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Everybody needs somebody – Mütterfreundschaft

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Mutter sucht Freundin – die Mütterforen sind voll mit diesen Anfragen. Jemanden zum Quatschen, mit einem Kind im gleichen Alter, wie das eigene, jemand, der in der gleichen Situation ist, wie man selbst. Danach suchen viele, besonders junge Mütter. Die Vorstellung ist ein gemeinsamer Kaffee oder Besuch im Park, die Kinder spielen friedlich und man kann sich endlich mal in Ruhe austauschen. Allerdings ist eine Mütterfreundschaft oft nicht so einfach, wie es vielleicht wirken mag.

“Freundin gesucht!!!
Ja wie ja sicherlich alle jungen Mamis wissen ist es nicht leicht den Kontakt mit dem Freundeskreis (alle ohne Kinder) aufrecht zu halten. Drum bin ich hier auf der suche nach netten Mädels und für meine kleine natürlich nette Spielgefährten, weil auch sie kaum Kontakt mit Kindern hat. Wenn es euch auch so geht meldet euch doch mal!!!” – netmoms –

Mütterfreundschaft oder Leidensgenossinnen?

Mütterfreundschaft. Das ist so eine Sache. Man lernt sich kennen, in der Regel über die Kinder, beim Kinderschwimmen, auf dem Spielplatz oder eben über das Internet. Man quatscht, man versteht sich, die Kinder sind gleich alt, man verbündet sich. Aber eigentlich ist “Mütterfreundschaft” häufig nicht das richtige Wort. Viele suchen eher eine Leidensgenossin, als eine wirkliche Freundin. Jemanden, der die gleichen Fragen und Sorgen hat, wie man selbst. Oder schlicht eine andere Mutter, der man so vertrauen kann, dass man gegenseitig babysitten kann.

Tatsächlich sind die meisten Mütterfreundschaften eher Zweckgemeinschaften, als wahre Durch-dick-und-dünn-Freundschaften. In der Regel sind eben nicht die Frauen miteinander befreundet, sondern “nur” die Mütter: Es geht um die Kinder, Erziehung, Windelmarken und den gemeinsamen Turnunterricht. Das ist natürlich völlig in Ordnung und kann sehr hilfreich sein. Tipps und gegenseitige Unterstützung braucht jede Mama. Allerdings sollte euch bewusst sein, dass eine solche Mütterfreundschaft nicht unbedingt die belastbarste ist. Hauptstreitthema ist natürlich, wie sollte es anders sein, der Dauerbrenner Erziehung: Die eine ist zu lasch mit ihren Kindern, die andere zu streng. Meistens überleben Mütterfreundschaften einen Streit zu dem Thema nicht, weil sich die Freundinnen persönlich angegriffen fühlen.

“Was ist denn nun los? Eine inkonsequente Mutter wirft mir jetzt wegen einer total belanglosen Geschichte meine Inkonsequenz vor.” – urbia –

Zur echten Freundschaft

Vor allem ist die Basis, auf der die Freundschaft steht, leider sehr wacklig. Der Fakt, dass beide beteiligten ein Kind im gleichen Alter haben, macht noch lange keine innige Freundschaft. Gerade, wenn dann noch Konkurrenz à la “Also, MEINE Miriam sitzt ja schon von alleine!” mitschwingt, wird aus einer vermeintlichen Freundschaft eher ein Stressfaktor als eine Lebenshilfe.

Wer will, dass eine wirkliche Freundschaft ensteht, muss also zwei Dinge beachten. Erstens: Eine Freundschaft, die auch Streitigkeiten überlebt, braucht Zeit, um zu gedeihen. Da reichen zwei mal Kaffee trinken leider nicht aus. Vor allem funktioniert eine gute Freundschaft selten aus Einsamkeit heraus. Sich entspannt und langsam gegenseitig kennenlernen und zusammenwachsen dauert nun einmal.  Und viel wichtiger: Redet nicht nur über Kinder. Am besten sind die Kurzen gar nicht immer mit dabei, wenn ihr euch trefft. Trefft euch mal in einer Bar oder geht zusammen ins Kino. Dann kann man auch mal wieder gemeinsam Frau sein, und nicht nur Mutter.

Das klingt jetzt, als seien Mütterfreundschaften das Schrecklichste, was es auf dieser Welt gibt. Das stimmt natürlich nicht. Wenn euch der Austausch mit anderen Müttern gut tut, ist das wunderbar. Nur: Seid darauf gefasst, dass die Freundschaft nicht für immer hält. Und vergesst eure alten (möglicherweise kinderlosen) Freunde nicht.

Titelbild: © Syda Productions – Fotolia.com

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