Aufgeregt

Embrace: 91 Prozent der Frauen hassen ihren Körper

Embrace
Saskia
Geschrieben von Saskia

Wieso uns „Embrace“ so berührt

Tagtäglich werden uns in der Werbung und den Sozialen Medien vermeintlich perfekte Frauenkörper präsentiert und obwohl die Hochphase kein Ende zu nehmen scheint, macht sich auch eine Gegenbewegung breit: Frauen, die zu ihren Unperfektheiten stehen, Makellosigkeit, Fotofiltern und verletzenden Kommentaren den Kampf ansagen. Und mittendrin? Die dreifache Mutter Taryn Brumfitt und Schauspielerin Nora Tschirner, die mit ihrem Dokumentarfilm „Embrace“ Frauen auf der ganzen Welt aus der Seele sprechen. 


Egal, ob eine Frau bereits Kinder geboren hat oder nicht: Jede weibliche Person kennt ihn; den überkritischen Blick in den Spiegel. Dehnungsstreifen hier, Cellulite dort, hängende Brüste und überhaupt – was sollen diese „Winkearme“ eigentlich?!

Vor allem Frauen schauen nicht selten voller Hass auf ihr eigenes Spiegelbild und schnell fallen Begriffe wie: zu fett, hässlich, unattraktiv und so weiter. Schuld sind aber nicht nur die eigenen und meist unrealistischen Erwartungen, sondern vor allem (retuschierte) Werbeplakate, TV-Shows, Instagram-Accounts von (angeblich) perfekten Frauenkörpern und abwertende Männersprüche, die uns vorschreiben wollen, wie eine Frau auszusehen hat. Und all dem nicht genug, denn als Frau ist der Grad der Makellosigkeit auch damit verknüpft, wie liebenswert sie ist. Doch anstatt sich selbst und anderen gegenüber nicht zu hart zu sein, macht sich auch noch ein neuer Trendsport namens Body-Shaming breit. Und dieser bezeichnet nicht etwa die Scham der eigenen Unperfektheit gegenüber, sondern die ‚Scham‘ gegenüber den Makeln der Anderen. Und wozu das Ganze? Damit wir uns in unserer eigenen Haut immerhin etwas wohler fühlen …

Embrace – Du bist schön

Die Australierin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt war mit ihrem Äußeren auch nicht mehr im Reinen. Nach drei Schwangerschaften sieht der weibliche Körper nun mal nicht mehr so aus wie zuvor. Und weil auch sie ihren Körper zu diesem Zeitpunkt hasste, stemmte sie eifrig Gewichte. Und? War trotz durchtrainiertem Körper keineswegs glücklich:

„Zu viel Zeit, zu viele Opfer, zu viel Besessenheit und das ist es einfach nicht wert!“

 

Auch in Gesprächen mit Freundinnen ging es um die ewig gleichen Wünsche: Schlanksein und ja nicht altern zu wollen. Und deshalb entsagte sie dem Höchstleistungssport und postete im April 2014 ein Vorher/Nachher-Bild auf Facebook. Dieses sorgte weltweit für Furore, denn ihr perfektes Nachher-Bild zeigte sie eben nicht durchtrainiert und mit Konfektionsgröße 36, sondern nackt, mit weniger Muskulatur, Konfektionesgröße 40 und der Botschaft:

„Steh zu deinem Körper und liebe ihn. Du hast nur den einen.“

 

Dieses Geschehnis legte den Grundstein für die Dokumentation „Embrace – Du bist schön„, die über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde. Mit produziert wurde er von der 35-jährigen Schauspielerin und Mutter Nora Tschirner, die sich selbst jahrelang dem Druck dünn und makellos sein zu ‚müssen‘, ausgesetzt hat. Am 11. Mai 2017 sorgte Embrace auch in einigen deutschen Kinos für Aufsehen und ist bereits jetzt als DVD erhältlich. Allein in Deutschland sind 91 Prozent aller Mädchen und Frauen unzufrieden mit ihrem Körper und 45 Prozent derer, die über gesunde Maße verfügen, denken, sie seien übergewichtig. Taryn reiste um den ganzen Globus und unterhielt sich mit Frauen, die ebenfalls mit ihrem Körper hadern und will dem Übel auf den Grund gehen:

„Warum hassen so viele Menschen ihren Körper? Und was können wir dagegen tun?“

 

Das Problem beginnt in unserem Kopf!

Natürlich sind Botschaften wie „Embrace“ vor allem in der heutigen Zeit, in der Kinder mit der destruktiven, digitalen Welt wie Instagram, Snapchat und TV-Formaten wie Germanys Next Topmodel aufwachsen, wichtig. Doch bei all der geballten Frauenpower und Empörungswelle sollten wir alle nicht vergessen, dass wir es selbst in der Hand haben, wie zufrieden wir mit unserem Körper sind und auch, wie viel Aufmerksamkeit wir diesem Thema überhaupt in unserem Alltag einräumen. Niemand ist immun gegen verletzende Sprüche und Mobbing, doch wenn wir uns ewig aus der Sicht der Anderen sehen und deshalb mit uns nicht zufrieden sind, uns ständig vergleichen und Äußerlichkeiten als Garant für Glück und Erfolg verstehen, kann aus einem gesunden Selbstbild nichts werden und zu guter Letzt können wir dieses dann auch kaum an unsere Kinder weitergeben. Und dass Eltern in einem hohen Maß für das Körperbild ( „Body-Image“) ihrer Kinder verantwortlich sind, belegt eine israelische Studie. Darin haben Wissenschaftler die Beziehung zwischen 46 Töchtern und Müttern untersucht und sind der Frage auf den Grund gegangen, wie die Mädchen ihren eigenen Körper und den der Mutter wahrnehmen. Das Ergebnis: Ist die Mutter mit ihrem Äußeren zufrieden, ist auch die Tochter mit ihrem Spiegelbild im Reinen. Stand die Mutter mit ihren Maßen auf Kriegsfuß, hatte auch die Tochter etwas an ihrem eigenen Körper auszusetzen. Auch Taryn hat sich unter anderem deshalb vom Hochleistungssport und dem Streben nach „der perfekten Figur“ verabschiedet, weil ihr bewusst wurde, dass sie ihre eigenen destruktiven Glaubenssätze an ihre Tochter weitergeben würde. (Schaut euch dazu auch noch mal dieses Video des Onlinemagazins Real Simple an.)

Der wohl essentiellste Satz, den Taryn in der Dokumentation an ihre Tochter richtet:

„Mein geliebtes Mädchen, verschwende keinen einzigen Tag deines Lebens damit, Krieg gegen deinen Körper zu führen. Umarme ihn!“

 

Und dieser Punkt fordert uns vor allem dann, wenn wir selbst in unserer Kindheit und Jugend negative Erfahrungen sammeln mussten. Diesbezüglich bleibt uns leider nur eins: Eine gesunde Stimme in unserem Kopf, die uns immer wieder sagt: „Niemand ist perfekt und ich bin gut so, wie ich bin!“ Und das gilt übrigens nicht nur für fülligere Figuren, sondern für ALLE und ausnahmsweise bringt es eine Illustration auf Instagram auf den Punkt.

Love and accept your body. Pic cred: ??

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Doku-Trailer: YouTube / Interview: YouTube

Titelbild: © Majestic

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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