Gebloggt Nicoles Mama-Coaching-Blog

Bedingungslose Liebe

Nicole Bailer
Geschrieben von Nicole Bailer

Eltern ist es oft nicht bewusst, dass Kinder um deren Liebe kämpfen.

Natürlich liebt ihr eure Kinder über alles – egal, ob sie gerade nicht aufhören wollen (scheinbar) grundlos zu weinen, euch Sonntagmorgens um 5.30 Uhr aus dem Bett schmeißen oder wie friedliche Engel acht Stunden durchschlafen. Aber es sind schon Kleinigkeiten, die eure Kinder an eurer Liebe zu ihnen zweifeln lassen können. Nicole schreibt heute über Fehler, die Eltern machen.


Ich will doch nur geliebt werden

Als neugeborenes Baby müssen wir noch niemandem gefallen: Wir sind so süß und knuffig, dass niemand in unserer Nähe uns nicht mag 😉 Wir werden (meistens) bedingungslos geliebt und alles dreht sich fortan nur noch um uns! Doch mit den Jahren, wenn sich unsere Persönlichkeit entwickelt, ändert sich dieser Zustand: wir bekommen immer öfter zu hören, dass wir so nicht in Ordnung sind, dass mit uns etwas nicht stimmt oder dass wir anders sein sollen. Was ist das Natürlichste in diesem Moment als Kind? Wir wollen so sein, wie unsere Eltern es sich wünschen und versuchen, anerkannt zu werden: durch gute Noten, durch nettes Benehmen oder durch Mithilfe im Haushalt. Tja, was aber nun, wenn ich jetzt viel lieber im Matsch toben möchte, anstelle artig an der Hand zu laufen? Bin ich dann nicht mehr lieb? Haben mich meine Eltern dann tatsächlich nicht mehr lieb? Als Kind ist das eine Katastrophe – denn unsere Eltern sind überlebenswichtig für uns, wir brauchen sie.

Natürlich ist es schön, wenn unser Kind an der Hand bleibt und vielleicht seine Spielsachen von alleine aufräumt, aber was steckt dahinter? Ist uns bewusst – als Eltern – dass unsere Kinder um unsere Liebe und somit in ihren Augen um Anerkennung kämpfen müssen? Ist es nicht so, dass wir sagen, sie sind anstrengend und nervig und unartig? Sind sie das wirklich und wenn ja, warum empfinden wir das so? Weil sie uns vielleicht unsere eigenen Schatten aufzeigen?

Denn sie wissen nicht, was sie wollen

Das ist leider bei uns Eltern oft so, auch wenn wir das nie zugeben würden. Auf der einen Seite wünschen wir uns starke und ganz besondere Kinder – die ihre Einzigartigkeit leben sollen und ihren Weg finden – und auf der anderen Seite sollen sie aber auch in die Gesellschaft passen und sich nicht (und irgendwie auch uns nicht) zu Außenseitern machen. Es ist schon seltsam: wenn wir einmal genauer hinschauen, dann hatte unser Kind während der ganzen neun Monate in unserem Bauch ALLES, was es zur Entwicklung gebraucht hat. Wir mussten nichts kaufen, bauen oder planen, es war alles da. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass bereits ihre kleinen Seelen so angelegt sind, wie wir sie uns im Erwachsenenalter vorstellen: mit Persönlichkeit!

Ich glaube, die Seele ist wie ein Samen, der mit dem kleinen Körper mitwächst – aber schon alle Informationen in sich hat, die er braucht. Wir müssen auch hier keine Veränderungen mehr vornehmen und die Kinder ERZIEHEN (ich finde dieses Wort furchtbar!), sondern dem Samen einen geschützten Rahmen bieten, sich so zu entfalten, wie er möchte. Damit meine ich, dass wir wie bei Blumen auch darauf achten, das Gefäß immer wieder auszutauschen und der Größe anzupassen, für gute Erde, genug Licht und Bewässerung zu sorgen. Auch das Raumklima darf nicht vergessen werden! Auf das Leben übertragen: Unsere Kinder müssen nicht zu etwas gemacht werden – sie wollen SEIN und sich selbst entfalten dürfen.

Lebt ihr das Prinzip “bedingungslose Liebe” oder ist das eher Wunschtraum?

Bild: makelessnoise/flickr CC BY 2.0

Über den Autor

Nicole Bailer

Nicole Bailer

"Ich bin Nicole Bailer, Mutter einer wundervollen Tochter und verheiratet. Ich bin Coach für Mütter geworden, weil ich in vielen Situationen meines Lebens verzweifelt war und mir einen Mensch zur Seite gewünscht hätte, der mich versteht und mich aus meinem Drama in die Realität zurück holt. Heute profitiere ich von vielen schmerzhaften Lebenssituationen und gebe das daraus Gelernte an andere Mütter weiter."

2 Kommentare

  • Und wo ist da jetzt der praktische Leitfaden, wenn der Siebenjährige meint, er müsse nur mit T-Shirt in die Schule gehen ( bei 10° Außentemperatur), nur weil er vergessen hat die warme Unterwäsche vorher anzuziehen und jetzt keine Lust mehr hat das Shirt wieder auszuziehen?

    Ich unterstütze die Grundidee, nur bin ich oft hilflos vor dem Dilemma der Realität: Denn einen geschützten Raum bieten, bedeutet immer auch einzugrenzen. (Siehe den Blumentopf in Deinem Bildnis)
    Bedingungslose Liebe bedeutet nicht grenzenloses Leben…

    • Hallo Jan,
      herzlichen Dank für deine offenen Zeilen. Ich verstehe dein Anliegen und hoffe dein Sohn hat sich keinen Schnupfen geholt 😉

      Einen geschützen Raum zu bieten sehe ich nicht als Grenze. Wenn wir das Bild der Blume nehmen, so sehe ich den Topf nicht als Gefängnis sondern als Raum zur Entfaltung. Erst wenn die Pflanze wächst und das Gefäß zu klein wird wäre es ein Gefängnis aber wie wir von der Natur wissen, lässt sie sich nicht einsperren – manche Wurzeln von Bäumen brechen sogar Asphalt auf.

      Um wieder zu unseren Kinder zu kommen: Es gibt keinen allgemeinen Leitfaden und ich denke dessen bist du dir auch bewusst 😉 Wenn dein Sohn nur mit dem T-Shirt vor die Türe geht bei 10 Grad habe ich zwei Impulse für dich:

      1. Lass ihn raus gehen und selbst fühlen, ob es für ihn zu kalt ist oder nicht. Wenn er von sich aus erkennt, dass es zu kalt ist – gib ihm die Chance ohne ausgelacht zu werden oder mit dem typischen “ich habs dir ja gleich gesagt” Satz seine Meinung zu ändern.
      Ist es ihm nicht zu kalt – ok, dann lass ihn diese Erfahrung sammeln. Was kann im schlimmsten Fall passieren?

      2. Teile ihm deine Bedenken mit, warum du es für sinnvoller erachtest eine Jacke anzuziehen und nicht nur im T-Shirt herum zu laufen. Er möchte seinen Dad vielleicht verstehen und das kann er auch mit 7 Jahren schon.

      Bedingungslose Liebe bedeutet nicht, dass wir unseren Kindern alles erlauben und nur noch JA sagen. Wir geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit und lassen sie wachsen – in dem Rahmen der sich für uns gut anfühlt. Und ich bin sicher, dass sie rasch verstehen – sich die Jacke anzuziehen ist keine Strafe und meine Eltern haben mich trotzdem lieb!

      Vielleicht macht ihr ein Spiel daraus und ihr beiden testet, wer von euch länger ohne Jacke “kann” 😉

      Liebe grüße Nicole Bailer

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