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Kinderwagen – Das Beste ist nicht gut genug

Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Die Zeiten, in denen der Kinderwagen als reines Baby-Transportmittel diente, sind lange vorbei. Die Ansprüche an die erste Kinder-Karosse steigen inzwischen ins Unermessliche und Kinderwagen sind heutzutage regelrechte Hightech-Gefährte, die zudem alles andere als günstig zu haben sind. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual und wie es aussieht, muss man sich in diesem Jahr für das kleinere Übel entscheiden. Denn in Tests erreichten 10 von 14 Kinderwagen nur mangelhafte Beurteilungen.

Kinderwagen sind teuer. Vielleicht sogar eines der kostspieligsten Baby-Utensilien, das man wirklich benötigt, wenn man nicht auf das erschwingliche Tragetuch zurückgreifen möchte. Dementsprechend ist der Ärger umso größer, wenn man das Gefühl hat, bei der Auswahl nur Abstriche machen und Kompromisse eingehen zu müssen. In diesem Jahr scheinen sich viele Modelle auf einer gnadenlosen Talfahrt zu befinden, denn Stiftung Warentest attestierte zehn Kinderwagen ein „Mangelhaft“, einer erhielt die Note „Ausreichend“ und gerade einmal drei Modelle kamen mit einem „Befriedigend“ davon. Das ist für eine bis zu 1000-Euro-Investition nicht akzeptabel.

Neben kindgerechter Gestaltung, Handhabung und Sicherheit und Haltbarkeit, wurden die Kinder-Mobile auch auf Schadstoffe untersucht, und, Katastrophe, kein einziger der getesteten Wagen war völlig schadstofffrei. In den mit „mangelhaft“ bewerteten Modellen fanden sich in Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben u.a. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Weichmacher (Phthalate), die teilweise krebserregend sind und mitunter die Fortpflanzung gefährden können. Und aus produktionstechnischer Sicht ist keine dieser Substanzen notwendig.

Ironischerweise ist der Schadstoffgehalt von Puppenwagen geringer, als der der getesteten Kinderwagenmodelle. Das liegt vor allem an den strengeren Vorschriften für Spielzeug. Ein Paradoxon, wenn man bedenkt, dass Kinder zu ihren Wagen ebenso intensiven Körperkontakt haben wie zu ihren Spielzeugen. Schließlich nehmen Kinder alles in die Hand oder den Mund was in Reich- und Bissweite ist. Da die untersuchten Kinder­wagen verkehrs­fähig sind, haben Eltern leider nicht ohne weiteres das Recht, bereits gekaufte Wagen wegen eines zu hohen Schadstoffgehalts zurückzugeben oder um­zu­tauschen. Sie können jedoch auf Händler und Anbieter zugehen und auf deren Kulanz hoffen.

Aufgrund der miserablen Testergebnisse, die nicht nur die Schadstoffbelastung, sondern in einigen Fällen auch die mangelnde Kindgerechtheit betreffen, fällt es schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Doch unter Blinden ist der Einäugige König und der Zekiwa Alu-Cross bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis. Wem die Schadstoffbelastung am meisten Sorgen bereitet, sollte vielleicht den Hartan Topline S in Erwägung ziehen. Leider schneidet dieser insgesamt nur mit der Note „Ausreichend“ ab. Oder man investiert sein Geld lieber in ein gezieltes Rückentraining, denn bei diesen Ergebnissen wird das gute, alte Tragetuch doch immer attraktiver.

Titelbild: © SVLuma – Fotolia.com

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