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Das Frühchen e. V. – Eine wundervolle Hilfe

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Zu unserem Themenmonat rund um Frühchen wollen wir euch auch ein paar Vereine vorstellen, die wirklich eine großartige Arbeit leisten, um zu früh auf die Welt gekommene Babys und ihre Familien zu unterstützen.

Als erstes haben wir mit Herrn Schad von “Das Frühchen e. V.” gesprochen, um einen Einblick in deren Leistungen zu bekommen. Vor Vor allem die Familienbegleitung vor, während und besonders nach dem Klinikaufenthalt ist in Deutschland einzigartig.

 

Bitte stellen Sie ihren Verein doch einmal vor – wofür Sie stehen, wie Sie helfen und was Sie leisten.

„Das Frühchen e. V.“ Heidelberg wurde vor 24 Jahren von betroffenen Eltern, Ärzten und Schwestern der Neonatologie des Universitätsklinikums Heidelberg gegründet. Der Verein unterstützt Familien von frühgeborenen Kindern ab dem Zeitpunkt der Frühgeburtsbestrebung (wenn abzusehen ist, dass ein Kind zu früh geboren wird) bis zur Schulzeit und darüber hinaus in psycho-sozialer Hinsicht.
Hierzu gehören ein Begrüßungspaket mit Informationsmaterial und kleinen Geschenken in der Frühgeborenenintensivstation (FIPS) sowie niedrigschwellige Angebote zum Informationsaustausch: über Facebook, einen Frühchenelterntreff und das jährlich gut besuchte Frühchenfest. Außerdem finden Informationsveranstaltungen statt, bei denen typische Herausforderungen, mit denen frühgeborene Kinder konfrontiert werden können, thematisiert werden.
Hervorzuheben ist dabei das seit 2012 bestehende, deutschlandweit einzigartige Programm der häuslichen Familienbegleitung. Eine hierfür ausgebildete zweifache Frühchen-Mutter besucht dabei auf Wunsch betroffene Familien in den ersten Monaten nach der Klinikentlassung zuhause und unterstützt sie durch Beratung (Ernährung, Therapien, Formulare u.a.), Zuhören und die Einbindung in ein Frühchen-Netzwerk. Dieses für die Familien kostenfreie Angebot wird sehr rege und mit großer Dankbarkeit angenommen.

Im Dezember 2013 hat der Verein für seine Arbeit einen Ehrenamtspreis (ECHT GUT!) des Landes Baden-Württemberg erhalten.

Unser Ziel: Frühgeborene sind durch die zwangsläufige Reifung von Gehirn und Organen außerhalb des Mutterleibes einem höheren Risiko für Störungen in der Entwicklung ausgesetzt. Durch bestmögliche Pflege und Förderung können diese Risiken stark eingedämmt werden. Dafür ist es notwendig, dass auch die Bezugspersonen der Kinder – in der Regel die Eltern – mit dieser oft schwierigen und von Unsicherheiten geprägten Situation gut umgehen können. Deshalb liegt uns das Wohle der gesamten Familie von frühgeborenen Kindern am Herzen.

Weitere Informationen, auch zu unseren weiteren Aktivitäten, finden Sie hier: www.dasfruehchen.de, Facebook: Frühchen Heidelberg und Frühchengruppe „Das Frühchen e.V.“ Heidelberg (geschlossene Gruppe).

 

Mit welchen Schwierigkeiten haben Frühchen zu kämpfen, im Vergleich zu Babys, die 40 Wochen im Mutterbauch wachsen durften?

Bei Kindern, die zu früh geboren werden, kommt es unmittelbar nach der Geburt häufig zu gesundheitlichen Problemen. Das ist in erster Linie durch die noch nicht abgeschlossene Entwicklung und Reifung der inneren Organe bedingt. Je nach Zeitpunkt der Frühgeburt kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • Atmung: Ist die Lunge noch unreif, kann es zu Funktionsstörungen kommen. Ein unausgereifter Atemreflex kann bei Frühchen zu einem Atemstillstand führen. (Apnoe-Bradykardie-Syndrom/Atemnotsyndrom)
  • Stoffwechsel: Die unausgereifte Leber kann Giftstoffe noch nicht richtig verarbeiten, daher kann eine ausgeprägte Neugeborenengelbsucht auftreten. (Ikterus)
  • Immunsystem: Auch das kindliche Immunsystem befindet sich noch im Aufbau. Dadurch ist das Infektionsrisiko bei Frühgeborenen deutlich erhöht. (Sepsis/Infektionen)
  • Körpertemperatur: Das System zur Regulierung der Körpertemperatur ist noch nicht voll ausgebildet. Da Frühgeborene oft noch nicht die Fähigkeit entwickelt haben, zu schwitzen, wenn ihnen zu warm ist, können sie leicht überhitzen. Aber auch das Gegenteil ist nicht unwahrscheinlich. Da ihre Muskulatur noch zu schwach ist, um den Körper durch Zittern zu erwärmen, können sie leicht auskühlen.
  • Ernährung: Da die Kinder noch zu schwach zum Saugen sind, kommt hinzu, dass die Kinder oft sondenernährt werden müssen. Dadurch ist das Risiko später erhöht dass Trink- bzw Essstörungen auftreten,
  • Blutungen: Da die Gefäße  noch sehr dünn, können in einigen Fällen Gehirn- oder andere Blutungen auftreten.

Darüberhinaus Frühgeborenenretinopathie (Netzhautablösung), necrotisierende Enterokolitis (NEC) (Schädigung der Darmwand durch verminderte Durchblutung (Minderperfusion) und Infektion) sowie Persistierende Ductus Arteriosus (PDA) (unzureichende Trennung des Lungen-Körperkreislaufs)

Je früher die Schwangerschaftswoche, desto wahrscheinlicher dass die o.g. Probleme auftreten bzw stärker auftreten

 

Wie gehen Eltern mit dieser Situation und welche Themen beschäftigen sie am meisten?

Die wenigsten Eltern sind auf eine zu frühe Geburt ihres Kindes vorbereitet. Die Zeit nach der Geburt ist eine besonders belastende Phase für die Eltern von Frühgeborenen. Große Angst um das Überleben und die Gesundheit des Kindes prägt den Klinikaufenthalt. Die Eltern sind währenddessen und in der ersten Zeit zu Hause emotional stark belastet und fühlen sich häufig hilflos und alleine gelassen. Der Klinikaufenthalt der Kinder ist geprägt durch viele Aufs und Abs, Sorgen und Ängsten, die den Alltag beherrschen. Wird das Kind überleben ? Wie werden die Folgen der Frühgeburt in der Zukunft sein ? Wie kann ich das Kind fördern ohne es zu überfordern ? Viele Mütter machen sich Vorwürfe wegen der Frühgeburt, haben das Gefühl versagt zu haben. Gleiches gilt, wenn das Kind nicht gestillt werden kann oder gar das Abpumpen der Muttermilch nicht gelingen will. Erschwerend kommen auch evtl. Eheprobleme (Männer und Frauen haben häufig einen anderen Blickwinkel und ein anderes Erleben der Dinge) oder auch der Spagat mit evtl. Geschwisterkinder hinzu. Auch nach der Entlassung quälen die Eltern oft Zukunftssorgen – wird sich das Kind trotz der Frühgeburt gut entwickeln, – wird es den Entwicklungsrückstand aufholen oder wird es gar körperliche oder geistige Einschränkungen oder Behinderungen zurückbehalten.

 

Wie kann trotz des Aufenthalts auf einer Neo-Intensivstation eine Bindung zwischen Eltern und Kind aufgebaut werden?

In vielen Kliniken werden die Eltern in die Versorgung ihre Kindes heutzutage miteinbezogen. Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für das frühgeborene Kind, die auch trotz der intensivmedizinischen Behandlung verschiedene Wege haben um Kontakt mit ihrem Kind aufzunehmen.

 

  1. Für das Kind da sein und ihm Unterstützung geben. Die Eltern können sich mit den Pflegekräften absprechen um zu den Wachzeiten des Kindes da zu sein und dann bei den Versorgungszeiten mithelfen oder sie später nach Anleitung ganz übernehmen.
  2. Körperkontakt/ Känguru-Methode: Wird in den meisten Kliniken sobald möglich angewendet, dabei liegt das Kind nackt auf der nackten Brust der Mutter oder des Vaters und darf kuscheln….dabei stabilisiert sich der Herzschlag sowie die Atmung und durch den engen Hautkontakt, der dem Kind gleichzeitig Geborgenheit schenkt, wird die Eltern-Kind-Bindung gefördert
  3. Muttermilch/Füttern: Muttermilch ist die bestmögliche Ernährung auch für Frühgeborene. Füttern bedeutet Nähe, Kontakt und beinhaltet Sinnes-Erfahrungen wir Geschmack, Geruch, Berührung.
  4. Sprechen/Singen mit dem frühgeborenen Kind: Auch frühgeborenen Kinder ist die Stimme der Mutter und des Vaters schon aus dem Mutterleib vertraut. Der Klang Ihrer Stimmen vermittelt Sicherheit und Geborgenheit und wirkt beruhigend. Daher sollten die Eltern viel mit dem Kind sprechen, vorlesen oder auch vorsingen.

Ist das Stillen von Frühchen generell möglich bzw. gibt es bestimmte Voraussetzungen, damit ein Frühchen gestillt werden darf?

Die Muttermilch von Frauen nach einer Frühgeburt ist besonders an die Bedürfnisse des Babys angepasst; sie enthält mehr Eiweiße und auch mehr Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger. Gerade für frühgeborene Kinder ist es besonders wichtig aufgrund der unreife auch des Verdauungstrakts Muttermilch zu bekommen. Bei kleinen Frühgeborenen ist das Anlegen an die Brust zu Beginn oft nicht möglich, die Mütter erhalten eine Einweisung in das Abpumpen der Muttermilch – was möglichst bald nach der Geburt begonnen werden sollte um das Kolostrum, das Abwehrstoffe enthält, zu gewinnen.

Vorteile der Ernährung mit Muttermilch beim Frühgeborenen:

  • Schnelle Magenentleerung,
  • stabilere Darmschleimhaut, da die Muttermilch das Wachstum einer nützlichen Darmflora unterstützt,
  • Bessere Aufnahme der Nährstoffe, geringeres Risiko einer schweren bakteriellen Infektion (Sepsis),
  • selteneres Auftreten von Darmentzündungen oder Darminfektionen,
  • geringere Nierenbelastung,
  • weniger Frühgeborenenretinopathien (Netzhauterkrankung)
  • das Lymphsystem der Mutter bildet Antikörper gegen die Krankheitserreger, denen das Kind in der Frühgeborenenstation ausgesetzt ist. Diese gehen in die Muttermilch über und schützen das Baby vor Keimen denen es in der Klinik ausgesetzt ist

 

Wie können Eltern in dieser aufreibenden Phase unterstützt werden bzw. welche Hilfe gibt es?

Stationär:

  • geschultes Pflegepersonal in Frauen- bzw Kinderklinik
  • Psychologische Unterstützung auf der neonatologischen Station/Seelsorger
  • Sozialarbeiter der Klinik
  • Hebammen

Nach Entlassung:

  • Hebammen
  • Kinderarzt
  • Sozialmedizinische Nachsorge
  • Elternvereine / Selbsthilfegruppen (Verzeichnis auf fruehgeborene.de)
  • Pflegedienst
  • Frühförderstellen
  • Sozialpädiatrische Zentren
  • Frühgeborenambulanz
  • Familienberatungsstellen

Und nicht zuletzt Verwandte, Freunde und Nachbarn können eine große Hilfe sein, wenn sie die Familie bei Haushaltstätigkeiten wie Waschen, Putzen, Einkaufen oder der Geschwisterbetreuung unterstützen.

Im Verlauf unserer Zusammenarbeit erzählt uns Herr Schad, dass der Verein seine Neonatalbegleiterin locker in Vollzeit beschäftigen könnte, sie aber leider nur Stundenweise bezahlen kann – denn die Familienbegleitung wird komplett durch Spenden finanziert.
Wenn ihr genauso von dem Verein und seiner tollen Arbeit angetan seid wie wir, spendet doch einen kleinen Beitrag. Jeder Cent hilft 🙂

 

 

 

 

Titelbild: © hansenn – Fotolia.com

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