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Deshalb solltet ihr eure Kinder nicht anschreien!

Kinder nicht anschreien
Saskia
Geschrieben von Saskia

Was ist die Alternative?

Ihr bittet euer Kind bereits zum vierten Mal, sich endlich die Zähne zu putzen und ins Bett zu gehen und es ignoriert euch konsequent? Ihr geht gemeinsam einkaufen und die Warterei an der Kasse eskaliert schlichtweg immer, weil euer Knirps sich auch nach zweimaligem Bitten weigert, den Schokoriegel wieder zurück ins Regal zu legen? Dann greift häufig der elterliche ‚Joker‘ und ihr werdet richtig laut. Schließlich habt ihr es mehrere Male im ruhigen Ton versucht. Die Wahrheit ist allerdings, dass ihr mehr Schaden mit dem Anschreien anrichtet, als dass es irgendwem nützt. Mit unseren Tipps bleibt ihr in Zukunft gelassener. 🙂


 

Verlust der Autorität

Natürlich ist es auf der einen Seite verständlich, dass Eltern ab einem gewissen Punkt der Geduldsfaden reißt. Ihr wünscht euch, von euren Kindern ernst genommen zu werden und dass sie begreifen, dass jedes Verhalten seine Grenzen hat und Konsequenzen nach sich zieht. Vor allem zu später Stunde und in der Öffentlichkeit wünscht ihr euch, dass sich euer Knirps benimmt und eure Bitten befolgt. Passiert dies trotz mehrmaligem Auffordern und im ruhigen Ton nicht, bringt es euer Geduldsfass zum Überlaufen und dies zeigt sich dann schnell daran, dass ihr euer Kind anschreit. Häufig scheint dies der einzige Weg, euren Kindern zu suggerieren, dass ihr den Ton angebt. Tatsächlich löst dieses Verhalten bei euch aber eher einen Kontroll- und Autoritätsverlust aus. Hinzu kommt, dass das Geschrei auch von euch selbst nicht als positives Verhalten wahrgenommen wird und ihr es häufig direkt nach eurem Ausbruch wieder bereut.

Aggression erzeugt Gegenaggression

Zeigt ihr eurem Kind auf, dass ihr nur durch das Anschreien eure Regeln durchgesetzt bekommt, schaut es sich euer Verhalten ab und eignet sich ebenfalls ein lautes und aggressives Verhalten an, um seine Bedürfnisse und Wünsche durchzusetzen. So fanden Psychologen der University of Pittsburgh 2013 in einer Studie heraus, dass Kinder, die regelmäßig verbaler Gewalt durch die Eltern ausgesetzt sind, häufig ein aggressives und depressives Verhalten zeigen. Auch negative Verhaltensweisen, wie Lügen und Stehlen trafen häufiger zu. Regelmäßiges Anschreien und verbale Demütigungen wirken sich also immer negativ auf die Entwicklung eures Kindes aus und verhindern, dass es ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entwickelt. Ganz zu schweigen davon, dass damit auch das Eltern-Kind-Verhältnis große Narben davon tragen kann.

6 Tipps gegen das Anschreien:

1. Abreagieren

Euer Kind stellt euch auf eine harte Probe, wenn es selbst nach dem dritten Bitten eurem Wunsch nicht nachkommt. Die Zeit drängt, ihr seid erschöpft und wünscht euch einfach nur: Ruhe und ein Kind, das euch versteht. Um euch zu beruhigen: Eure Kinder nehmen es sich nicht vor, euch damit absichtlich zu tyrannisieren. Sie können einfach nur schwer nachvollziehen, wieso sie ihre Legosteine aus dem Weg räumen sollen, wenn sie ihr Haus noch nicht fertig gebaut haben. Habt ihr in diesem Moment das Gefühl: NICHTS geht mehr und ihr kocht innerlich, verlasst für 5 bis zehn Minuten den Raum und atmet einmal tief durch. Das reicht meist schon aus, um die Contenance wieder zu erlangen und den Respekt euren Kindern gegenüber nicht zu verlieren.

2. Drei Mahnungen sind genug

Damit euch euer Kind auch ernst nimmt, solltet ihr euch nicht darin verstricken, endlose Mahnungen auszusprechen. Euer Kind testet natürlich seine und eure Grenzen aus. Sprecht ihr bereits eure fünfte Mahnung aus, seid ihr schlichtweg nicht mehr glaubwürdig und euer Knirps wird immer wieder versuchen, diese Grenze auszureizen.

3. Kurze Erklärung

Je kleiner euer Kind ist, desto schwieriger wird es, ihm den Grund eures ‚Wunsches‘ zu erläutern. Haltet es so einfach und so knapp wie möglich. Lasst euch nicht auf Diskussionen ein und erläutert ihm bereits mit der ersten Mahnung, wieso es sich genau jetzt die Zähne putzen soll und nicht erst in 15 Minuten. Ein Satz wie: Du putzt dir jetzt die Zähne, weil danach Schlafenszeit ist, ihr als Eltern einen langen und anstrengenden Tag hattet und nun Zeit für euch benötigt, genügt.

4. Ernst und bestimmt

Solange ihr Ruhe bewahren könnt, bleibt bei euren Mahnungen direkt bei eurem Kind stehen und seid ernst und bestimmt. Hat es nach der ersten Ermahnung nicht auf euch gehört, bittet euer Kind, dass es euch anschaut und wiederholt, was ihr euch jetzt von ihm wünscht. Putzt es sich dann immer noch nicht die Zähne, begebt euch auf seine Augenhöhe, schaut es ernst an, wiederholt entschlossen, was es tun soll und haltet dabei zum Beispiel seine Hände oder berührt (ohne Gewalt!) seinen Arm. Die körperliche Nähe soll eurem Kind dabei noch mal ganz intensiv verdeutlichen, dass ihr nicht mit euch verhandeln lasst.

5. Loben

Wenn ihr dieses Muster konsequent beibehaltet, weiß euer Kind, wann eure Schmerzgrenze erreicht ist. Geht es eurer ‚Bitte‘ nach, lobt es anschließend und seid wieder fröhlich und warmherzig und erklärt, wieso ihr euch gerade freut. Euer Knirps wird durch diese zwei sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen schneller feststellen, dass es viel angenehmer ist, wenn ihr keinen strengen Ton anschlagen müsst und stattdessen gut gelaunt und liebevoll seid.

6. Doch laut geworden?

Auch Eltern passieren Fehler. Seid ihr also doch laut geworden, verzeiht euch und werft euch nicht gleich vor, dass ihr keine guten Eltern seid. In diesem Fall raten Kinderpsychologen nicht unbedingt dazu, sich bei euren Kleinen zu entschuldigen, denn: Was passiert ist, ist passiert! Euer Kind ist erschrocken oder hat sogar geweint und dieses Ereignis wird es sich einprägen. Eine Entschuldigung beruhigt dann eher euch als eure Kleinen. Nehmt euch stattdessen vor, dass ihr beim nächsten Mal die Situation besser im Griff habt.

Wichtig: Müsst ihr und euer Kind dennoch immer wieder gemeinsame Fehlschläge überwinden, scheut euch nicht davor, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht jeder Konflikt zwischen Eltern und Kindern kann ‚mal eben‘ und eigenständig gelöst werden. Sich dann einer erfahrenen Person anzuvertrauen, ist kein Zeichen des Versagens, sondern eine starke und mutige Entscheidung, die euch dabei behilflich ist, wieder liebevoller miteinander umzugehen und zu eurer Autorität und Vorbildfunktion zurückzufinden.

Titelbild: © MNStudio

Über den Autor

Saskia

Saskia

Knapp über 30 und noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs dann irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ;)

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