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Erziehungstipps von Tamara: “Grenzen geben Kindern Halt”

Erziehungstipps
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Hier unsere neue Gastbloggerin Tamara Jungbauer!

Heute stellen wir euch unsere neue Gastbloggerin Tamara Jungbauer vor. Sie ist nicht “nur” Fachfrau, wenn es um Erziehungstipps geht, sondern vor allem auch selbst Mutter und verrät euch, wie wichtig es dabei ist, Kindern Grenzen zu setzen und dass auch Eltern vor Fehlern nicht gefeit sind. 


 

Du gibst auf deiner eigenen Website www.erziehungskiste.net und jetzt auch unseren Lesern hilfreiche Erziehungstipps. Was liegt dir dabei besonders am Herzen?

Tamara: Es fällt heutzutage vielen Eltern schwer, für sich selbst herauszufinden, wie sie ihr Kind erziehen möchten. Noch vor ein oder zwei Generationen war ein allen bekanntes Erziehungskonzept vorherrschend, das darauf abzielte, dass Kinder zu gehorchen haben und sich in Gesellschaft zu benehmen wissen. Heute gibt es viele unterschiedliche Erziehungsmodelle und -sichtweisen, unendlich viele Erziehungsratgeber und Meinungen, was zwar eine positive Veränderung ist, aber auch den Nachteil mit sich birgt, dass man eben für sich selbst herausfinden muss, welche Werte einem wichtig sind und wie man diese seinen Kindern vermitteln kann. Ich möchte die Leser durch meine Beiträge dazu animieren, wieder mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören, anstatt sich im Dschungel der Ratgeber zu verlieren, und das eigene Verhalten im Zusammenhang mit der Erziehung ihrer Kinder bewusster zu reflektieren. Denn Erziehung bedeutet auch, an sich selbst zu arbeiten.

Du sagst, du bist ein sehr sensibler Mensch. Wie schaffst du es trotzdem, dich von Wutanfällen und Co. emotional nicht zu sehr beeinflussen zu lassen?

Tamara: Ich kann mich durch meine Sensibilität in der Regel recht gut in Kinder hineinversetzen. Das bedeutet aber nicht, dass ich immer weich werde, wenn meine kleinen Männer etwas haben wollen. Ich habe meine Grundsätze und bin sehr konsequent bei deren Einhaltung. Natürlich berührt es mich sehr, wenn meine Kinder traurig sind. Dann bin ich eben da, um zu trösten, zu umarmen oder was sonst so gebraucht wird. Dadurch stelle ich meine eigenen Emotionen in den Hintergrund und kann ganz für mein Kind da sein. Ich versuche generell, die Welt aus den Augen der Kleinen zu sehen, um sie besser verstehen und entsprechend auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können. Aber auch ich bin nur ein Mensch mit Fehlern, musste erst einmal feststellen, wo meine eigenen Schwächen als Mama liegen und lernen, gelassener und geduldiger zu sein. Mein kleiner Mann hatte in der „Trotzphase“ häufig sehr intensive Wutanfälle, die mich viel Kraft und zahlreiche Nerven gekostet haben. Anfangs gelang es mir auch nicht immer, ruhig zu bleiben. Wie gesagt, Erziehung bedeutet auch, an sich selbst zu arbeiten. Heute bleibe ich meistens sehr gelassen, wenn meinen Kleinsten einer seiner Wutanfälle überkommt.

Wann stößt du innerhalb der Erziehung an deine Grenzen?

Tamara: Das passiert meist dann, wenn ich selbst angespannt bin und mir der sogenannte Geduldsfaden schneller reißt, als sonst. Dann kann ich nicht aus meiner Haut und ärgere mich, werde auch mal laut und rege mich auf. Hinterher bereue ich dann mein Verhalten, entschuldige mich bei meinen kleinen Männern und erkläre ihnen, dass ich gerade schlechte Laune hatte oder was auch immer hinter meinem Verhalten steckte. Bei den Wutanfällen meines ersten Sohnes fühlte ich mich noch oft hilflos. Mit der Zeit lernte ich, besser damit umzugehen. Auch das erste Jahr mit meinem Großen brachte mich durch den konsequenten, massiven Schlafmangel oft an den Rand der Verzweiflung. In dieser Zeit stieß ich sehr oft an meine persönlichen Grenzen und wusste nicht mehr weiter.

Wen fragst du um Rat, wenn du Erziehungstipps benötigst?

Tamara: Ich rede dann meist mit meinem Mann und wir versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden. Auch Gespräche mit anderen Eltern helfen oft, weil sich dadurch manchmal andere Perspektiven eröffnen, die den eigenen Horizont erweitern können. Zumindest aber tut es gut, sich auszutauschen, und die eigenen Probleme nach außen tragen zu können.

Wer von euch beiden ist strenger, Mama oder Papa?

Tamara: Ich würde sagen, es ist ziemlich ausgewogen. Ich bin vielleicht noch ein Stück konsequenter als mein Mann, wenn es um die Einhaltung von Regeln geht. Manchmal ist mein Mann aber auch in Kleinigkeiten strenger als ich.

Seid ihr euch in Erziehungsfragen immer einig?

Tamara: Wir haben in manchen Punkten unterschiedliche Ansichten. Manches ist mir wichtiger als meinem Mann, und umgekehrt. In den grundsätzlichen Dingen aber sind wir uns einig.

Du bietest einen kostenlosen Beratungsservice für Eltern, Erzieher, Lehrer und Co. Hattest du dabei schon mal das Gefühl, dass auch du nicht helfen kannst?

Tamara: Wenn es grundsätzliche Probleme in der Familie gibt, dann hilft es meist nicht, für ein konkretes Problem Lösungsmöglichkeiten zu finden. In so einem Fall ist psychologische Unterstützung angebracht, beispielsweise in Form einer Familientherapie. Für manche Eltern ist es auch schwer, eigene Fehler zu erkennen oder sie sich einzugestehen. Wenn die Bereitschaft fehlt, etwas am eigenen Verhalten zu ändern, nützt auch eine Beratung nichts. Es geht bei der Beratung ja nicht darum, das Kind irgendwie „umzuformen“, damit es den Ansprüchen der Eltern oder sonstiger Menschen gerecht wird. Es kann vielmehr immer nur darum gehen, wie Eltern ihr eigenes Verhalten verändern können, um dadurch in weiterer Folge ihrem Kind das zu geben, was es im Moment braucht, um sich auf allen Ebenen gesund entwickeln zu können.

Wie wichtig sind Grenzen innerhalb der Erziehung?

Tamara: Ich finde es sehr wichtig, Kindern Grenzen zu setzen. Nur wenn die kleinen Leute gewisse Regeln und Strukturen in ihrem Alltag erleben, können sie sich entsprechend orientieren. Grenzen geben Kindern Halt. Ehe man allerdings seinen Kindern Grenzen setzen kann, muss man sich als Elternteil erst einmal selbst darüber im Klaren sein, welche Werte man ihnen überhaupt vermitteln möchte. Man steckt sich also in erster Linie selbst Grenzen, die man als authentisches Vorbild auch dem Kind vorlebt. Grenzen zu setzen und konsequent zu sein bedeutet nicht, streng einem strikten Plan zu folgen. Erziehung ist ein andauerndes Abwägen. Konsequenz beinhaltet auch Ausnahmen von der Regel, wenn diese vertretbar sind. Eltern, die ihren Kindern mit liebevoller Zuwendung und Respekt Grenzen in ihrem Verhalten aufzeigen, geben ihnen den Halt, den sie so dringend brauchen, um sich ausreichend geliebt zu fühlen und in der Welt zurecht zu finden.

Was ist deiner Meinung nach der größte „Fehler“, den Eltern bei der Erziehung machen können?

Tamara: Eltern, die ihrem Kind nicht ausreichend Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken, zu wenig Interesse und Gehör für die Dinge zeigen, die ihr Kind beschäftigen und die sich – in welcher Form auch immer – ihrem Kind gegenüber respektlos verhalten, verletzen die kindliche Seele. Eltern sollen und können nicht perfekt sein. Aber sie können ihre eigenen Fehler reflektieren und ihren Kindern das vorleben, was sie auch von ihnen erwarten. Kinder lernen bekanntlich mehr durch Beobachtung und Nachahmung, als durch Worte, die an sie gerichtet werden. Wir wir Eltern miteinander und mit anderen Menschen umgehen, prägt das Kind weit mehr als das, was wir ihm durch Belehrungen vermitteln wollen.

Ab wann sollten Eltern mit der Erziehung beginnen?

Tamara: Erziehung ist ein Prozess, der mit der Geburt des Kindes (oder sogar schon davor) beginnt. Er entsteht durch die Beziehung, in die wir Eltern mit unserem Kind treten. Es ist also gar nicht möglich, nicht zu erziehen. Wir leben dem Kind vom ersten Tag an vor, was uns wichtig ist und zeigen ihm, wie wir uns in den unterschiedlichsten Situationen verhalten. Solange das Kind sich noch nicht verbal artikulieren kann und noch nicht selbst mobil wird, sind Grenzen in der Regel auch noch nicht notwendig. Erst, wenn das Kind beginnt, sich selbst fortzubewegen und die Welt zu erkunden, wird es nötig werden, ihm erste Regeln zu vermitteln. Spätestens mit eineinhalb bis zwei Jahren, wenn es den eigenen Willen entdeckt und fortan vieles selbst bestimmen möchte, wird es unumgänglich sein, dem Kind immer wieder die Grenzen für sein Verhalten aufzuzeigen. Es liegt in der Natur des Kindes, dass es lernen möchte, was es tun und wie weit es dabei gehen kann. Wir Eltern haben die Aufgabe, es dabei zu begleiten und sanft zu lenken.

Titelbild: Tamara Jungbauer

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