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Bettnässen: Ärztliche Abklärung und viel Verständnis

Bettnässen
Saskia
Geschrieben von Saskia

Primäre oder sekundäre Enuresis?

Ab rund 5 Jahren schlafen Kinder in der Regel durch. Dann sind meist auch die Blase und das Gehirn so gut trainiert, dass sie wach werden, sobald sie in der Nacht zur Toilette müssen. Doch rund 16 Prozent der fünfjährigen Kinder nässen in Deutschland ins Bett. Mit 7 Jahren liegt die Zahl der Bettnässer bei 10 Prozent. Die Dunkelziffer wird wahrscheinlich noch wesentlich höher ausfallen, denn dass das eigene Kind “noch immer” nicht trocken ist, beschämt viele Eltern und auch die Kinder selbst. Ein Arzt wird bei dieser Problematik nur selten aufgesucht. Hier erfahrt ihr, welche Gründe für das Bettnässen vorliegen können und wie ihr eurem Nachwuchs zur Seite stehen könnt. 


Dass Bettnässen nicht aus Faulheit oder ähnlichen Gründen passiert, macht die WHO deutlich. Sie hat die sogenannte “Enuresis” ganz offiziell als behandlungsbedürftige Erkrankung anerkannt. Sie ist übrigens nach allergischem Asthma die zweithäufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Macht euer Kind mit 5 Jahren über mindestens drei Monate mindestens zwei Mal pro Monat ins Bett, solltet ihr euren Kinderarzt ansprechen. Jungen sind doppelt so häufig betroffen als Mädchen. Das Bettnässen kann übrigens auch noch im Jugendalter vorkommen. Etwa 2 bis 3 Prozent der 12- bis 13-Jährigen und rund 1 Prozent ab dem Alter von 15 Jahren sind davon betroffen. Je früher die Problematik erkannt wird, desto zügiger und erfolgreicher verläuft dann auch die jeweilige Therapie.

Primäre oder sekundäre Enuresis?

Symptomatik 1: primäre Enuresis

Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen wurde deutlich, dass die primäre Enuresis die häufigste Blasenentleerungsstörung bei Kindern ist und dieser in den seltensten Fällen psychische, soziale oder Erkrankungen der Harnwege zugrunde liegen. Bei der primären Enuresis gab es bislang noch keine Zeitspanne, in der das Kind in der Nacht trocken war. Tagsüber schafft es der Nachwuchs aber gewöhnlich frühzeitig zur Toilette und kann seine Blase kontrollieren.

Manche Kinder benötigen schlichtweg länger, bis sie merken, dass ihre Blase voll ist.

Folgende Ursachen beeinflussen den Reifungsprozess der Blase:

Familiäre Veranlagung

Anhand von Vergleichen konnte festgestellt werden, dass bei mehr als der Hälfte bettnässender Kinder weitere Familienmitglieder von der Erkrankung betroffen waren.

Reifeverzögerung von Nervenstrukturen

Das Gehirn bettnässender Kinder benötigt länger, um Nervensignale der vollen Blase und ihres Schließmuskels zu erkennen, zu deuten und zu kontrollieren.

Mangel des Hormons (ADH)

Solange euer Kind noch nicht in der Lage ist, in der Nacht das antidiuretische Hormon (ADH) – auch Vasopressin genannt – ausreichend zu produzieren, erzeugen die Nieren in der Nacht immer noch viel Urin.

Geringe Blasenkapazität

Die Blase ist noch nicht groß genug, um den Urin in der Nacht zu speichern.

Falsche Trinkgewohnheiten

Besonders dann, wenn auch der restliche Reifungsprozess noch nicht ausreichend vorangeschritten ist, kann ein falsches Trinkverhalten das Bettnässen noch verstärken. Daher sollte euer Kind ab rund zwei Stunden vor dem Schlafengehen und während der Nacht keine koffein- und zuckerhaltigen Getränke mehr trinken. Auch Tee wirkt in der Regel harntreibend und sollte daher nur bis zum Nachmittag oder frühen Abend getrunken werden.

Symptomatik 2: sekundäre Enuresis

War euer Kind bereits mehr als sechs Monate trocken und macht plötzlich wieder ins Bett, spricht man von der sekundären Enuresis.

Hierbei können folgende Ursachen vorliegen:

Harnwegs- und weitere Erkrankungen

Körperliche Ursachen wie zum Beispiel eine Nieren- oder Blaseninfektion oder eine Zuckerkrankheit können Schuld am Bettnässen sein.

Psychische Faktoren

Auch Stress und Druck kann ein Kind zum Bettnässer machen. Kommt beispielsweise ein Geschwisterkind neu hinzu, schulische oder familiäre Probleme kann das Bettnässen eine Art der Kompensation für ein Kind oder einen Jugendlichen sein.

Mögliche Behandlungsmethoden

Eine ärztliche Untersuchung ist unabdingbar, um eine schnelle Therapie einleiten und euch seelisch beistehen und Tipps an die Hand geben zu können. Auf jeden Fall solltet ihr geduldig sein und eurem Kind signalisieren, dass es keine Schuld trägt. Druck und Bestrafung bewirken dagegen, dass sich das Einnässen verschlimmert. Übrigens ist es auch nicht gut, wenn ihr eurem Kind zu früh die Windel abgewöhnen wollt und mit dem Töpfchentraining beginnt.

Für welche Untersuchungen sich der Arzt entscheidet, ist von der Vorgeschichte und den Symptomen eures Kindes abhängig. Zu Beginn wird sich der Arzt auf jeden Fall sehr ausführlich mit euch und eurem Nachwuchs unterhalten. Im Anschluss wird der Urin untersucht.

Klingeltherapie

Abhängig davon, welche Ursachen der Erkrankung zugrunde liegen, kann beispielsweise eine sogenannte Klingeltherapie angewandt werden, die in rund 70 Prozent der Fälle zum Erfolg führt. Dazu wird auf die Matratze des Kindes eine Klingelmatte gelegt. Bei dem ersten Tropfen Urin beginnt diese bereits zu klingeln und hilft dem Kind dabei, rechtzeitig die Toilette aufzusuchen und ein besseres Gefühl für die Signale des eigenen Körpers zu bekommen. Bei dieser Therapie kann man sich übrigens auch für eine Klingelhose entscheiden. Der Vorgang funktioniert aber nur, solange der Schlaf des Kindes nicht zu fest ist. Die Therapiedauer sollte zwischen sechs und 16 Wochen liegen.

Ausführliche Dokumentation

Liegen keine körperlichen Gründe vor, können psychische Probleme der Grund sein. Dabei kann eine ausführliche Dokumentation beziehungsweise eine Art Tagebuch sehr hilfreich sein. Dadurch könnt ihr genau analysieren, was vor dem Einnässen geschehen ist. Der gleiche Vorgang ist auch für das Trink- und Essverhalten eures Kindes zu empfehlen und kann allgemein zur Ursachenfindung angewandt werden.

Medikamente nur in Notfällen

Auch eine Behandlung mit Medikamenten ist möglich, sofern zum Beispiel das körpereigene Hormon Vasopressin noch nicht ausreichend produziert wird. Dies empfiehlt sich allerdings frühestens für Kinder ab sieben Jahre. Viele Ärzte empfehlen den Wirkstoff Desmopressin allerdings nur in Notfällen, wenn das Kind zum Beispiel bei Freunden übernachtet. Nach dem Absetzen wird es für gewöhnlich auch wieder zum Bettnässen kommen. Zudem können Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit und Kopfschmerzen auftreten. Weitere Informationen zu möglichen Behandlungen mit Medikamenten erfahrt ihr im BIG-Ratgeber.

Ergänzende Infos findet ihr auf der Webseite “Initiative Trockene Nacht – Guter Tag“.

Euer Kind schläft schlecht ein? Dann findet hier hier wichtige Einschlaftipps für Schulkinder!

Quellen: gesundheitsinformation.de, Initiative Trockene Nacht – Guter Tag und BIG direkt gesund.

Titelbild: © wip-studio

Über den Autor

Saskia

Saskia

Noch keine eigenen Kinder, aber immerhin vierfache Tante. Mein Vorteil? Ich wickel, kuschel, darf (hin und wieder) erziehen, spielen, rumalbern und die Knirpse wieder den Eltern übergeben, wenn ich eine Pause von all dem benötige. Das klingt natürlich gemein, aber wenn der eigene Nachwuchs irgendwann da ist, werde ich den Vollzeitjob als Mama ganz sicher auch nicht mehr missen wollen. Meistens jedenfalls ...

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