstellen, länger zu Hause zu bleiben. Ich habe aber schon den Anspruch, überhaupt in der Lage zu sein, eine Familie alleine versorgen zu können, wenn meine Partnerin das wünschen würde. Natürlich würden wir gemeinsam eine Entscheidung treffen. Die Elternzeit zu teilen oder sich mit dem „zu Hause bleiben“ von Kind zu Kind abzuwechseln sind auf jeden Fall Modelle, die ich mir vorstellen kann.

Redaktion: Postpartale Depressionen sind auch bei Männern auf dem Vormarsch. Wem würdest du dich anvertrauen, wenn dich die Geburt deines Kindes plötzlich in eine Krise stürzen würde?

Lars: Sicherlich meinen besten Freunden. Freunde, die selber schon Kinder haben und solche Gefühle am besten nachvollziehen können, wären da warscheinlich meine ersten Ansprechpartner.

Redaktion: Angenommen, deine Partnerin stillt (Hauptgrund, weshalb sich Väter häufig ausgegrenzt fühlen). Welche Aufgaben würdest du stattdessen übernehmen, um ein inniges Verhältnis zu deinem Kind aufzubauen?

Lars: Ich denke, in der ersten Zeit kann man als Mann kaum ein so inniges Verhältnis wie die Mutter zum Kind aufbauen. Das würde sich bei mir dann wohl eher später entwickeln, wenn man mit dem Nachwuchs schon gewisse Sachen machen kann. Dann würde ich probieren, häufiger mal alleine mit ihm etwas zu machen und evtl. feste Rituale einführen, wie zum Beispiel vor dem Einschlafen vorlesen.

Redaktion: Worauf freust du dich am meisten?

Lars: Auf den (unfreiwilligen?) Humor von Kindern. Über meinen Neffen musste ich schon sehr oft sehr lachen!

Wir danken Lars für das Gespräch!

Titelbild: © Rostislav Sedlacek

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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