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Alle Jahre wieder: Vorweihnachtszeit in der Kindertagesstätte

Vorweihnachtszeit in der Kindertagesstätte
Redaktion ma-gazin
Geschrieben von Redaktion ma-gazin

Oder wie ich als Erzieher versuche, neue Wege zu gehen.

Alle Jahre bastele ich wieder. Laternen zu Sankt Martin, Weihnachtssterne aus Origami Papier und Weihnachtskarten für die Kindergarten Mamas und Papas. Ich backe Plätzchen mit den Kindern und gebe mein Bestes in musikalisch weihnachtlichen Gefilden. Alle Jahre wieder bin ich Bäcker, Bastelonkel und Musiker sowie Begleiter durch die Vorweihnachtszeit. Wer es noch nicht gemerkt haben sollte, ich bin Erzieher, männlicher Erzieher.


Einer dieser eher seltenen männlichen Exoten, der in die elementare Lebenswirklichkeit der 2-6-Jährigen abtaucht. Ganz aktuell ist der Anteil männlicher Pädagogen in Kindertagesstätten leicht angestiegen. Wie schön, denke ich mir. Ein Schmunzeln macht sich breit.

Tag für Tag und Woche für Woche begleite ich mit meinen meist weiblichen Kollegen den Kindergarten Alltag der Kinder. Das Schöne an meiner Arbeit ist nach wie vor die Gestaltung des Tagesablaufes sowie Feste und Feiern. Der ganze vielfältige Jahresablauf mit seinen religiösen Höhepunkten spricht mich immer noch sehr an. Weihnachten steht da natürlich an erster Stelle. Doch, nach all den Jahren als Erzieher hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Schlimmer noch, nach über 20 Jahren hat mich dieses ganze Weihnachstgedöns sogar ziemlich genervt.

Wie gehen meine Kolleginnen damit um, frage ich mich? Jedes Jahr der gleiche Ablauf, jedes Jahr Sterne basteln und die gleichen Weihnachtslieder singen. Für mich musste das ein Ende haben! Ich stellte mir die Frage, wie ich die weihnachtliche Gestaltung mit den Kindern auch für mich passend gestalten könnte.

Die Vorfreude wieder entdecken

Ich wollte die eigene Vorfreude wieder entdecken. Meine Lösung? Authentisch sein! Ich fing an, mit den Kindern eher unkonventionelle Holzsterne zu basteln. Zusammengebaut, mit bunter Lackfarbe bemalt und mit einem Teelicht versehen, gab das Ganze einen tollen Stern mit wunderbaren Lichteffekten. Da ich gerne mit Holz arbeite, hat mich diese Arbeit mit den Kindern selbst sehr angesprochen. An unserer Bastelwand sahen die aufgereihten und bemalten Sterne wie viele bunte Smarties aus.
In der Elternarbeit versuchte ich ein lockeres Beisammensein außerhalb der Kindertagesstätte zu organisieren. Leider war die Planung zu kurz anberaumt. Insgesamt waren acht Mamas und Papas gekommen. Doch diese acht waren guter Laune und ganz angetan vom “Projekt”: Weihnachten mal anders. Im Gespräch stellte ich fest, dass es vielen Eltern mit dem jährlichen Ablauf der Vorweihnachtszeit ähnlich geht wie mir. Stress, es allen recht machen wollen, Geschenke kaufen, etc.
Beim Gitarrenspiel suchte ich neue Herausforderungen und begann bekannte Spielarten mal mit ganz anderen Rhythmen zu interpretieren. Aus „Oh Du fröhliche“ wurde eine leicht verjazzte Liedform und „Oh Tannenbaum“ begleiteten wir mit Trommeln, Rasseln und mit klatschen. Etwas eigentümlich, ich gebe es ja zu! Die Kinder und ich fanden es toll, meine Kolleginnen hielten sich mit Begeisterungsbekundungen eher zurück. Und trotzdem: Diese kleinen Farbtupfer erleichterten mir den Arbeitsalltag in der Vorweihnachtszeit.

Authentisch und unkonventionell – Nicht immer das Gleiche

Authentisch und unkonventionell, teilweise ein wenig gegen den Strom fand ich meine Freude an Weihnachten wieder. Wichtig ist mir dabei nach wie vor die Bewahrung der religiösen und traditionellen Werte, bei der Gestaltung brauchte ich jedoch frischen Wind. Einmal die Reset Taste drücken und Neustart! Ich bin mir sicher, nur wenn wir selber Freude und Spaß erleben, nur dann können wir die Weihnachtsbotschaft lebensnah weitergeben.

Mein Tipp: Macht viel Außerplanmäßiges, seid spontan und begegnet Menschen, die ihr in der Vorweihnachtszeit normalerweise nicht trefft. Werdet neugierig und begebt euch auf neue Weihnachtswege! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus etwas dagegen hätte.

Mut zur Veränderung tut gut. Oh Du fröhliche. In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Familien ein außergewöhnliches und vielleicht auch unkonventionelles Weihnachtsfest.

Herzliche Grüße, euer Oliver Zenkner von den “Erziehenden Mannsbildern“.

Titelbild: © pressmaster

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