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Diagnose Down-Syndrom durch Pränataldiagnostik

Down-Syndrom
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Wenn die Schwangerschaft zur Zerreißprobe wird

Die Schwangerschaft erleben viele Frauen und auch Paare als unbeschreiblich schöne und kraftvolle Zeit. Man sieht auf Buchtiteln und in Zeitschriften strahlende Frauen, die ihren wohl geformten Bauch vorfreudig berühren und vor Gesundheit und Wonne strotzen.
Kaum jemand wagt es, während dieser kostbaren Zeit über die Kehrseiten nachzudenken oder zu sprechen. Vor allem die Kehrseiten für Frauen ab 35 Jahren, die mit einem höheren Risiko (1:250) ein Down-Syndrom-Kind zu gebären, eingestuft und betreut werden.


Als ich mit meiner ersten Tochter schwanger wurde, war ich gerade mal 18 Jahre alt. Ich hatte bis dahin weder etwas von Fehlgeburt noch Missbildungen oder Komplikationen gehört. In meinem damaligen, womöglich auch naiven Verständnis, kam ein Baby gesund zur Welt. Nun, knapp 20 Jahre und vier Schwangerschaften später, ist alles anders. Ich bin gerade in der 26. Schwangerschaftswoche und wurde bisher dank Pränataldiagnostik mit drei Hiobsbotschaften konfrontiert.

Schwangeren Frauen wird heutzutage Angst gemacht

Wird man mit 37 Jahren schwanger, betritt man die Bühne der „Risikoschwangerschaft“.

Als ich beim ersten Ultraschall in der neunten Schwangerschaftswoche voller Vorfreude auf das kleine Würmchen in meinem Bauch blickte, sagte der Arzt mit nüchterner Stimme: “Oje, da stimmt aber etwas nicht. Ich hatte heute schon drei Fehlgeburten, das scheint die vierte zu sein.”

Es dauerte keine drei Wochen, da wurden wir zur Nackenfaltenmessung eingeladen. Um festzustellen, ob eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) vorliegt, wird diese spezielle Sonographie routinemäßig vorgeschlagen. Als wir gefragt wurden, ob wir sie möchten, sagten wir ja. Aufklärung über mögliche Folgen, gab es keine. Es hieß: “Im Falle des Falles können sie innerhalb von 72 Stunden entscheiden, ob sie das Kind trotzdem bekommen oder abtreiben.”

Eine Woche nach der Untersuchung erfuhr ich am Telefon von einer sehr unangenehmen und forschen Vorzimmerdame: „Ihr Kind ist aller Voraussicht nach schwer behindert, sie müssen morgen wieder zu uns kommen.“ Ich konnte es nicht fassen, mein Herz schlug deutlich schneller, ich berührte meinen Bauch, schloss die Augen und dachte an mein Baby, meine Intuition sagte mir, dass mit der telefonischen Auskunft irgendetwas nicht stimmte, nicht mit meinem Kind.

Die sehr kühle und wenig empathische Art und Weise, wie uns dies mitgeteilt wurde, empfand ich als unmenschlich. Wäre ich nicht seit 15 Jahren Familien- und Bindungstherapeutin, hätte ich vermutlich einen tiefsitzenden Schock bekommen, der weder mir, noch meinem ungeborenen Kind gutgetan hätte. Und dennoch spürte ich große Unruhe und Aufregung in mir, mit der Frage: “Was, wenn doch?”

Statistiken belegen: Die Mehrheit treibt ab!

9 von 10 Eltern, die in so eine Situation kommen, entscheiden sich für einen Abbruch. Wie viele Abtreibungen werden durchgeführt, weil die Eltern dem Druck von Außen nicht Stand halten können? Und wie viele Mütter entscheiden sich für eine Abtreibung, weil ihr Partner darauf besteht, meist aus Unwissenheit oder Angst? Was könnte man tun, um den Eltern in einer ähnlichen Situation zu helfen?

Kaum eine der 90%, die das Leben ihres Kindes durch eine tödliche Injektion ins Herz beenden und danach meist auf natürliche Weise gebären und anschließend zu Grabe tragen, tut dies leichtfertig. So eine Entscheidung ist für keine Mutter leicht, wird es auch niemals sein. Die meisten von ihnen brauchen nach so einem Erlebnis oft Jahre der Psychotherapie, um darüber hinweg zu kommen. Sie fühlen sich schuldig, ohnmächtig, schämen sich und gleichzeitig fühlen sie sich auch erleichtert. Denn die Frage „Was wäre gewesen, wenn?“ bleibt oft nur mit einer Angst und einem Überforderungsgefühl zurück.

Diagnose Down-Syndrom: Wir brauchen mehr Aufklärung!

Wir entschieden uns dazu, noch am selben Abend, öffentlich über unsere Situation zu sprechen. Als wir uns zu unserer Geschichte, unseren Gefühlen und auch der Entscheidung geäußert hatten, erhielten wir unsagbar viele Zuschriften von Familien, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Das berührte uns sehr und wir merkten, wie wenig öffentlich darüber gesprochen wird und wie sehr sich Eltern in so einer Situation allein gelassen fühlen. Viele haben Angst vor der Verantwortung und vor der Ungewissheit, was auf sie zukommen wird.

Der Großteil der werdenden Eltern denkt vor dem Gang zur Pränataldiagnostik leider viel zu wenig über die möglichen Folgen und Konsequenzen nach. Viele freuen sich darauf, ihr Baby in 3D zu betrachten und „schöne Bilder“ zu erhalten. Es wäre sehr wichtig, wenn sich werdende Eltern bewusst für Untersuchungen entscheiden, die sie in der Schwangerschaft machen lassen. Und sich vor den Untersuchungen in Ruhe ihre Antwort auf die Frage „Was wäre, wenn etwas vorliegt?“ beantworten.

“Keiner wird sie mehr haben wollen“, las ich erst kürzlich sehr betroffen in einem Artikel. Was macht das mit unserer Gesellschaft? Dulden wir nur noch die Makellosen? Was macht das mit der Psyche der Eltern, der Geschwister und Familien? Welche Merkmale werden wir zukünftig in Schwangerschaften feststellen können, nach denen wir anfangen, Kinder auszusortieren?

Wie auch immer, wir sind uns einig, mit allen Konsequenzen, wir bleiben beim “Ja” unserem Kind gegenüber und zollen allen Eltern, die in einer ähnlichen Situation sind oder waren, unseren tiefsten Respekt und Anerkennung. Alles in allem habe ich gelernt, dass der wichtigste Anker in der heutigen Zeit ist, bei sich bleiben zu können und auch mal dem eigenen Bauchgefühl wieder mehr Vertrauen schenken zu können.

Über die Autorin:

Katharina Pommer ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Mutter von vier Kindern, bald fünf Kindern und erfolgreiche Unternehmerin, die Business und Familie vorbildlich kombiniert – was sie zu einer authentischen Expertin im Bereich Work-Life-Balance macht.

 

Titelbild und erstes Bild im Text: © Fee Schineis

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